KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
ten." 1 — So wurden in den frühchristlichen Häresien heidnische Momente mit christlichen Motiven vermengt. — In der von Hippolyt zitierten gnostischen Interpretation der Hermesgestalt wird sie sogar dem Logos gleichgestellt : „Er ist der Christus, der in allen Geborenen als Menschensohn vom Logos, der ohne Kennzeichen ist, Gekennzeichnete. Dies ist das grosse, unaussprechliche Geheimnis der Eleusinier : Hye Kye : dass ihm alles unterworfen ist, das liegt in den Worten : In die ganze Welt erging ihr Schall', 2 wie auch in jenem Satz : den Stab bewegend leitet Hermes, schwirrend aber folgen die Seelen 3 in einem Zuge, wie es der Dichter im Bilde zeigt : So wie die Fledermäuse im Winkel der gräulichen Höhle /Schwirrend flattern, wenn eine des angeklammerten Schwarmes/ Nieder vom Felsen sinkt, und darauf einander sich hängen'". 4 — Merkwürdig, wie dieses klassische Bild mit der Gestalt Adams in Verbindung tritt : „Mit dem Felsen ist Adamas gemeint. Dieser Adamas ist der Eckstein, der zum Hauptstein des Eckes geworden ist 5 — im Haupte ist nämlich das Kennzeichen schaffende Gehirn, die Wesenheit, aus der jede Vaterschaft ausgeprägt wird, 6 — 'Den ich als Adamas in Sions Grundfeste lege'. 7 Er spricht — sagt weiter Hippolyt — allegorisch vom Menschengebilde. Der eingefügte Adamas ist der innere Mensch, die Grundfesten Sions die Zähne, wie Homer sagt : 'Gehege der Zähne', 8 d. i. Mauer und Wall, in denen der innere Mensch sich befindet, vom Urmenschen aus der Höhe, von Adamas herabgefallen . . . ." — Wenn wir aber den weiteren gnostischen Erörterungen folgen, welche Hippolyt noch untersucht, so erfahren wir, dass Hermes die ihm schwirrend folgenden Seelen am Sonnentor vorüber zur Flut des Okeans führt, dessen Bewegung — als die einer Lebensquelle — mit dem Aufstieg und Fall des Lebensrades identisch ist. Hermes ist also nach gnostischer Auffassung nichts weiteres als das Führen der Totengeister im Kreislaufe des lebenspendenden und lebennehmenden Lebensrad-Okeans. Hippolyt zitiert die entsprechende klassische Stelle, an welche sich diese mythische Anschauung der Gnostiker knüpft : „Auch sagt Homer, dass die Seelen ihm (d. h. dem Hermes) schwirrend folgen : 'Also waren sie schwirrend vereint, er aber ihr Führer', 9 d. h. er ging voran, Hermes, der Retter in Not, durch dumpfe, modrige Pfade', 10 d. h. zu den von jeder Not befreiten ewigen Gefilden. Wohin kamen sie denn ? ,Und sie gingen an Okeans Flut, am leukadischen Felsen/ Gingen am Sonnentor und am Lande der Träu1 Eph. 5, 14. 2 Ps. 18, 5. 3 Od. 24, 5. 4 Od. 24, 6 ff. 6 Ps. 117, 22; 1s. 28, 16. 6 Eph. 3, 15. 7 Ps. 117, 22. 8 II. 4, 350. 8 Od. 24, 2. 1 0 Od. 24, 10. me vorüber'. 1 1 Dieser Ozean ist das Werden der Götter und das Werden der Menschen, 1 2 der in wechselndem Fluss sich bald aufwärts, bald abwärts wendet. Wenn also der Ozean abwärts strömt, so ist er das Werden der Menschen, wenn aufwärts wider die Mauer und den Wall und den leukadischen Felsen, dann ist er das Werden der Götter." — Ist also dieser gnostische Hermes mit dem Aufstieg und Abstieg am kreislaufenden Lebensrad-Ozean verwandt, so wird es nicht uninteressant sein, anzuhören, was die Gnostiker von ihrer Lebensrad-Vorstellung meinten. Das gnostische Lebensrad, welches in seiner philosophischen Ausbildung Hippolyt im Ozean-Symbol beschreibt, ist dreiteilig, wie das schon besprochene dreifache Gisant-Typ-Rad. Das All, in dem sich der Aufstieg und Abstieg des Lebensozeans abspielt, besteht nach gnostischer Vorstellung nicht aus Einem, sondern aus dreien. 1 3 In den drei Phasen dieses dreiteiligen Alls ist ausdrücklich ein Höhepunkt, ein Tiefpunkt und ein Emporstreben zum Höhepunkt erkennbar. Adamas. der Mensch mit seiner seligen Natur steht am Höhepunkt, während . die sterbliche Natur den Tiefpunkt vertritt. Über diese Phasen der gnostischen Lebensradbewegung bemerkt Hippolyt : „Denn eine ist die selige Natur des seligen Menschen aus der Höhe, des Adamas, eine die sterbliche in der Tiefe, eine das königslose Geschlecht, das emporstrebt . . .". Das meint nach den Gnostikern Homer, wenn er sagt : „Dreifach ward alles geteilt und jeder erloste die Herrschaft". 1 4 Dieses dreiteilige Weltall lässt sich nach dieser Sekte in drei gewaltigen Worten aussprechen : „Kaulakau, Saulasau, Zeesar " 1 5 Und auch die Interpretation dieser drei Ausdrücke bedient sich bei der Darstellung der mystischen Kreisbewegung des Bildes vom „aufwärts fliessenden Jordan", der hier das Gegenstück des aufwärts strömenden Lebensozeans ist. „Kaulakau in der Höhe. Adamas, Saulasau in der Tiefe, der sterbliche, Zeesar der aufwärts fliessende Jordan" — zitiert Hippolyt. „Das geistige Werden ist nach ihnen (den Gnostikern) der Jordan, der die Kinder Israels verhinderte aus dem Ägypterlande (aus dem Leibe) zu ziehen. Diesen Fluss staute Jesus zurück und machte ihn aufwärts fliessen". Auf dem dreifachen Gisant-Typ wird derselbe Mensch in drei Stadien wiederholt und die Gnostiker haben „den in allem seienden, mannweiblichen Menschen" (also den Everyman !) mit dem „dreileibigen Geryones" (yfj = Erde, Qvsiv — fliessen) der Antiken identifiziert, mit „dem aus der Erde fliessenden," den die Griechen „das himmlische Mondhorn" nennen und den sich die Dichter wegen seines Dreiinsellandes, wegen seiner märchenhaften königlichen Gestalt und vielleicht auch deswegen, weil er mit sei1 1 Od. 24, 11. 1 2 II. 14, 201. 1 3 Hippolyt : im 8. Kap. des V. Buches, S. 98-99. 1 4 II. 15, 189. 1 5 Is. 28, 10.