KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

„etruskischen Genienreihe" werden wir sogar zu­geben müssen, dass die Genien die Menschen­seele durch alle Tore der Unterwelt begleitet haben. Und dort ist vielleicht der gleichzeitig auftretende weisse und schwarze Genius nicht der Schlaf und Tod, sondern „derTod des gu­ten und schlechten Menschen", die beide um den Besitz des Menschen miteinander kämpfen. Erst der Richter der Unterwelt wird den Men­schen diesem oder jenem Genius überlassen. Also auch jene Szene der elfenbeinernen Tafel des Britischen Museums muss in diesem Sinne beurteilt werden. Ausser einigen Bildwerken, welche die Folgerungen Lessings unterstützen sollen, 1 führt Lessing 2 das Bild einer Pila oder eines Sarges an, 3 auf dem zwei geflügelte Jünglinge mit um­gekehrten Fackeln einander gegenüberstehen. Der Tod und der Schlaf. Auf einem Grabstein in Rom St. Angelo (in Templo Junonis, quod est foro piscatorio ; nach Boissard), auf beiden Seiten einer zuge­schlossenen Tür stehen ebenfalls zwei geflügelte Jünglinge, der Tod und der Schlaf, mit überein­ander geschlagenen Füssen. In Bezug auf die antike Todesauffassung unterscheidet Lessing,zwischen einem allgemei­nen Todesbegriff, in dem man nur mit dem rei­nen Zustand des Totseins rechnet (<s)ávm og), und zwischen den Umständen des körperlichen To­des (Kfip). Der erste ist der natürliche Tod, der reine Übergang vom Leben ins Nichtleben. Der zweite Todesbegriff bedeutet die Notwendigkeit des Sterbens. Um den Lessingschen Begriff die­ser zwei Auffassungen kennen zu lernen, hören wir seine Definition : 4 „Todt seyn, hat nichts Schreckliches ; und in so fern Sterben nichts als der Schritt zum Todtseyn ist, kann auch das Sterben nichts Schreckliches haben. Nur so und so sterben, eben jetzt in dieser Verfassung, nach dieses oder jenes Willen, mit Schimpf und Mar­ter sterben, kann schrecklich werden und wird schrecklich. Aber ist es sodann das Sterben, ist es der Tod, welcher das Schrecken verursachte ? Nichts weniger ; der Tod ist von allen diesen Schrecken das erwünschte Ende, und es ist nur der Armuth der Sprache zuzuschreiben, wenn sie beide diese Zustände, den Zustand, wel­cher unvermeidlich in den Tod führt, und den Zustand des Todes selbst mit einem und eben demselben Worte benennt" (nämlich als „Tod"). Die altgriechische Sprache Homers soll nach Lessing noch so vollkommen sein, dass sie bei­de Todesbegriffe mit anderen Namen bezeich­net. Und zwar Thanatos und Ker. „Unter Ker — meint Lessing — versteht er (Homer) die Nothwendigkeit zu sterben, die öfters traurig wer­den kann, einen frühzeitigen, gewaltsamen, 1 z. B. bei Boissard mit der Inschrift : Somno Ore­stilia Filia, bei Lessing S. 292 ; und das Grabmal einer Cly­mene aus Boissard, Lessing : S. 295, 2 S. 296. 3 Boissard Par. V. p. 113. 4 S. 316. schmählichen, ungelegenen Tod." Also die fürch­terlich schrecklichen Umstände des Todes. „Un­ter Thanatos aber — sagt weiter Lessing 6 — (versteht Homer) den natürlichen Tod, vor dem keine Ker vorhergeht oder den Zustand des Todtseyns ohne alle Rücksicht auf die vorher­gegangene Ker." Lessing beruft sich dabei auf zwei Zitate : „Emergit late Ditis chorus, horrida Erinnys, Et Bellona minax, facibusque armata Megaera, Lethumque, Insidiaeque, et lurida Mortis imago." (Petronius) Und Statius : 6 „Mille modis lethi miseros Mors una (!) fatigat." Die lateinischen Namen : Mors, Lethum, ent­sprechen den griechischen Namen : Thanatos, Ker. Diesbezüglich meint Lessing selber : „Der Arten des Sterbens (Lethum, Ker) sind unend­liche : aber es ist nur ein Tod" (Thanatos, Mors). Lessing will beweisen, dass der Begriff des Thanatos-Todes in der griechisch-römischen Kunst ausschliesslich durch den „Thanatos-Jüng­ling" verbildlicht wurde. Während aber die Dar­stellung des „Thanatos-Jünglings" in der anti­ken Kunst sehr häufig wiederkehrt, können wir keine einzige antike Darstellung des Ker­Todes erwähnen. Der Ker-Tod wird nur von den Dichtern — und zwar mit schreckenhaften Eigenschaften — personifiziert und charakterisiert. Als Beispiele der dichterischen Darstellung des Ker-Todes führt Lessing einige Zitate aus klas­sischen Dichtern an. Wenn auch diese dichte­rischen Todesdarstellungen noch so markant sind, wurde nach Lessing der Ker-Tod als Kunst­gegenstand sehr vernachlässigt. Von dieser auf­fälligen Konklusion ausgehend hätte Lessing derartige Darstellungen suchen sollen. Er ging aber weiter und machte den Versuch, eine Kunstregel aufzustellen. Die Dichtkunst ist freier in der Erfindung von poetischen Bildern. Die darstellende Kunst kann aber nur das Allge­meine und Wesentliche eines Sinnbildes aus­drücken. Zufälligkeiten der unzähligen Todes­umstände, des Lethums, können in der bilden­den Kunst nicht berücksichtigt werden, da die Umstände sonst mit dem Allgemeinen in Wi­derspruch kämen. Das Allgemeine war in der antiken Kunst die Auffassung des Todes in der Gestalt eines schönen Jünglings. Diese Allge­meinheit ist mit dem Schlafe und mit den an­deren Genien gemeinsam. Wesentlich ist also das Merkmal der brennenden oder soeben aus­geloschenen Fackel, die Flügel und die über­einander geschlagenen Füsse. Zufällig sind die Geräte und die Eigenschaften des Lethum-To­des (also wie der Lethum-Tod in den hier fol­genden Zitaten beschrieben wird : er ist schwarz, seine Waffe ist ein Schwert usw.). Letztere Merkmale konnte man in der antiken bilden­den Kunst nicht verwerten, weil sie mit dem 6 S. 317. 8 Thebais IX. V. 280.

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