Szücs György szerk.: München - magyarul, Magyar művészek Münchenben (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2009/6)
TANULMÁNYOK - Sármány-Parsons Ilona | München szerepe a modern magyar festészeti szemlélet és stílus megteremtésében
ILONA SARMANY-PARSONS | MÜNCHENS WIRKUNG AUF DIE UNGARISCHEN MALER (VON DER MITTE DER 1880ER JAHRE BIS 1896) Die in München lebenden und dort studierenden ungarischen Maler reagierten auf die neuen Stilexperimente, die auf den ausländischen und deutschen Gemälden der internationalen Ausstellungen erschienen, sehr schnell. Zunächst waren es die Meister des Naturalismus, die als Muster der zeitgemäßen Modernität angesehen wurden. Dabei war nicht nur von Bildern der Meister des französischen Sa Ion Naturalismus wie Bastien-Lepage, Dagnan-Bouveret oder Alfred Roll die Rede, sondern auch vom Stil der zeitgenössischen belgischen und deutschen Maler wie Uhde, Liebermann, Kalchreuth und Gotthard Kuehl. Diesen folgten schottische Maler (Guthrie, Paterson), Whistler sowie die Farbenwelt und die Kunstbetrachtung mancher früher Werke des Symbolismus (Stuck, Klinger, Herterich). Ihre Wirkung auf die jungen ungarischen Maler mit moderner Auffassung und modernem Stil (Csók, Baditz, Grünwald, Ferenczy, Réti, Thorma, Pataky Zemplényi, Dudits) war jeweils verschieden. Die Anforderung des neuen, modernen und zeitgemäßen sowie realitätstreuen Malens hatte der Kritiker Richard Muther bereits 1888 in seinen Kritiken zur Internationalen Glaspalastausstellung von 1888 bewusstgemacht. Diese Texte haben die Mentalität und kritische Betrachtungsweise von Károly Lyka geprägt, jenem jungen Malerstudenten, der einige Jahre später, nach Aufgabe der Malerei, in der ungarischen Kunstszene zum wichtigsten Kritiker, zur kritischen Stütze moderner Stil-Experimente - des Naturalismus, des Pleinair und des Symbolismus - werden sollte. Auf Grund seiner seit 1890 verfassten Ausstellungskritiken ist es offenkundig, dass die experimentierenden jungen ungarischen Maler an der Schaffung neuester stilistischer Bestrebungen aktiv beteiligt waren. Die vorliegende Arbeit stellt erstmals jene psychologisierende Betrachtungsweise dar, die seit Anfang der 90er Jahre den zeitgenössischen real istisch-natural istischen Bildern eine neue Dimension verlieh. Während einerseits zeitgenössische gesellschaftliche Probleme thematisch zeitgemäß und aktuell bearbeitet wurden, konzentrierte man sich andererseits auf den emotionalen Zustand der Figuren in den einzelnen Szenen - wobei man sich neuer Erkenntnisse der modernen Belletristik und der Naturwissenschaften über die Reaktionen der menschlichen Seele bediente. Von diesen Bildern sind einige, verbunden mit den neuen Licht- und Farbeffekten des Pleinair oder des Symbolismus, zu Hauptwerken des ungarischen Stimmungssymbolismus geworden (Csók: Árvák [Waisen], Réti: Bohémek karácsonya [Weihnachten der Bohémiens]). An Hand der Wechselwirkung von Kritik und Malerei wird im Beitrag dargestellt, dass die erste bedeutende Periode der modernen ungarischen Malerei um 1889 mit Bildern des Naturalismus aus dem modernen Leben begann. In diesen Werken wurden ab dem Beginn der 1890er Jahre die vielfältigen Stilversuche der damaligen Zeit sehr schnell integriert und in einer individuellen, neuen, zeitgemäfsen und modernen Synthese zusammengeführt.