Mikó Árpád szerk.: Pannonia Regia, Művészet a Dunántúlon 1000-1541 (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2006/4)
DEUTSCHER AUSZUG - Engel, Pál : Das mittelalterliche Transdanubien als eine geschichtliche Landschaft
Großen Ungarischen Tiefebene. Transdanubien konnte seinen Aufschwung in nicht geringem Maße diesen Entwicklungen danken, in nicht letzter Reihe den seit dem 13. Jahrhundert stets intensiver werdenden italienischen und süddeutschen Handelsbeziehungen, die den Platz der erlöschten russischen und byzantinischen „Relationen" eingenommen haben. Der großangelegte Modernisierungsvorgang des 13. Jahrhunderts, während er die bäuerliche Lebensform umgestaltet hatte, schuf auch die Grundlagen des bürgerlichen Daseins. Neben der Agrarrevolution bildet der Anfang der Stadtentwicklung westlichen Typs die andere hochbedeutende Folge der Epoche, der Werdegang der sich als eine autonome bürgerliche Gemeinschaft organisierenden, mit Selbstverwaltung ausgestatteten Handelszentren fällt auf diese Zeit. Diese kamen schon den umgeordneten Kräftelinien des Fernhandels entlang zustande; teils im Zentrum des Landes, teils an jenen schlüsselwichtigen Orten, wo die hauptsächlichen internationalen Landstraßen auf das Gebiet des Landes traten. Im Falle von Transdanubien erwies sich Sopron (Ödenburg) als solcher, die Grenzstation der nach der Wiener und der Prager drittwichtigsten westlichen Route, welche Stadt ihr wichtigstes Privileg im Jahre 1277 erhielt. Györ (Raab), wo die Soproner Straße in die von Wien kommende Straße mündete, wurde vom König István dem Fünften im Jahre 1271 zu einer Stadt organisiert. Auch in der Mitte des Landes gingen wesentliche Veränderungen vonstatten. Hier bildeten ursprünglich die beiden frühen Herrscherresidenzen, Esztergom (Gran) und Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) die beiden wichtigsten Zentren. Beide waren vorwiegend von Wallonen bewohnt, die wahrscheinlich im 12. Jahrhundert angekommen waren, und die Bewohner von Székesfehérvár ließen ihre weitreichenden Vorrechte später von König Stephan dem Heiligen selbst entstammen. Diese Vorrechte - das sog. Fehérvárer Recht - dienten seit um das Jahr 1240 herum schon als Muster für die neu errichteten Stadtgemeinschaften. Unter ihnen war zweifelsohne Buda (Ofen) die wichtigste Stadtgemeinschaft gewesen, die nach dem Tatarenzug von König Béla dem Vierten schier aus dem Nichts gegründet wurde, gegenüber dem uralten Pest, an der wichtigsten Übergangsstelle der Donau. Die auf den „pesti Újhegy" (Pester Neuberg) - auf den heutigen Budaer Schloßberg angesiedelte Stadt Buda hat sich während einiger Jahrzehnte zur meistbevölkerten und sich am dynamischesten entwickelnden Siedlung nicht nur Transdanubiens sondern auch des ganzen Landes ausgewachsen, und zum Anfang des 14. Jahrhunderts zählte sie schon als königliche Residenz. Da erfolgte jedoch ein vorübergehender Rückfall, weil die Bürger der Stadt in den dem Aussterben der Árpádenkönige (1301) folgenden inneren Kämpfen schlecht politisierten, und gegen den siegreichen Dynastiegründer, den aus dem Hause Anjou stammenden König Károly den Ersten Stellung nahmen. Deshalb verlegte Károly im Jahre 1323 seinen Hof nach Visegrád, und sowohl er, als auch sein Nachfolger, König Lajos der Große (1342-82) regierten ihr Land aus ihrem hiesigen neuen Palast. Hier befand sich ihre Kanzlei und ihr ständiges Gericht, hierher wurde im Jahre 1342 auch das Amt des Palatins verlegt, und sie taten ihr Bestes um die Entwicklung des am Fuße des Palastes liegenden Städtchens zu fördern. Dessenungeachtet konnte man an der führenden Rolle von Buda schon nicht mehr ändern. König Zsigmond, aus dem Hause Luxemburg (1387-1437), zog diese Konsequenz, als er um das Jahr 1406 mit seinem Hofe und mit den zentralen Regierungsämtern endgültig hierher zog, und seitdem betrachtete jedermann Buda eindeutig als die Hauptstadt des Königreiches. Neben all seiner Bedeutung bildete jener Umstand, daß es sich fast ausschließlich auf den Fernhandel gründete, eine charakteristische Schranke des ungarischen Städtischwerdens. Wir haben den Eindruck, daß der Platz und das Gewicht der sich herausbildenden Städte sozusagen einzig und allein durch die Richtungen und durch die Intensität dieses Handels bestimmt wurden. Das Handwerk, obwohl es selbstverständlich in dieser oder jener Form überall anwesend war, war nicht imstande gewesen sich eine solche Kraft zu verschaffen, daß es diese Indizes beträchtlich beeinflussen hätte können. Im Falle von Transdanubien bedeutete all dies soviel, daß das Städtischwerden sich hauptsächlich auf eine Region, auf das zwischen Buda und Wien liegende Gebiet beschränkte. Die hiesigen königlichen Städte: Székesfehérvár, Esztergom, Győr und Sopron haben in der ungarländischen Stadtentwicklung einen führenden Platz eingenommen, sie haben, mit der Ausnahme von Győr welche Stadt im Jahre 1447 in den Besitz seines Bischofes geriet - bis zur türkischen Eroberung ihre Freiheiten bewahrt, und da ihre vom 13. Jahrhundert an ausgebaut werdenden Mauern sie zu erheblichen Befestigungen gestalteten, war auch ihre politische Rolle nicht zu vernachlässigen. In der ganzen Region war mit ihnen, zumindest angesichts ihrer wirtschaftlichen Rolle, allein die süd-transdanubische Bischofsstadt, die ebenfalls mit Mauern umzingelte und mit bedeutenden - obwohl in seinen Details nicht bekannten Privilegien ausgestattete Stadt Pécs (Fünfkirchen), als gleichrangig erklärbar, dieses mit Szeged (Segedin) und Temesvár (Temeschwar) zusammen bestehende Zentrum des restlichen südwärts gerichteten Handels. Der andere Bischofssitz, die Stadt Veszprém, war mit ihr nicht zu vergleichen. Wenn wir die Besitzverhältnisse des mittelalterlichen Transdanubiens mit einem eigenartigen Zug charakterisieren wollen, dann müssen wir vor allem das verhältnismäßig bedeutende Gewicht des kirchlichen Eigentums hervorheben. In Anbetracht des Landesniveaus war die mittelalterliche ungarische Kirche eher als arm wie reich zu deklarieren, mindestens wenn wir sie in einer europäischen Vergleichung betrachten. Während in den westlichen Ländern der Anteil der Kirche vom Grundbesitz zumeist die 30% überstieg, kann in Ungarn dies kaum auf mehr als 15% geschätzt werden. Das wirtschaftliche Gewicht der Kirche war freilich - von sonstigen, immateriellen Faktoren jetzt ganz zu schweigen - weitaus größer als dies gewesen, da doch ungefähr die Hälfte der kirchlichen Einkünfte nicht aus dem Grundbesitz, sondern aus dem Zehntel stammte. Es besteht jedoch als eine Tatsache, daß in Ungarn nur verhältnismäßig wenige Leute unter einer kirchlichen Gutsherrschaft lebten. Die Mehrheit der bemittelten Kirchensprengel entstand im Zeitalter der Árpádenkönige, ja sogar nur in den ersten zwei Jahrhunderten dessen, und soweit es von den unvollständigen Angaben zu beurteilen ist, hat diese Mehrheit den größten Teil seiner Böden auch zu jener Zeit erworben. In Transdanubien gab es nicht mehr als nur drei Ausnahmen : das von der Witwe König Károlys des Ersten, Königinmut-