Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)
KATALÓGUS / KATALOG - III. Állami műpártolás
2. Die staatlichen Aufträge des Kultusministeriums unter József Eötvös und Ágoston Trefort In der neuen Verwaltungsstruktur, die nach dem Ausgleich mit Österreich im Jahr 1867 ausgebaut wurde, schienen die Ausgaben der künstlerischen Institutionen im Budget des Ministeriums für Kultus und Bildung auf. Neben Erhaltung und Förderung des Ungarischen Nationalmuseums wurden im Ministerium jährlich auch Summen für staatliche Kunstaufträge bereitgestellt. Dies wurde dadurch ermöglicht, daß weltliche und kirchliche Fonds und Stiftungen von da an vom Kultusminister verwaltet wurden. Zur Begutachtung der Käufe und Aufträge rief Minister József Eötvös 1871 den Landesrat für Bildende Kunst ins Leben, in dem auch die bedeutenden Kunstwissenschaftler der Zeit, Ferenc Pulszky und Arnold Ipolyi eine Rolle spielten. In den ersten Jahren des Ministeriums vergab Eötvös mehrere Aufträge zur Förderung von kulturellen Institutionen und unterstützte verschiedene künstlerische Programme sowohl auf dem Gebiet der Malerei als auch auf dem der Bildhauerei. Die Summe zur Freskierung des Treppenhauses des Ungarischen Nationalmuseums war noch 1866 vom Wiener Reichsrat gebilligt worden, die Ausführung erfolgte aber bereits während der Amtszeit des Ministers Eötvös. Das ikonographische Programm der Treppenhausfresken faßte die Ideale und die Etappen der nationalen Bildung zusammen, daneben gab Eötvös auch eine ergänzende Skulpturengalerie in Auftrag. Diese Galerie bestand aus Marmorbüsten der Großen der Geschichtsschreibung, der Rechtswissenschaften und der nationalen Dichtung. Im Hintergrund der staatlichen historischen Preisausschreibungen und Aufträge ist die Konzeption Eötvös' von der Aufgabe des Nationalmuseums greifbar: Er beabsichtigte eine nationale Bildersammlung zu errichten, die auf sein umfassendes Bildungsprogramm abgestimmt war. Neben der Porträtgalerie von namhaften Wissenschaftlern vergab er auch Aufträge zur Kopierung von Kunstwerken ausländischer Bildergalerien, sofern diese irgendeinen Bezug auf Ungarn hatten. Er ließ auch ein Programm zur Veröffentlichung von Materialien zum Anschauungsunterricht erarbeiten. Diese wurden von namhaften ungarischen Künstlern ausgeführt. Aus dem Religionsfonds wurden die Restaurierung zahlreicher Kirchen ermöglicht und manche Institutionen im Zusammenhang mit diesen Arbeiten errichtet, so zum Beispiel das Institut für Glasmalerei. Der Nachfolger von Eötvös an der Spitze des Kultusministeriums, Ágoston Trefort, führte die nach 1867 eingeleitete Praxis der staatlichen Aufträge und Käufe im wesentlichen unverändert fort. Auch die Kopierungen wurden nicht eingestellt, so ließ er zum Beispiel Raffaels Fresko im Vatikan, Attila vor Rom durch den Maler Antal Haan kopieren. Ende der 70-er Jahre wurden für die restaurierten Kirchen zu Lasten des Religionsfonds Preisausschreiben im Bereich der Kirchenkunst durchgeführt, um die fehlenden Altäre zu sichern. Zur Beurteilung der Preisarbeiten und der Aufträge wurde ein „Ausschuß für die Förderung der ungarischen Kirchenkunst" eingesetzt. Minister Trefort hielt die Dekoration der öffentlichen Gebäude für den wichtigsten Bereich der staatlichen Kunstförderung. In seinem öffentlichen Brief an den Kunstwissenschaftler Bischof Ipolyi vom 26. April 1881 betonte er: „Die Künste sollen in die öffentlichen Gebäude, in die Kirchen, in die Schulen, an die öffentlichen Plätze und Promenaden eingeführt werden ... Der Staat soll den bildenden Künsten in den öffentlichen Gebäuden, die Kirche in den Gotteshäusern Platz gewähren ... in den Instituten der Universitäten soll dies durch die Ausstellung der Bildnisse oder Büsten der hervorragendsten Professoren und Wissenschftlern geschehen." K. S. a. Anschauungsbilder für Schulen aus dem Jahre 1872 Die Grundlage des Unterichtswesenreformes von József Eötvös aus dem Jahre 1868 bestand in der Kodifizierung und Organisierung der allgemein verbindlichen Grundbildung. Das in Gang Setzen der Volksschulbildung wurde durch den Mangel an verschiedenen Lehrmitteln erschwert. Die Anschaffung der Lehrbücher, Unterrichtsleitbücher, Landkarten, Globen und Anschauungsmittel aus einem ministerialen Kontingent, das Beginnen ihrer Publikation, hat aber dies gemildert. Der Leiter dieser Arbeit war Pál Gönczy, ein Ministerialabteilungsrat des Ministeriums für Religion und Unterrichtswesen gewesen. Im Rahmen dessen hat Kultusminister Tivadar Pauler dem Kunstmaler Ferenc Újházy, einem Zeichenlehrer der Ofener Oberrealschule, den Auftrag gegeben, daß er zusammen mit seinen Künstlerkollegen die für die Sprach- und Intelligenzübungen der Volksschulen notwendigen Anschauungsbilder verfertigen möge. Die seitens Pál Gönczy zusammengestellte Thematik enthält die Beschreibung von 40 Bildern aus dem Kreise des alltäglichen Lebens, der verschiedenen Beschäftigungen und Arbeiten, sowie der Naturkunde. Den pädagogischen Anforderungen des Zeitalters entsprechend bildeten die Anschauungsbilder Mittel der Erziehung der Kinder zur Arbeit. Die Thematik zeigt es genau, daß die Modernisierung des Unterrichtswesens zugleich auch die Schaffung der einheitlichen nationalen Kultur bezweckte. Der angegebenen Thematik entsprechend mußten die Künstler zuerst in einer Federzeichnung die Bilder anfertigen, und dann geschah auf Grund der litographierten, kolorierten Version dieser Bilder die Vervielfältigung in der Staatsdruckerei. Die an dieser Arbeit teilnehmenden Künstler, János Greguss, Sándor Irinyi, Károly Jakobey, Ödön Kacziány, Gusztáv Keleti, Soma Orlai Petrics, István Sárdi, Mihály Szemlér, Bertalan Székely, Károly Telepy, Mór Than und Ferenc Újházy benutzten die Kompositionsschemata der Genrebildmalerei. Die ersten zehn Musterblätter hat das Kultusministerium an der Schulwesenausstellung der im Jahre 1873 stattgefundenen Wiener Weltausstellung vorgelegt. Die 40 Tafeln sind in aus je zehn Stücken bestehenden Serien bis Ende des Jahres 1 877 erschienen. Diese bisher nicht publizierte lithographierte Kunstblatt-Serie bedeutet den Anfang der für die Künstler gesicherten, keinem repräsentativen Zweck dienenden staatlichen Aufträge, und kann zugleich auch als das erste völlig heimisch hergestellte Schulhilfsmittel betrachtet werden. L. Sz.