Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)

TANULMÁNYOK / BEITRÄGE - HESSKY Orsolya: Nemzetközi-e a nemzetközi zsűri?

ORSOLYA HESSKY Ist die internationale Jury tatsächlich international? Wieviel Wert hat wohl ein sog. mention honorable? Oder ein Ehrendiplom? Und wie verändert sich der Wert eines Werkes, wenn es auf einer großen Ausstellung die goldene Medaille gewinnt? Ist die Jury der internationalen Ausstellungen, laut derer unparteiische Urteile die Auszeichnungen verteilt werden, tatsächlich international? Das System der Auszeichnungen war bei allen internationalen oder Weltausstellungen je anders - dies stellt sich aus dem Statut der jeweiligen Ausstellung heraus; dieses System der nationalen, Winter- oder Frühlingsausstellungen wurde jeweils von der veranstaltenden Gesell­schaft, im Falle von München z.B. der Münchner Künstlergenossenschaft festgelegt. Demgemäß existieren auf diese Fragen mehrere Antworten; im Rahmen dieser Arbeit können wir jedoch nur einige Beispiele hervorheben, die das Problem illustrieren: von den zahlreichen großen Ausstellungen des vorigen Jahrhunderts wurden zwei ausgewählt, und aufgrund dieser beiden versuchen wir uns zu orientieren. Da keines der beiden Statuten zugänglich ist, mußten wir uns auf andere Quellen 1 stützen. Für die ungarischen Künstler wurde München in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das wichtigste Ziel, was die künstlerische Ausbildung betrifft; Wien verlor schnell die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erreichte Priorität und Paris übte noch keinen großen Einfluß auf die werdenden Künstler aus. Deshalb halten wir es für wichtig, zuerst die Rolle der ungarischen Künstler in den Münchner Ausstellungen zu behandeln. Aus den unzähligen zeitgenössischen Quellen und Erzählungen ist bekannt, daß in München eine bedeutende ungarische Kompanie lagerte, die sich auf allen Gebieten des Lebens bemerkbar machte. Es ist also natürlich, daß die Ungarn an allen Ausstellungen teilnahmen, u.zw. in einer Gruppe: die dort lebenden Maler stellten ebenfalls als ungarische Künstler aus, ihre Werke hingen in einem Raum mit den tatsächlich aus Ungarn geschickten Bildern. Obwohl die Stadt München bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über ein reges künstlerisches Leben verfügte, wurde die erste internationale Ausstellung erst 1869 veranstaltet, im gerade für diesen Zweck erbauten Glaspalast. Trotz des großen Erfolgs fand sie zehn Jahre lang keine Fortsetzung, die nächste wurde im Sommer 1879 eröffnet. Von dieser Zeit an folgten die Intenationalen in vierjährigen Rhythmus aufeinander. Die konstituierende Sitzung des Central Comités erfolgte im Dezember 1882; es hatte kein ungarisches Mitglied. In dieses Komitee wurden ausschließlich die bedeutendsten Vertreter des Münchner künstlerischen Lebens, Maler und Professoren der Akademie eingeladen. Sie nahmen in kurzer Zeit das Statut für internationale Kunstausstellungen an und begannen, die in der Satzung bestimmten Kommissionen 2 zusammenzustellen. Im Statut wurden außerdem jene Länder aufgelistet, die über eigene Ausstellungskommissionen und Jurys verfügen: Amerika, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn, Skandinavien und Spanien. Österreich-Ungarn wurde zudem aufgeteilt, zum Ausstellungskommissar für Ungarn wurde Karl von Telepy ernannt. Er war also für die Zusammenstellung des ungarischen Materials verantwortlich. Die Satzung 3 von der Magyar Képzőművészeti Társulat (Ungarische Gesellschaft für Bildende Kunst) disponierte leider weder über die Auswahlmethode für ausländische oder internationale Ausstellungen, noch über die in diesem Zusammenhang aufzustellenden Komitees und Jurys. In der Satzung wurde ein Paragraph über die Schaffung und Tätigkeit einer Kunstjury verfaßt, der aber nicht die Frage der internationalen Ausstellungen behandelte; wahrscheinlich wurden in jedem Fall die organisatorischen Verordnungen der betreffenden Ausstellung übernommen. Aus dem Statut der hier behandelten Münchner internationalen Ausstellung aus dem Jahre 1 883 ließ sich nicht feststellen, warum gerade Telepy diese Aufgabe anvertraut worden war; auf jeden Fall ist von diesem Punkt an eindeutig, daß die Internationalität dieser Ausstellung sich in der Tatsache erschöpfte, daß die Werke verschiedener Künstler aus verschiedenen Ländern gleichzeitig in einem Raum ausgestellt wurden. Hinsichtlich der Auswahlmethode von Telepy kann man einige Anhaltspunkte erhalten, wenn man den Bericht 4 der Auswahljury untersucht, die die Werke zur 1861 veranstalteten Londoner internationalen Ausstellung auswählte (dies ist die einzige Quelle, die die internationale Ausstellungen betreffenden heimi­schen Auswahlmethoden behandelt): ein aus den Mitgliedern der Ungarischen Gesellschaft für Bildende Kunst bestehender „kunstkritischer Ausschuß" nahm Stellung, ob das eingesandte Bild seinen „festgelegten Zweck" erfüllt, d.h. ob „es die höhere Entwicklungsstufe der bildenden Kunst vertritt, die in unserer Heimat für diese Kunst charakteristisch ist" 5 . Die internationale Ausstellung war also nur insofern international, als mehrere Länder an einer Schau teilnahmen. Die Wahl widerspiegelte in diesem Fall überhaupt nicht die Meinung der veranstaltenden Stadt über die Kunsttätigkeit des eingelade­nen Landes, da sie selbst an der konkreten Auswahl nicht teilnahm; sie sah nur einen Ausschnitt, das von einem Ausschuß - oder vielleicht nur von einer einzigen Person - durchgesehen wurde. Gegen die Kammerausstellungen der über ein eigenes Komitee verfügenden Länder hatten die Organisatoren keinen Einspruch erhoben. Man kann natürlich die Frage stellen, inwiefern das künstlerische Leben oder gar das Publikum das Bedürfnis gehabt hätten, die Kunst der einzelnen Länder nicht als selbständige Einheit zu betrachten, sondern im ausgehängten Material die Auswahl­prinzipien der Münchner Künstlergenossenschaft wiedererkennen zu können? Vielleicht war diese Methode tatsächlich einfacher und sicherer: es wurden immer von zuverlässigen und erfahrenen Kritikern zusammengestellte Materialien gezeigt. Eigentlich hat nie jemand gegen diese Methoden Protest erhoben. Sogar die Kritiker dachten, daß ihre Aufgabe so viel leichter

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