Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Ferenc Gosztonyi: Ein richtiger Roman. Die 1905 herausgegebene Mednyanszky-Monographie von Dezső Malonyay
FERENC GOSZTONYI Ein richtiger Roman DIE 1905 HERAUSGEGEBENE MEDNYÁNSZKY-MONOGRAPHIE VON DEZSŐ MALONYAY Die Monographie von Dezső Malonyay (1866-1916) ist in der Geschichte der Mednyánszky-Rezeption eine „unerforschte" Inklusion. 1 Ein scheinbar nutzloses - sogar ärgerliches und störendes - Stück, ein richtiger Schmöker. Wenn wir sie hingegen als Teil eines konkreten Diskurses lesen, erschließt sie sich der Interpretation, und es stellt sich heraus, dass ihre auf den ersten Blick unverständlichen Sätze nur ungedeutet sind. Sie wieder verständlich zu machen, kostet nicht allzu viel Mühe. Im Folgenden will ich den Versuch einer radikalen Neulesung der Mednyánszky-Monographie wagen. Zu empfehlen ist dabei folgende Interpretationsmethode: Lesen wir das Buch von Malonyay einmal so, als beinhalte es - wenn auch nur in Spuren und Bruchstücken - eine von den Anhängern Jusths, dem sogenannten Kreis Justh-Czóbel, niemals geschriebene virtuelle Mednyánszky-Monographie! 2 Malonyay ist frühzeitig, 1916 verstorben. 3 In den anlässlich seines Todes veröffentlichten Nekrologen lassen sich teilweise interessante Anzeichen für das Bemühen der Autoren entdecken, einen Interpretationsschlüssel zur einheitlichen Betrachtung seines außergewöhnlich heterogenen Lebenswerkes zu liefern. Die meisten von ihnen sahen diesen Schlüssel im nationalistischen Literaturprogramm des Verstorbenen. Was die Bewertung des Programms betraf, war man sich jedoch keineswegs mehr so einig wie in der Benennung desselben. Miklós Rózsa wies z. B. in der Literaturzeitschrift A Hét mit unverhohlener Missbilligung darauf hin, welchen Platz Malonyay, als er von seinem mehrjährigen Paris-Aufenthalt nach Ungarn zurückkehrte - er war u. a. Sekretär von Mihály Munkácsy -, im öffentlichen Leben einnahm: „Denn als ihn hier in der Heimat die extrem nationalistische Tagespresse unter ihre Gardisten einreihte, als er seinen Platz einnahm in dieser Gesellschaft, die sich schon aus ihrer sogenannten reinungarischen Politik heraus streng von allem modernen und progressiven Fortschritt abgrenzte und für die sogar die unkünstlerische nationale Richtung noch wertvoller war als die Kunst im Zeichen der höchsten Universalität, passte sich keiner schneller, vollkommener und bedingungsloser dem literarischen und künstlerischen Idealbild der ungarischen Gentry an als er." 4 Anders - und sehr viel positiver - beurteilte Károly Szász d. J. in der Zeitschrift Magyar Figyelő das Wirken Malonyays. Über dessen Künstler-Monographien schrieb er z. B. beipflichtend, dass Malonyay in jedem Fall jene Künstler zum Gegenstand seiner Arbeiten gewählt habe, die „die wenigste Abhängigkeit vom Ausland zeigen [...] Deshalb schrieb er mit so großer Begeisterung die Bände über Pál Szinyei Merse und Baron László Mednyánszky. Beide Bücher wirken, als wären sie eine Kampfschrift für die nationale Kunst. Über die rein malerischen Werte ging er in der Einschätzung fast hinweg, die atavistischen Züge seiner Helden ergründete er hingegen mit großem Eifer, bis hin zur Erforschung des Familienstammbaums. Wer diese Bücher als Quellenwerke nutzen will, wird häufig enttäuscht, denn die chronologische Ordnung, die Stilkritik und sogar der Titel einzelner Werke erschienen dem Autor so nebensächlich, dass er nur wenig Sorgfalt darauf verwendete." 5 Letztere, auf die Meinung der Zeitgenossen Bezug nehmende Anmerkung könnte uns bei der Interpretation der Mednyánszky-Monographie recht hilfreich sein. Károly Lyka formulierte in seinem Nachruf in der Zeitschrift Új Idők, Malonyay habe sich im literarischen Schaffen von seiner Neigung für die „ungarische Schönheit" leiten lassen und sei „deshalb Monograph der drei originellsten ungarischen Maler - Munkácsy, Mednyánszky und Szinyei Merse - geworden." Lyka zitierte - sicher in dem Gefühl, es sei hier angebracht - auch die häufigste Redewendung des Verstorbenen: „Der unsrige - das war seine Lieblingswendung, wenn von einem ungarischen Künstler wie Mednyánszky die Rede war. Er ist der unsrige - niemand konnte diese Worte mit mehr Pathos aussprechen als er." 6 Die Monographie erschien mit der Jahresangabe 1905 - aber wahrscheinlich schon in den letzten Tagen des Jahres 1904 - in der Reihe Művészeti Könyvtár [Künstlerische Bibliothek], herausgegeben von Elek Koronghi Lippich. Lippich hatte in einem Brief vom März 1902 den Verlag davon informiert, dass er „mit einem hervorragenden Schriftsteller für eine ganze programmatische Reihe von Monographien zu den bedeutendsten ungarischen Künstlern" Verhandlungen aufgenommen habe. „Den betreffenden Herrn muß ich einem anderen Verlag abspenstig machen, und ich scheine schon Erfolg zu haben." 7 Der erwähnte Schriftsteller war Malonyay, der sich bald darauf mit Lippich einigte und mit seinen Monographieplänen - „Művészeink" [Unsere Künstler] (daraus wurde A fiatalok [Die Jungen]), „Munkácsy Mihály" und „Mednyánszky" - beim Verlag erschien, wo er sich verpflichtete, im l Der junge Malonyay (Új Idők, 12. Dezember 1897. 512)