Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919
László Mednyánszky: Kora tavasz [Vorfrühling], ausgestellt im Jahr 1913, auf der Frühlingsausstellung der Kunsthalle. (Verbleib unbekannt, Repr. aus dem Katalog) Zur Vielfalt der Berichte gehört (als Kuriosität) auch die Meinungsäußerung des Königs. Franz Josef I. besuchte während seiner Budapester Aufenthalte meistens auch die Ausstellungen in der Kunsthalle. Bei dieser Gelegenheit berichteten die Zeitungen, dass „die Stadtstreicher von Mednyánszky dem König nicht besonders gefallen haben, und er sagte, dass die Landschaftsbilder des Künstlers viel schöner seien. - Was für Gestalten sind das überhaupt, etwa Bergarbeiter? - fragte der König. - Verlumpte Gassenjungen - antwortete ihm Karlovszky," 36 der Veranstalter der Ausstellung, der den König begleitete. Im folgenden Jahr stellte Mednyánszky zwar nur wenige Landschaftsbilder aus, doch vermochten auch diese die Kunstkritiker in zwei Lager zu teilen. Einige erkannten in den Veränderungen der Malerei einen Fortschritt, andere vermeinten darin eine Rückentwicklung zu bemerken. „Auf den Landschaftsbildern von Mednyánszky sind wieder neuere Qualitäten zu sehen, so als ob jeder Frühling in seinem Genie neues Leben ersprießen ließe" - schrieb Dezső Malonyay. 37 Ernő Osvát war ebenso begeistert: „Natürlich gibt es Künstler, deren jedes Werk nicht nur von hohem Niveau, sondern auch ein vollendetes und tadelloses Kunstwerk ist. Der dunkle Nadelwald von Mednyánszky, mit seinen dichten Bäumen und seiner magnetischen Tiefe; sein Bild Tavasz [Frühling], ein blühender Strauch, der allein den Frühling macht - dies sind ganz gewiss Kunstwerke" 38 (Kat. 140). László Kézdi-Kovács wollte dagegen in den Darstellungen Fehler und Mängel erkennen: „Die fehlende Farbenharmonie verringert diesmal den Wert der Bilder von Baron Mednyánszky, die Härte der braunen Farben auf dem Frühlingsbild, die kalkigen Flecken der weißen Farben auf dem Fichtenbild wirken störend." 39 Gleichermaßen abgeneigt war auch der Kritiker der Zeitung Alkotmány: „Baron László Mednyánszky verlor seit letztem Jahr an Poesie. Sein Mystizismus ist vielleicht nicht mehr so dunkel, seine Fantasie aber kann nur mit Mühe die großen Leinwände auffurchen. Seine Bilder mit dem Titel Fenyves [Nadelwald] und Tavasz [Frühling] sind hart, die Luft vibriert in ihnen nicht, ihre Farben sind unbehaglich kalt und ihr Pathos ist leer, hochtrabend und wenig aussagend. Im Bild Tavasz [Frühling] zeugen zwar die Wolken und der Boden vom Pinsel des früheren Mednyánszky, was aber dazwischen ist, ist der Vergangenheit des Poeten nicht mehr würdig." 40 Im Herbst von 1902 berichtete man ein weiteres Mal von Mednyánszkys Landschaften: „Baron László Mednyánszky erschien mit zwei fantastischen Landschaftsbildern, sein Schüler, Nándor Katona mit einer natürlich wirkenden Waldpartie. Das eine von Mednyánszkys Bildern stellt eine Winterdämmerung dar, mit Lampenlicht beleuchtete Hütten, in der Mitte einer schneeigen Gegend, über die der Himmel auf eine bizarre Weise, mit grünlichen Farbtönen gemalt worden ist. Das andere Bild zeigt einen Bergsee, mit einer fein farbenspielenden Kolorierung, in der ein violetter Farbton dominiert." 41 Des Künstlers Bedeutung und Autorität äußert sich besonders darin, dass man über ihn berichtete, auch wenn er mit keinem Bild an einer Ausstellung teilnahm: „Diesmal fehlt auch László Mednyánszky, der andere junge Alte, der Poet des melancholischen Nebels, der Erträumer der bläulichen Sonnenuntergänge, der opalfarbig schimmernden Berglandschaften, der betrübten braungelben Morgen. Auch in seiner Kunst sind unbekannte Geheimnisse verborgen, hinter den fantastischen Farben, den imaginären Landschaften, hinter den alles bedeckenden Nebelschleiern" 42 - schrieb etwa Béla Lázár in seinem Bericht von der Frühlingsausstellung des Jahres 1903. Lajos Fülep beschäftigte sich das erste Mal anlässlich der Winterausstellung 1903 mit Mednyánszky. Fülep, der sich später durch eine ausgesprochen radikale Wertordnung einen Ruf machen sollte, war damals ein noch junger Kritiker. Seine Meinung über Mednyánszky stand allerdings bereits damals weitgehend fest und sollte sich auch später nicht wesentlich verändern: „Baron Mednyánszky ist heute schon zu den Klassikern zu zählen. Seine Homogenität erreichte die Vollkommenheit. Sollte sein Name auf irgendeinem seiner Bilder, nehmen wir an, auf Alkony a lápon [Dämmerung über dem Moor] oder Este [Abend] verloren gehen, könnte man aufgrund seiner anderen Werke unzweifelhaft feststellen, dass es sich um seine Arbeit handelt. In seinen Nächten fühlt man sich, als ob man dort wäre, mit dem ganzen Wesen, in der Nähe des Künstlers. Niemand kann heutzutage die Nacht auf dieser Weise malen, wie er. Zu bemängeln, dass er stets die Nacht oder die Dämmerung malt, wäre, als ob man wollte, dass aus den Wolken schwarzer Schnee falle. Wer die Kunst von Mednyánszky nachempfinden kann, wird ihn sich immer so wünschen und ihn so finden, selbst auf seinen heitersten Bildern wird er die abendliche Melancholie entdecken." 43 In den Augen von Fülep waren zu dieser Zeit Mednyánszkys wesentlichste Werte seine Originalität, die Individualität, die Gesamtheit der nur Mednyánszky charakterisierenden, ungewöhnlichen, einfachen Eigenschaften, sowie die Tatsache, dass seine Werke mit den Bildern anderer Künstler nicht zu verwechseln sind (Abb. 5-6). Anlässlich der Ausstellung schrieb László Márkus ein Feuilleton über Mednyánszky in der Zeitung Alkotmány. Er sah das Wesen seiner Kunst folgendermaßen: „Sollte die Natur über eine malerische Seele verfügen, so hat sie Mednyánszky gefunden. Sowohl im Herbst, als auch abends kommt der Gedanke der Vergänglichkeit auf die Erde, und das stürmische Leben widersetzt sich dagegen mit trotziger Glut. Ihren Kampf kann man in Gedichten, in der Musik versinnbildlichen, wenn es aber ein Maler tut, ist dies nur mittels Farben und Linien möglich. Mednyánszky erzählt nicht, und er zeigt in seinen Bilder auch keine Figuren, ,auf deren Gesichtern die Stimmung der Landschaft widergespiegelt werden könnte'. Die Bewegungen dieses Kampfes sind zwischen den vibrierenden Atomen der Luft, die mächtigen Wolken; die einander anfallenden Töne geben uns die außergewöhnlich tiefen Impressionen einer außergewöhnlich gefühlvollen Seele so getreu bekannt, dass wir den keuchenden Atem der mit dem Vergehen ringenden Landschaft nahezu hören können." 44 Der Rezensent der Zeitung A Hét, József Nyitray, hob fünf Künstler der Winterausstellung hervor und entwarf ein essayartiges Porträt über sie. Als erstes charakterisierte er Mednyánszky wie folgt: „Er ähnelt niemandem. Seine