Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919

Zoltán Ambrus, Kritiker der Zeitung A Hét, beschäftigte sich vielmehr mit der Gestalt Mednyánszkys, mit sei­nem sonderbaren Leben: „Mednyánszky, der Mensch ist wohl auch zu Hause ziemlich unbekannt; in Gesellschaft geht er seit langem nicht, man sieht ihn selbst unter Künstlerkameraden selten. Er lebt in einer Eulenburg, halb im Himmel, zwischen den Wolken; [...] seine unmittelbare Gesellschaft: Wolken, Wind und die Dichte des Waldes. [...] Dieser Mensch kennt die geheimsten Schönheiten der Natur; er ist der auserwählte Liebhaber der wunder­vollsten Schöpfung. Dieser Mensch wird sich nie der Mode entsprechend kleiden, auch wenn er zufällig als Baron geboren wurde. [...] Wenn ein Baron sommers, wie winters denselben alten Salonrock trägt, mit sehr wenigen Menschen verkehrt und in der Saison der Bälle in einem verlassenen Eulennest lebt, dem wird rasch nachgesagt, dass er wohl zynisch und menschenfeindlich sein mag. Diese Folgerung war möglicherweise nie so ungerecht, wie gegenüber Mednyánszky. [...] Dieser groß gewachsene Geselle ist eine der liebevollsten Seelen, die je auf der Erde gelebt haben, und die nur halb auf der Erde leben. Er ist einer von denen, die aus voller Sensibilität und Subtilität erschaffen sind, und deren Leben aus ätherischen Sensationen besteht, die ein gewöhnlicher Mensch überhaupt nicht verstehen kann." Die Schlussfolgerung von Ambrus ist: „Welch ein vollkommener Künstler, welch ein großer Poet der Landschaftsmalerei." 26 Das Schreiben der Zeitung A Hét spiegelt wohl die Meinung der Öffentlichkeit wider; zu Hause - trotz des Pariser Erfolges und der Anerkennung - will man Mednyánszky als einen Landschaftsmaler sehen, höchstens seine Gestalt, die Sonderbarkeit seiner Lebensführung wird als interessant und beachtenswert betrachtet. Auf der Budapester Frühlingsausstellung im Jahre 1898 nahm Mednyánszky mit Landschaftsbildern teil. Károly Lykas Meinung nach ist „Mednyánszkys Hegyi táj [Berglandschaft] eine wahrhaftig gemalte Symphonie, mit opalfarbigen Alpen voll reiner Bergluft." 27 Zwar fand das Werk keine größere Resonanz, trotzdem gewann Mednyánszky damit die höchste Auszeichnung der Kunsthalle, die staatliche Große Goldmedaille (Kat. 100). Das offizielle Blatt der Landesgesellschaft für bildende Kunst berichtete: „Dr. Gyula Wlassics, Minister des Religions- und Unterrichtswesens, bewilligte den Antrag der Preisrichter unseres Vereines zur Vergebung der staatlichen Goldmedaillen [...], die große staatliche Goldmedaille für die Auszeichnung eines ungarischen Künstlers wurde an Baron László Mednyánszky für sein Ölgemälde mit dem Titel Hegyi táj [Berglandschaft] vergeben." 28 Auf der Winterausstellung 1898 erregte Mednyánszky mit seinem großformatigen Bild Alkony [Dämmerung] (Kat. 101) erneut großes Aufsehen. „Mednyánszky verfügt über die künstlerischste Seele von allen, die auf der diesjährigen Ausstellung ihre Werke darbieten. Seine Dämmerung verfügt über eine so enorme künstlerische Qualität, dass dieses Bild die anderen sozusagen verdrängt. Jedoch ist es keine Dämmerung, wenn er selbst nicht so empfindet. Als er diese klüftige Felsenmauer und Höhle, die sich tief im Wasser verlieren, erblickte (viele wären gleichgültig daran vorbeigegangen [...]), ließ diese stumme Einsamkeit, diese geheimnisvolle Ansicht in seiner trübsinnigen Seele eine Saite erklingen, rief Gedanken in ihm wach, und er verlieh ihr einen verfremden­den Ausdruck... wofür eigentlich? Wer könnte dies wohl sagen? Er ist nicht ein Talent, in dessen Seele man einen Blick werfen kann, sondern ein Genie. Er vermochte einem Traum, oder einem Kummer, oder einer Begeisterung oder irgend etwas anderem einen besonderen Ausdruck zu verleihen. Doch er erleichterte damit seine Seele, dies ist sicher. Ferner ist auch sicher, dass das Bild in der Natur ganz anders ist, weitaus nüchterner. Denn Mednyánszky wäre nicht Mednyánszky, wenn er es getreu gepinselt hätte. [...] Wir segnen den Herrgott, dass er unser Künstler ist, dass wir einen Künstler mit einem so tiefen Gehalt haben. Was auch immer er ausstellen mag, es trägt die Marke dieser machtvollen Persönlichkeit, der hohen europäischen Kultur, eines unendlich zartfühlenden Herzens und der hohen Intelligenz, wovon es in der ungarischen Kunst nicht viele gibt" 29 - schrieb József Nyitray über das Bild. Es gab also auch Kritiker, die nicht nur die „düstere Stimmung" der Bilder, die Sonderbarkeiten der Persönlichkeit des Malers zur Sprache brachten, sondern auch seine außerordentliche Intelligenz und seine euro­päische Bildung bemerkten. Die Anerkennung war selbstverständlich nicht ungetrübt. Es gab Zeitungsmeldungen, die ausgesprochen irri­tiert darüber waren, dass man Mednyánszky so hoch über die anderen plaziert hatte. Viele verstanden es nicht (oder wollten es nicht verstehen), was Mednyánszky vom Durchschnitt der Landschaftsmaler absondern sollte. Es wird auch offensichtlich, dass man versuchte, ihn in den Gattungsrahmen der traditionellsten, naturalisti­schen Landschaftsbilder zurückzuführen. Sándor Nyári meinte beispielsweise: „Im ersten Saal ist die sogenannte Sensation der Saison zu sehen: die Dämmerung von Baron László Mednyánszky. Es ist unleugbar: was ein Künstler mittels technischer Bravour schaffen kann, ist auf diesem Bild vereint. Der Künstler ist vollkommen Herr seiner Farben. Das Bild bleibt dennoch ein Rebus, da uns die Imagination des Künstlers in einen Gedankenkreis führt, wo er sich nicht verständigen kann, und dies ist ein großes Übel. Diese Dämmerung ist nicht von unserem Erdteil, wurde nicht für uns gemalt, und ist sowohl hinsichtlich der Auffassung, als auch der Farben unverständlich. Die Ernüchterung aus dem ersten Rausch wird vielen beibringen, dass die früheren Bilder des verdienten und bekann­ten Meisters, sowie die ebenso dort ausgestellte mondhelle Landschaft hinsichtlich ihres künstlerischen Wertes dieser Wahrnehmung weit überlegen sind. Wir halten dieses Werk für einen Klaps eines großen Talents, und es kann anders gar nicht in Frage kommen" 30 (Abb. 2-4). Zur großen Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 schickte auch Ungarn Kunstwerke. In der offiziel­len Publikation der Kunstausstellung stellte József Diner-Dénes die ungarische Kollektion vor, ging auf die „Sonderbarkeit" Mednyánszkys ein und ordnete dessen Arbeiten in eine größere Perspektive, in ein europäisches 7 László Mednyánszky: Tanulmány [Studie], ausgestellt im Jahr 1910, auf der Frühlingsausstellung der Kunsthalle, Kat.-Nr. 51 (Heute UNG, Inv.-Nr. 5662, Öl auf Leinwand, 60,5 X 42 cm)

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