Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Katalin Geller: „Wir sollten uns aus dieser Welt der Sinnestäuschungen immer mehr heraushalten"

Mihály Zichy: Geisterstunde, 1880, Öl auf Leinwand, 350 x 500 cm (UNG, Graphische Abteilung, Inv.-Nr. 23-34) Mihály Zichy: Grabplünderer (Totenraub), 1858, Tusche, Sepia, 42,2 x 36,6 cm (UNG, Inv.-Nr. 1936-3022) Nach der Zusammenfassung der Geschichte der Theosophie in Ungarn aus der Feder von Eszter Tarjányi war die erste theosophische Arbeit in ungarischer Sprache der Anhang von Aladár Madách zur ungarischen Übersetzung des Buches Defense of Modern Spiritualism von A. R. Wallace. 21 Der verhältnismäßig frühe Auftritt und die weite Verbreitung der Theosophie in Ungarn könnten unter anderen daran gelegen haben, dass in der Umgebung von Madame Blavatsky verhältnismäßig früh, bereits 1895 ein ungarischer Name unter den Adepten erscheint (es war Endre Agárdi aus Cluj-Napoca /Kolozsvár, Rumänien/), außerdem wird vermutet, dass sich Madame Blavatsky in ihren tibetanischen Studien auf die Forschungen des Ungarn Sándor Körösi Csorna stützte. 22 Die 1905 gegründete Ungarische Theosophische Gesellschaft verdankte ihr Zustandekommen der Forscherin Isabel Cooper-Oakley, die die ungarische Abstammung des Grafen Saint-Germain, eines Sprachgenies, Komponisten, Malers und Hellsehers am Hof Ludwigs XV. von Frankreich, nachweisen wollte (nach ihrer Annahme soll der Graf ein Sohn des Fürsten Franz II. Rákóczi gewesen sein). 23 Ihre Positionen dürften unter den ungarischen Bezügen auch durch den Orientkult, eine andere Variante des eigenartigen ungarischen Orientalismus, gestärkt worden sein, die als imaginäre historische Voraussetzungen im Roman von Géza Gárdonyi A láthatatlan ember [Ich war den Hunnen Untertan] bekannt geworden sind. 24 Iván Stojits fasste die Ideen der Bewegung 1905, im Gründungsjahr der Gesellschaft, zusammen. 25 In den Veröffentlichungen der Ungarischen Theosophischen Gesellschaft, in der Theosophischen Bibliothek (Teozófiai Könyvtár), wurden die Werke der „Sphinx der Neuzeit", wie Stojits Madame Blavatsky nannte, und ihrer Schülerin Besant heraus­gebracht, ferner allgemeine Zusammenfassungen für das weite Publikum. 26 Von 1912 bis 1918 wurde die Zeitschrift Teozófia herausgegeben, dann nach einiger Pause von 1921 bis 1928 noch einmal, aber nicht mehr mit der früheren Regelmäßigkeit. Die theosophische Bewegung wirkte in jener Zeit zusammen mit anderen mystischen Theorien auf zahlrei­che Denker und Künstler. Jenő Henrik Schmitt, der in Deutschland wirkende Philosoph ungarischer Abstammung, war noch vor der Erarbeitung seiner Philosophie auf der Grundlage gnostischer Lehren ein bedeutender Kenner und Verbreiter der Theosophie. Es war früher bekannt aus der Literatur bereits, dass die Theosophie, zum Teil durch seine Vermittlung, möglicherweise einen erheblichen Einfluss auf Tivadar Csontváry Kosztka und die Künstlergruppe von Gödöllő ausübte. 27 Die Schriftsteller Dezső Kosztolányi und Mihály Babits berichten in ihren Romanen und Erinnerungen von der schnellen Verbreitung der tolstoianischen, sozialistischen, vegetarischen, gnostischen und theosophischen Lehren. Unter den Mitgliedern des sogenannten Sonntagskreises lasen Béla Balázs und Georg Lukács die Schriften der Madame Blavatsky. Auch in Romanen macht sich diese Richtung bemerkbar, bei Babits und Krúdy, wo im Roman A vörös postakocsi [Die rote Postkutsche] die Hauptfigur Anarchist, Buddhist und Nihilist ist, ein anderer hingegen Darwin, Kant und Taine liest und sich mit einem hohen Geistlichen über Theosophie unterhält. Diese herausgegriffenen Beispiele zeigen an, dass diese Ideen in der für uns wichtigen Periode von 1880 bis Ende der 1910er Jahre und noch weiter in Ungarn im Denken der Zeit zugegen war. Die Wirkung gipfelte um 1908, als die beiden Theosophikus énekek [Theosophischen Lieder] von Mihály Babits erschienen sind. Die - man muss schon zugeben - etwas verach­tete Theosophie erhält in der Reihe der suchenden Lebensphilosophien einen anderen Stellenwert, wenn man berücksichtigt, dass von Mihály Babits über Gyula Juhász bis Zsigmond Móricz ein weiter Kreis der ungarischen Schriftsteller davon berührt wurde. Auch bildende Künstler spielten in der Geschichte der theosophischen Bewegung eine maßgebliche Rolle. Der dritte Vorsitzende der Ungarischen Theosophischen Gesellschaft war ein Maler, Róbert Nádler. Der Herausgeber der Zeitschrift Teozófia war ebenfalls ein Maler, Dezső Rózsaffy (1877-1937), der in Gödöllő lebte und mit den Künstlern der Schule von Gödöllő, einem Zentrum der theosophischen und gnostischen Bewegung, freundschaftliche Beziehungen pflegte. Im Jahr 1909 wurde der internationale Kongress der Theosophen in Budapest abgehal­ten. Auch Annie Besant war zugegen, und die Maler von Gödöllő organisierten, wie ein in Ungarisch, Deutsch und Englisch verfasster Katalog belegt, unter Teilnahme von ungari­schen und ausländischen Künstlern eine Ausstellung. Es lässt sich nicht ermitteln, ob die Ausstellung zum Zeitpunkt des Kongresses realisiert wurde, denn der Katalog gibt keinen genauen Zeitpunkt und keinen Ort an, nur das Jahr. Im Namenregister sind namhafte Theosophen angegeben, unter den Ungarn sind drei Künstler aus der Kolonie von Gödöllő (Aladár Körösfői-Kriesch, Sándor Nagy, Árpád Juhász) sowie Róbert Nádler und Béla Gy. (Gyöngyöshalászi) Szabó mit mehreren Werken vertreten. Róbert Nádler (Invocatio; Ad Lucem) und Béla Gy. Takách gestalteten bezeichnende theosophische Themen (Anbetung von Buddha; Zuflucht; Lotosopfer; Weihrauch; Der Tod. Über die Schwelle; Der Tod. Die Seele winkt zum Abschied dem Körper zu; Buddha und Christus; Flehen; Lotosopfer; Orientalisches Gebet). 2 * Daneben zählt der Katalog belgische, polnische, englische, schwedische und deutsche Künstler auf, in alphabetischer Ordnung Rudolf Adamek, Sven Bengtsson, Jean Delville, Hans Erlandsson, Fidus (Hugo Höppener), François Gos, Frank Heymann, Miss Lavlen Pullen, Stanislaw Stabrowsky. 29 Mednyánszky war nicht unter den Ausstellern, obwohl er es war, der in Paris Sándor Nagy auf die Rosenkreuzer-Maler aufmerksam machte, also auf jene Gruppe die unter den mystischen Gesellschaften, die den Symbolismus wirkungsvoll begleiteten, eine herausragende Rolle spielten. 30 Es ist nicht bekannt, ob Mednyánszky die ersten ungarischen Theoretiker der Theosophie kannte, doch stand er mit mehreren Künstlern aus diesem Kreis (Nádler, Olgyai) in Kontakt. Soviel steht fest, dass er bereits in Paris, um 1890

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