Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Anna Szinyei Merse: Mednyánszkys Beziehungen zur Kunst seiner Zeit

Virgile Narcisse Diaz de la Pena (1808-1876): Berglandschaft in den Pyrenäen, um 1870 (Rijksmuseum H. W. Mesdag, Den Haag) Jean François Millet (1814-1875): Rast des Weinarbeiters, 1869 (Rijksmuseum H. W. Mesdag, Den Haag) konnten eventuell bei Drouot, bei den Kunsthändlern, im Musée du Luxembourg 17 , oder bei den Eingeweihten in Barbizon studiert werden. Mednyánszkys Pariser Lehrer Pils starb 1875, und obwohl ihn sein Vater gerne in das Atelier Munkácsys gege­ben hätte, wählte der junge Künstler lieber das selbständige Arbeiten. Im Sommer kehrte er zu seiner Großmutter nach Beckov (Beckó) zurück und setzte dort seine Landschaftsstudien fort, die er in Barbizon begonnen hatte. Als er im Spätherbst nach Paris zurückkehrte, brachte er es nicht übers Herz, seinen Malerfreund aus dem Atelier, das sein Vater für ihn bezahlt hatte, fortzuschicken. So malte er sein erstes, für den Salon bestimmtes Bild, das auch seinen Käufer finden sollte, in einem Elendsquartier. 18 Im Jahr 1876 stellten neben Mednyánszky auch eine Anzahl Polen aus, lauter Historienmaler, von denen nur die beiden Winterlandschaften von Joseph Chelmonskis für Mednyánszky interes­sant sein konnten, ferner ein weibliches Bildnis von Carrière sowie zwei Kompositionen und zwei Zeichnungen von Gustave Moreau, der damals zum erstenmal ausstellte. Hier debütierten auch zwei Ungarn: Lajos Bruck mit einer Waldlandschaft und Ferenc Paczka mit zwei Gemälden. Gustave Doré und Israels konnten das Interesse Mednyánszkys in jeweils anderer Hinsicht wecken. Freilich fehlten auch die Ungarn László Paál, Munkácsy und Deák-Ebner nicht. 19 Aus den Erinnerungen seiner Schwester wis­sen wir, dass für Mednyánszky „in jenem miserablen Winter [...] die Gesellschaft von Mihály Zichy eine Erquickung war. [...] Zichys Skizzen, Zeichnungen fand er äußerst interessant, wie auch alles, was jener über Russland erzählte, sowohl über die Landschaft als auch über den Zarenhof und das Volksleben. Sie kamen oft im Atelier von Ferenc Paczka zusam­men." 20 Der Junge Mann, der auf Vollständigkeit bedacht war und ständig an seiner Kunst feilte, konnte sich gewiss so manches von den technischen Lösungen der bravourösen Zeichenkunst des älteren Meisters zunutze machen. Nach der Erholung in Strázky (Nagyör, Nehre) und in Zemplín (Zemplén) folgte ein etwas bequemerer Winter, über den seine Schwester folgendermaßen berichtete: „Er arbeitete ununterbrochen vor dem Modell. Unter den großen Meistern beeinflusste ihn vor allem Millet mit seinen monumentalen Bauern. Und Poussin, den er über alles verehrte!" 21 Möglicherweise sah er 1875 die Millet-Auktion und 1877 die Millet-Ausstellung in der Ecole des Beaux-Arts, ferner die Versteigerung der Werke des inzwischen ebenfalls verstorbenen Diaz bei Drouot und seine Ausstellung in der Akademie. Die Landschaften von Diaz von unterschiedlicher Auffassung und Faktur mochten für ihn sehr lehrreich gewesen sein (Abb. 4). Die todmüden, animalischen Gesichter von Millets Mann beim Hacken von 1862 oder seines Weinarbeiters von 18 6 9 22 (Abb. 5) lassen sich - neben weiteren Figuren dieser Art - als einzige Analogie zu einem Typus von Mednyánszkys späteren Landstreicherköpfen anführen. Im Frühjahr 1877 fuhr er wieder nach Barbizon. Wie Malonyay berichtete, „verbrachte er dort einige Monate in Gesellschaft von László Paál und einem früh verstorbenen, sehr begabten ungarischen Maler, Tivadar Feledi. Sie durchwanderten den Wald und ließen sich vom großen Meister, der Natur belehren, bei deren Verständnis den lernbegierigen Ungarn die noch lebenden Gefährten der Barbizoner unsterblichen Franzosen, der alte Karl Bodmer und der freundliche Odilon Redon, behilflich waren." 23 Die Fachliteratur war geneigt, Redons späte­ren symbolistischen Arbeiten auf diese Barbizoner Zeit vorzuverlegen, um damit seine etwaige Wirkung auf Mednyánszky zu begründen, aber in Kenntnis der Lebenswerke beider Künstler erscheint dies zu weit her­geholt. Überhaupt ist hinsichtlich der Vorbildwirkung von französischen Malern Vorsicht geboten, denn die zahlreichen Bilder, die Mednyánszky in Frankreich gesehen haben könnte, müssen nicht unbedingt konkrete Vorbilder gewesen sein. 24 Das Resultat wäre, dass unser Meister zu einem unselbständigen Nachahmer, einem Plagiator herabgesetzt würde, obwohl gerade das Gegenteil der Fall ist: Mednyánszky hat die etwaigen Inspirationen unter Qualen durch seine Persönlichkeit filtriert und seinem Wesen entsprechend abgewandelt. All das war irgendwie in der Luft, in mehreren Ländern suchte man in ähnlicher Richtung voranzuschreiten, aber es waren nur wenige, die so gründlich ganze prinzipielle, ästhetische und techni­sche Systeme erarbeiteten, wie es Mednyánszky bald darauf tun sollte. Im Sommer 1877 nahm Mednyánszky von Paris für längere Zeit Abschied und nahm in Strázky sein Atelier in Besitz, das ihm inzwischen sein sorgsamer Vater einrichten ließ. Er wollte dort das Aktzeichnen und -malen gründlich üben, da er in seiner Heimat leichter Modelle fand. Als er dies satt bekam, stieg er in die Tatra hoch, um Skizzen zu machen. Im Herbst zog er nach Szolnok, nachdem er durch die Berichte von Deák-Ebner bereits in Paris darauf neugierig gemacht worden war. Auf die weite Perspektive der Landschaft in der Tiefebene, auf die unendli­chen Weiten reagierte er genauso mit Bewunderung wie auf die Mentalität der dortigen Bauern, so dass er wieder­holt dorthin zurückkehrte. Neben den bisher bekannten Szolnoker Landschaften ist vor kurzem sein Aquarell Der Jahrmarkt in Szolnok (Kat. 320) bekannt geworden, 25 das mit Pettenkofen und Tina Blau Verwandtschaft aufweist. Letztere, eine der kraftvollsten Persönlichkeiten unter den österreichischen Freilichtmalern, sollte Mednyánszky bald danach in Rom treffen. Als er im November 1877 zur Internationalen Ausstellung zur Einweihung der neuen

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