Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Anna Szinyei Merse: Mednyánszkys Beziehungen zur Kunst seiner Zeit

ANNA SZINYEI MERSE Mednyánszkys Beziehungen zur Kunst seiner Zeit „ Überall und doch nirgendwo als Fremder und doch überall als Heimatloser. " 1 Joseph Wenglein (1845-1919): Gewitter an der Isar, 2. Hälfte der 1870er Jahre (Privatbesitz) Der rätselhaft anmutende, doch verblüffend wahre Mednyánszky-Aphorismus findet sich in der letzten Pariser Tagebuchaufzeichnung, als der Künstler am Zenith seiner Laufbahn stand. 1 Er hatte seine erste erfolgrei­che Ausstellung hinter sich, hielt aber auch dort an seinen gewohnten ärmlichen Verhältnissen und seiner Zurückgezogenheit fest und konzentrierte sich in erster Linie auf die Zügelung der Stürme in seinem Inneren: „Ich spüre klar, wie und inwieweit ich mit allem zusammenhänge, und dass ich alles Fremde, Störende von mir fernhalten muss." 2 Er kümmert sich nicht um die künstlerischen Plänkeleien, um den Farbenreichtum, der Paris in den Augen der Wallfahrer aus fernen Ecken der Welt auch in diesen Jahren so begehrenswert machten. Ende des Sommers 1897 verließ er die gärende Metropole der Kunst leichten Herzens: Er sehnte sich nach vertrauten Gegenden und Menschen, unter denen er sich heimisch fühlen konnte. Aus den Erinnerungen seiner Schwester ist allerdings bekannt, dass der junge Mednyánszky eifrig die Museen und Ausstellungen besuchte, 3 in seinen späteren Tagebuchaufzeichnungen verwies er auch selbst oft auf Erlebnisse dieser Art. Über das Angebot der wichtigeren Ausstellungen der europäischen Großstädte jener Zeit zeugen die dazu erschienenen Kataloge, und die ständig zunehmenden Werk- und Epochenmonographien ermöglichen immer mehr die Aufdeckung versteckter Zusammenhänge. So lässt sich heute annähernd rekonstruieren, welcher Art von Kunst dieser ewige Wanderer auf den ständig wechselnden Schauplätzen seines unruhigen Lebens überhaupt begegnen konnte. Dies vermag eine Revision der bei stilkritischen und ikonogra­phischen Untersuchungen erwogenen möglichen Einflüsse und Parallelitäten zusätzlich zu begründen. Dieser ganze Fragenkomplex sollte aber äußerst vorsichtig behandelt werden, denn wir kennen wenige Künstler, die derart bewusst daran festhielten, die Inspirationen seitens der Natur mit ihrem augenblicklichen Seelenzustand unausgesetzt zu konfrontie­ren, bzw. diese schriftlich festzuhalten und zu analysieren. Die Forscher erhalten bei der Erschließung des schöpferischen Prozesses selten eine derart wertvolle Hilfe wie sie uns Mednyánszky mit seinen illustrierten Aufzeichnungen massenweise hinterließ. Wir kennen allerdings weder den vollständigen schriftlichen Nachlass noch den künstlerischen: Gerade bei dem in Frage stehenden Material wäre es unerlässlich, die im Ausland gebliebenen Werke und die etwaigen sonstigen Dokumente aufzuspüren. Bei dem lesefreudigen Maler wäre es z. B. sehr aufschlussreich, wenn man etwas über seine im Ausland erworbenen Bücher und Zeitschriften erfahren könnte. Seit den Jahren nach 1900 findet man diesbe­züglich immer mehr Hinweise in den Tagebuchaufzeichnungen, zur Periode davor stehen uns dagegen nur vereinzelt Angaben zur Verfügung. Aus den von Zeit zu Zeit auftretenden künstlerischen Krisen bemühte sich Mednyánszky durch die Rückkehr zu seinen Anfängen herauszukommen. Dies bedeute­te immer die Flucht in die unberührte Natur. Er machte dort seit seiner frühen Kindheit Zeichungen und Aquarelle, später Ölskizzen und Ölstudien, und dieses Rohmaterial war für ihn so wertvoll, dass er bis zu seinem Tode nicht gewillt war, sich davon zu trennen. Auf sonstige Inspirationsquellen berief er sich zunächst kaum. Es steht außer Zweifel, dass das um 1864 immer bewusster vorgenommene Zeichnen nach der Natur, bei dem er auch die Anweisungen von Thomas Ender befolgte, den entscheidenden Anstoß zu seiner späteren Berufswahl gab. Bereits damals wurde die eigenartige, individuelle Veranlagung des Jungen offenbar, auf die die Fachliteratur erst neuerdings aufmerksam machte. 4 Die von Jahr für Jahr schöner und interessanter werdenden Aquarellen vermochten schließlich auch den Vater umzustimmen, wodurch ihm endlich die Erlaubnis erteilt wurde, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Mednyánszky war kaum über zwanzig, als er sich am 1. November 1872 an der Münchner Kunstakademie einschreiben ließ. Er konnte sich das Kopieren von Gipsfiguren im Antikensaal unter Alexander Strähuber nicht ersparen, kam aber bald in die Klasse von Otto Seitz. Bei ihm eignete er sich die Technik der Ölmalerei an, so behauptet es wenigstens Malonyay, der ansonsten die Informationen, die er von seinem Freund erhielt, mit ziem­licher „Freiheit" wiedergab und dabei oft mit den Berichten der Schwester des Künstlers in Widerspruch geriet. Aufgrund der Tagebücher, die im Laufe der Vorbereitungsarbeiten zu diesem Katalog entziffert wurden, muss man dennoch dem Monographen Glauben schenken, dass Mednyánszky zwei akademische Jahre in München verbrachte. 5 Weiterhin fehlt hingegen jegliche Angabe, die seinen Besuch der Wiener Weltausstellung von 1873 nachweisen könnte. Ebenfalls von Malonyay wissen wir 6 , dass der junge Maler sich an der Akademie mit Ferenc Paczka befreundete, mit dem er die Klassen derselben Professoren besuchte. 7 Mit ihm kam er auch in Paris zusam-

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