Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Zsófia Kiss-Szemán: Mednyánszky und der Wiener „Stimmungsimpressionismus"
Künstler verbindet in erster Linie die grundlegende Orientierung an der französischen Malerei, wobei vor allem die Schule von Barbizon zu nennen ist, sowie das augenscheinliche „Durchfühlen" der Landschaft. Man kann aber auch Ähnlichkeiten - abgesehen von den Überlegungen, die wir von Csilla Markója angeführt haben - in der Vorliebe zur theoretischen Auseinandersetzung mit der Kunst verfolgen, obwohl wir diese von Schindler nur aus der Monographie seines Schülers Carl Moll kennen. 36 So sind etwa Schindlers Erwägungen hinsichtlich der Anwendung von Farbtönen sicherlich als Parallele zu Mednyánszkys Physiologie der Farben zu verstehen. 37 Weitere Ähnlichkeiten zeigen sich im Interesse für das Erfassen der nebeligen oder dunstigen atmosphärischen Erscheinungen, die oft in der Nähe von Bächen, Flüssen oder Sümpfen vorkommen. Beide Künstler beziehen sich mit großer Bewunderung auf das Schaffen ihres französischen Vorgängers Camille Corots, indem sie in ihren Bildern die silber-graue Farbenskala zu entfalten suchen. Ohne Zweifel lässt sich auch die Feststellung Carl Molls über Schindler auf Mednyánszkys Sehweise beziehen: „Das Bild sieht er in seinem Inneren, vom Außen verwendet er nur das, was ihm zum Bilde passt." 38 Sicherlich könnte man, was die Stimmung in den Gemälden oder das Erfassen der Kunst betrifft, noch mehr Vergleiche mit Mednyánszkys Bildern finden. Diese Studie hat aber nicht das Ziel, solche Parallelen zu konstruieren. Natürlich gab es in dem Zeitabschnitt, der den Gegenstand dieser Untersuchung bildet, das allgemeine Bestreben, die Natur nicht nur zu „sehen", sondern sie auch zu „empfinden" und zu „fühlen". Diese Tendenzen sind bei zahlreichen Künstlern in verschiedenen Ländern zu beobachten, wodurch eine eigene, einzigartige und einmalige Variante der innigen Landschaftsmalerei entstanden ist. Mednyánszky schien sich mit dieser Aufgabenstellung allein aber nicht zu begnügen. Er kämpfte in seiner Malkunst grundsätzlich um einen tieferen Ausdruck. Im Zusammenhang mit Mednyánszkys Schaffen zur Zeit seines Wiener Aufenthaltes (1880-1883) sind einige wichtige Fakten festzustellen: Mednyánszky blieb in seiner Landschaftsmalerei den Naturmotiven, die bereits in seinen früheren Schaffensperioden vorkamen, treu und es kam zu keiner grundsätzlichen Änderung in seiner Auffassung über die Malerei. Sein Werk wurde durch die Darstellung der melancholischen Stimmungen allerdings reicher und tiefer, und durch den Reichtum im Ausdruck, den er vor allem durch das verstärkte Einbeziehen von Figuren in die Landschaft, sowie durch deren Kombination mit Motiven wie Friedhof, Kirche oder Kreuz, auch bunter. Es ist wichtig zu betonen, dass sich Mednyánszky zu dieser Zeit auch mit der Darstellung des Menschen beschäftigte und auch in diesem Bereich nach Vervollkommnung strebte, wie an den Kopfstudien und den figuralen Kompositionen zu sehen ist. Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind wahrscheinlich der bedeutendste Beitrag dieser Periode, obwohl dieser vermutlich nicht unmittelbar mit dem Einfluss der Wiener Künstler zusammenhängt. Durch tägliches akribisches Zeichnen und Malen feilte Mednyánszky an der Figurendarstellung, er erprobte zahlreiche Möglichkeiten, nicht nur im formalen, sondern auch im technischen Sinn. Letztlich erwarb der Maler in dieser Zeit die Voraussetzungen für seine Vielfalt in der Gestaltung von figuralen Kompositionen. Inwieweit dieses Bemühen mit seinem Wienaufenthalt in Zusammenhang steht, ist aufgrund seiner ständigen Wanderungen schwer zu sagen. Meiner Meinung nach, und alle frühen großen figuralen Kompositionen, sowie Skizzen, Zeichnungen und Studien bestätigen das auch, fühlte sich Mednyánszky durch diesen Darstellungstypus mit der Malerei von Barbizon, im Millet'schen Sinne (vgl. dazu die zahlreichen Varianten des Gemäldes Über dem Grab, Kat. 11) oder mit der Malerei im Geiste von Mihály Munkácsy, den er auch in Paris kennengelernt hatte, existenziell verbunden. Diese Behauptung bestätigen auch Mednyánszkys Bilder, die in den Sammlungen der Slowakischen Nationalgalerie aufbewahrt sind und die in den letzten Jahren restauriert wurden, wie etwa die Darstellung Trauriger Jahrmarkt (Verbannte) I (Kat. 22), oder Trauriger Jahrmarkt II (Kat. 23), eine Studie mit einer Gruppe von Männern, sowie das Bild Unglück (Kat. 36), das einem völlig anderen Themenkreis zuzuordnen ist und zu welchem mehrere Studien, Zeichnungen und auch Gemälde entstanden sind. Das Werk Trauriger Jahrmarkt (Verbannte) I wurde nachträglich wahrscheinlich falsch betitelt, denn es erinnert durch sein Thema an das Gemälde Gäste, das in Malonyays Monographie über Mednyánszky auf Seite 29 reproduziert und das mit 1879 datiert ist. 39 Die Gestalten auf diesem Gemälde sind - wie es bei Mednyánszky zu dieser Zeit typisch war - lediglich aneinander gereiht, und stehen in keiner wahrnehmbaren Beziehung zueinander. Mednyánszky nutzte dieses Motiv auch in den drei Zeichnungen, mit denen er im Jahr 1884 Gyula Rudnyánszkys Gedicht Az áruló guzsaly... [Der Verräterische Spinnrocken] illustrierte. 40 Eine dieser Zeichnungen zeigt die Gruppe der Gäste, die aus Debrecen gekommen ist und soeben aus der Kusche steigt. Figuren und Pferd sind in Vorderansicht abgebildet, das Motiv ist nahezu identisch mit dem Bild Trauriger Jahrmarkt (Verbannte) 1 ( Kat. 22). Von besonderer Bedeutung aber ist die Darstellung mit dem trauernden Pista, 41 denn das Motiv des sitzenden Knaben, der seine abgewinkelten Beine eng an den Körper presst, findet sich zur Verdeutlichung des jungen unglücklichen Mannes ohne Hoffnung immer wieder in Mednyánszkys Werk. Die wohl bedeutendste und ausdrucksstärkste Variante dieses Motivs zeigt das Gemälde Armseliger (Kat. 170). Diese Arbeiten, die mitunter an Erstlingswerke erinnern, stehen thematisch und durch die Unsicherheit in der Ausführung jener Zeichnung nahe, die in Malonyays Mednyánszky-Monographie mit dem Titel írástudók [Die Schriftkenner] auf Seite 45 abgedruckt ist. 42 Hinsichtlich ihrer Thematik, also der bildhaften Wiedergabe des Lebens armer Menschen, stehen sie den zur damaligen Zeit berühmtesten Gemälden Munkácsys nahe. Im Vergleich zu László Mednyánszky: Skizze zum Bild Krähen an der Tränke / Napäjadlo s havranmi, Skica, um 1878 (SNG, Inv.-Nr. K 2999)