Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Zsófia Kiss-Szemán: Mednyánszky und der Wiener „Stimmungsimpressionismus"
same Züge aufweisen würden: die Begeisterung für die Natur, das lyrische Naturell und die Weltanschauung." Ernő Kállai schrieb im Jahre 1943 nüchtern über diese Zeit: „Über die Wiener Periode gibt es nichts Besonderes zu erzählen. Diejenigen Maler, mit denen er [Mednyánszky] im engeren Kontakt stand, bedeuteten, außer [...] Bernatzik, E. J. Schindler, Hans Canon und Robert Russ, weder in seinem Leben noch in seiner Kunst etwas." 12 In der Fachliteratur hat sich diese nahezu an Gleichgültigkeit grenzende Ansicht nur allmählich geändert. Zwar widmete etwa auch Ilona Brestyánszky im Jahr 1960 der Zeit oder dem Einfluss der Wiener Maler keine besondere Aufmerksamkeit und nannte nur einige Namen, doch blieb sie wenigstens sachlich: „In Wien findet er E. J. Schindler und Wilhelm Bernatzik, die auch unter dem Einfluss von Barbizon arbeiteten, sympathisch. Ihre Sensibilität stimmte Mednyánszky auf einen sentimentalen Stil um. Auf seinen Bildern überwiegen nebelige Stimmungen, graue Töne und eine exakte lichte Silhouette." 13 Eine Reihe weiterer Fachleute, darunter Mária Egri, Nóra Aradi oder Karol Vaculik, erwähnen Wien überhaupt nicht, während Sofia Vámosiová die Verbindung von Mednyánszky zu dieser Stadt - wahrscheinlich auf Grund älterer Beispiele - negativ bewertet: „Die österreichische Landschaftsmalerei gab Mednyánszky keine schöpferischen Anregungen, auch wenn sie sein Schaffen zu einem gewissen Maße sowohl im positiven als auch im negativen Sinn beeinflusste. Mednyánszky wurde ab und zu vor allem vom sentimentalen Beigeschmack der Wiener Landschaftsmalerei zu den süßlichen bildnerischen Effekten verführt, die in der damaligen Gesellschaft positiv angenommen wurden. Die Einstellung der Wiener zur Landschaft vermittelte ihm der um zehn Jahre ältere J. Schindler, einer der bedeutendsten Repräsentanten der österreichischen Landschaftsmalerei." Als positives Kriterium bezeichnete Vámosiová den Einfluss Schindlers, der Mednyánszky zu einem eher materiellen Wirklichkeitsausdruck führte. Bernatzik drückte ihrer Ansicht nach den intimen Charakter und die lyrische Betonung der Landschaft noch mehr aus. Das Ergebnis sind die „relativ gut ausgeführten Zeichnungen der Motive" und „das neue Farbgefühl". 14 Mednyánszkys Werk wurde erstmals von Mihály Sarkantyú in die Kunstgeschichte der Monarchie eingereiht, wobei er die Entwicklung des Künstlers aufgrund seiner Herkunft beleuchtete: „Abgesehen von kürzeren oder längeren Perioden, die er in den Jahren 1870-90 in Paris verbrachte, lebte Mednyánszky in der Monarchie ÖsterreichUngarn, und trotz wichtiger und entscheidender Impulse, die ihm Paris für seine Malerei und für seine Themen gab, entwickelte sich der Themenkreis seiner Malerei ganz und gar auf dem Gebiet des historischen Ungarn und in Wien, sein menschliches wie auch künstlerisches Schicksal stammt, typisch genug, „aus der Monarchie". In seinem Lebensraum sowie im Raum seiner künstlerischen Tätigkeit ist der Genius loci bestimmend, der „seelische Raum" ist die historische und gesellschaftliche Stimmung der Österreich-Ungarischen Monarchie am Ende des Jahrhunderts". 15 Neben diesen allgemeinen Bestimmungen widmete auch Sarkantyú den konkreten Beziehungen oder Einflüssen keine besondere Aufmerksamkeit. Zur Verbindung Mednyánszkys mit den Wiener Malern bemerkte er lediglich, dass sich diese Einflüsse um das Jahr 1880 durch eine detailliertere Art der Malerei und durch kompliziertere Kompositionsmittel auszeichnen. Am gründlichsten versuchte Csilla Markója das Thema Mednyánszky und die Wiener Malerei (also den Stirn mungsimpressionismus) zu deuten. Sie wies darauf hin, dass Mednyánszkys Kontakte und Beziehungen zu den Künstlern in der Kaiserstadt in jener Zeit für seine Entwicklung entscheidend waren, und belegte diese Feststellung anhand von Fakten aus den Tagebüchern. Außer den Namen Wilhelm Bernatzik, Emil Jakob Schindler, Tina Blau, nennt sie auch die bisher nie genannten Eugen Jettel, Rudolf Ribarz, Robert Russ, Theodor Hörmann oder Alfred Zoff. Es steht außer Zweifel, dass der größte Einfluss von Emil Jakob Schindler ausging, nicht so sehr auf praktischer, sondern vielmehr auf theoretischer Ebene. So ist ihnen zum Beispiel gemeinsam, dass die Staffagefigur als ein Element der Naturlandschaft betrachtet wird, außerdem zeigt sich bei beiden Künstlern als immer wieder kehrendes Motiv „das Interieur des Waldes als Kirche". Nicht zuletzt darin äußert sich der gemeinsame pantheistische, romantische Anspruch beider Künstler, der seelische, spirituelle Inhalt ihrer Weltanschauung (bei Mednyánszky äußert sich dieses Denken in zahlreichen Ansichten, die eine gewisse Sehnsucht im Wald aufgriffen, so etwa, die Betenden im Wald, die Waldaltare, die Kreuze am Weg usw.). Die seelische Verwandtschaft zwischen Schindler und Mednyánszky äußerte sich darüber hinaus vor allem im Interesse für die Bildzyklen und für Bildsequenzen. 16 Wir können also behaupten, dass über den Einfluss der Wiener Malerei auf Mednyánszky - außer dem Beitrag von Csilla Markója - nur wenige grundlegende, manchmal jedoch auch wichtige Fakten vorliegen. Wie bereits erwähnt, mietete Mednyánszky in den Jahren 1880 und 1883 in Wien ein Atelier. Im Jahre 1882 stellte er in der Ersten internationalen Ausstellung im Künstlerhaus aus. 17 Außerdem wissen wir durch die Erinnerungen der Schwester des Malers von dessen Beziehungen zu den Wiener Künstlern, vor allem zu Bernatzik, und wir kennen die Tagebücher Mednyánszkys: einerseits das Tagebuch aus den Jahren 1878-1881, aus dem ein intensiver Kontakt mit den Wiener Malern klar hervorgeht, andererseits die Tagebucheintragungen aus dem Jahr 1892, in denen sich Mednyánszky an die Kollegen und Freunde, sowie an ihr Schaffen aus den früheren Jahren erinnert. Die Beurteilung des Werkes von Mednyánszky in der Zeit zwischen 1877 und 1883 erschwert das Faktum, dass der Maler nach seiner Rückkehr aus Paris 1877 seine Erfahrungen aus Barbizon durch weitere Eindrücke, wie die Aufenthalte in Szolnok, Italien, Wien, und eigentlich in ganz Ungarn (Beckov, Strázky, Budapest usw.) bereicherte. Bei dieser Vielfalt an Anregungen ist es relativ schwierig, die spezifischen Einflüsse zu bestimmen, was ein erhebliches Maß an theoretischem Zutritt erfordert. Seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts verbreitete sich in vielen europäischen Ländern, inspiriert durch die Schule von Barbizon, eine neue Tendenz in der Landschaftsmalerei. Diese konzentrierte sich auf das Erfassen und Wiedergeben ephemerer Naturerscheinungen und bemühte sich, die vom Künstler innerlich erlebten und gefühlten Empfindungen darzubieten. Im Zusammenhang mit diesen subjektiven Eindrücken und Gefühlen verblieben die Künstler der Landschaftsmalerei weitgehend bei einer sachlichen, realistischen Darbietung der gesehenen Welt. Die Grundprinzipien dieser subjektiv aufgefassten Landschaftsmalerei basierten auf der Fähigkeit des