Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Katarína Benová: Die frühen Jahre - László Mednyánszky und Strázky (Nagyőr, Nehre)

Aus den Jahren, die den Studien in Paris gefolgt waren, stammen vermutlich die Gemälde Holzfäller im Wald von Strázky, Stehender Knabe, Berglandschaft mit Bach.* 0 Die Inspiration der hiesigen Landschaft erkennt man auf dem Gemälde Bild des Tatragebirges bei Strázky.* 1 Mednyánszky verwendete außer den Themen, die er der Natur entnommen hatte, auch Dorfmotive, wie auf den Gemälden Hölzerner Glockenstuhl, Bach hinter Scheune, Mädchen im Hof eines Dorfhauses* 2 zu sehen ist, oder auf seinen Bildern, die seine Umwelt daheim darstellten. In diese Reihe gehört ein Gemälde mit dem Titel Aussicht auf den Hof n das eine interessante Komposition hat: aus dem dunklen Winkel eines Hauses oder eines Stalles geht von unten die Sicht auf den Hof, wo wir eine sich bewegende Figur und im Hintergrund eine allmählich verschwommene Landschaft erblicken. Auf ähnliche Weise spielte Mednyánszky mit der Komposition auf einem späteren Werk Auf dem Friedhof (Kat. 33), auf dem der Pfarrer eine Treppe hinuntergeht, während die Szene von den umgebenden Gebäuden auf eine regelrechte Weise umrahmt wird. Auf der linken Seite sieht man das Motiv eines Kreuzes, im Hintergrund - ähnlich zum vorigen Bild - nahm der Maler die Möglichkeit einer Aussicht auf die Gebäude wahr, außerdem sieht man noch einen Wald und die Gipfel des Tatragebirges. Es ist nicht leicht, die Kunst von Mednyánszky in Epochen zu unterteilen, auch kann nur schwerlich von einer geradlinigen Entwicklung gesprochen werden. Der Künstler kehrte immer wieder zu ein­zelnen Motiven zurück, interpretierte diese neu oder entwickelte sie weiter. 84 Aufgrund der Tagebucheintragungen gelang es, die chronologische Einordnung mancher Werke zu präzisieren. 85 Dessen ungeachtet erfordert dieses Problem noch weitere Forschungen und neue Annäherungsmethoden; diese Aufgabe steht uns noch bevor und bleibt auch als Forderung für die künftigen Generationen von Kunsthistorikern erhalten. Zu Mednyánszkys beliebten Motiven gehörte die Umgebung des Flusses Poprad bei Strázky, mit den charakteristischen Windungen und steilen Ufern. Dieses Motiv kehrte Jahre hindurch in seinen Werken wieder. Hierzu gehören zum Beispiel die Bilder Windung des Flusses Poprad bei Strázky und Landschaft mit einem Angler am Fluss Poprad.* 6 Mednyánszky war stets vom Wasser angetan, unabhängig davon, ob es sich um ein ruhig fließendes handelte, oder um einen wild in die Tiefe stürzenden Bach. Auch Ernő Kállai machte auf dieses Phänomen aufmerksam: „Die Gewässer, die aus der Höhe in die Tiefe, und aus fernen verborgenen Quellen rätselhaften weiten Zielen entgegenströmen, inspi­rierten ja stets in trauter Weise jene Seelen, die von einer unermesslichen Sehnsucht auf Wanderschaft gejagt worden sind." 87 Mednyánszky wechselte allmählich von einer natur­getreuen Darstellung der Landschaft zur Darstellung jener Stimmungen, die in ihm die Landschaft hervorrief. Am meisten beschäftigten ihn die Stimmung von Nebel, Gewitter, Morgenröte und Abendröte. Doch interessierte sich Mednyánszky nicht bloß für die Landschaftsmalerei, er suchte all die Männer und Knaben auf seiner Leinwand zu verewigen, die in seiner Umwelt einen großen Einfluss auf ihn ausgeübt haben. Strázky erwies sich als der erste jener Orte, wo er ohne größere Schwierigkeiten Kontakt mit Menschen anknüpfen konnte, die weit unter seinem „Rang" standen. Es war charakteristisch für sein ganzes Leben, dass er, ungeachtet seiner aristokratischen, von der Außenwelt isolierten Erziehung, „wahr­haftige Beziehungen ohne jeglichen sentimentalen Nachgeschmack zur Peripherie seiner Welt anzuknüpfen" wusste. 88 Die Erforschung der Kontakte zwischen dem Künstler und seinen Modellen ist vom Gesichtspunkt der Bewertung von Mednyánszkys Kunst aus ein Thema, das bis heute außer acht gelassen wurde, jedoch unumgänglich ist. 89 Im Schloss pflegte er von früher Kindheit an den Umgang mit einfachen Menschen und beobachtete ihr Leben. Diese Leute wurden sozusagen die ausschließlichen Modelle seiner figuralen Gemälde. Ohne die Porträts der einfachen Menschen in Strázky wären auch die späteren figuralen Arbeiten von Mednyánszky nicht zustande gekommen. In der Art und Weise der Darstellung seiner Modelle trat im Laufe seiner späteren Parisreise eine geringfügige Wende ein, als der Künstler begann, Landstreicher und die an die Peripherie der Gesellschaft Getriebenen zu malen. „Er betrachtet sie letzten Endes nicht nur als Modelle, denn er selbst lebte auch unter ihnen, er verstand ihre Gedanken und ihre Sprache. Er beobachtete ihre Tage und Nächte, ihre Freuden und Tragödien." 90 Jene Modelle, denen er von Kindesbeinen an im Hof des Schlosses von Strázky oder im Dorf begegnet war, symbolisierten für den Maler die Kraft schlechthin. Das Bildnis von mehreren jungen Menschen beweist, welch starkes Interesse er den kräftigen, selbstsicheren Menschen entgegenbrachte, die ihren Platz unter der Sonne zu behaupten wissen. 91 Neben den Bildnissen der jungen Menschen und der Bauern kommen sporadisch auch Frauen beziehungsweise Aktstudien unter den Werken von Mednyánszky vor. Im Besitz der Slowaksichen Nationalgalerie befinden sich zwei Ölgemälde mit diesem Thema: Akt eines sitzenden Knaben und Frauenakt. 92 Beide stammen aus der ersten Hälfte der 1870er Jahre. Der Maler unternahm hier den Versuch, den menschlichen Körper darzustellen - aller­dings glückte ihm diese Aufgabe damals nicht zur Gänze. Die erhalten gebliebenen Studien und Gemälde beweisen dagegen, dass Mednyánszky bereits um diese Zeit ein verhältnismäßig reifer Porträtmaler gewesen ist. Die figu­ralen Werke zeigen es genügend, wie er im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach dem Weg suchte, der ihn zur Anordnung seiner Gestalten auf der Gesamtfläche der Leinwand führen sollte. Das beweist auch das oben bereits erwähnte großformatige Bild Zsigmond Justh im Park (Kat. 40), auf dem man gut sieht, dass er die Gliedmaßen mehrmals übermalen und auch die Anordnung der Figur öfter verändern musste (z. B. ließ er den Mann auf einer Bank sitzen). Mednyánszky war nicht nur durch angenehme Erlebnisse und Erinnerung an Strázky gebunden, sondern auch durch traurige Ereignisse, man denke nur an den Tod seiner Mutter und seines Vaters, unter dem er schwer zu László Mednyánszky: Christus im Garten Gethsemane/Kristus v Gethsemanskej záhrade, Altarbild (Ausschnitt), 1884 (Vrbov /Ménhárd/, ev. Kirche)

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