Jávor Anna szerk.: Enikő Buzási: Ádám Mányoki (1673–1757), Monographie und Oeuvrekatalog (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Vorwort

Die historische Literatur zum Leben Adám Mányokis und die älteren Forschungsergebnisse Die Angaben zu Leben und Schaffen von Ádám Mányoki aus dem 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert wie auch die selteneren Würdigungen aus derselben Zeit gehen sämtlich auf die Berichte von Christian Ludwig von Hagedorn, einem Freund des Malers und dem hauptsächlichen Sammler seiner Werke zurück. In seinem „Lettre à un amateur de la pein­ture...", einem 1755 veröffentlichten, umfangreichen „kunst­historischen Essay", den er als Fortsetzung von Joachim von Sandrarts 1675 erschienener „Teutschen Académie" anlegte, 1 ­sprach der angehende Direktor der Kunstakademie und der Königlichen Galerie von Dresden über den damals bereits betagten Meister und dessen Werke in seinem Besitz in einem begeisterten, voreingenommenen Ton. 2 Diese subjektive Beschreibung ist von ästhetischen Ausführungen durchwoben, in denen die Gesichtspunkte des Sammlers und des Kunst­theoretikers zur Geltung kommen. Die Darstellung und Beur­teilung des Bildnismalers Mányoki widerspiegelt vor allem die Kunstauffassung, den Geschmack und die Stilpräferenzen des Kunstsammlers Hagedorn. Trotzdem bleibt diese Arbeit, die also am ehesten hinsichtlich der zeitgenössischen Rezeption bemerkenswert ist, eine unumgängliche Quelle der Mányoki­Forschung. Diese Lebensbeschreibung aus der Feder von Hage­dorn beruht vor allem auf Mitteilungen des Malers selbst und hat sich nicht nur als authentisch erwiesen, sondern ist be­züglich mancher Perioden, so seiner Kunststudien, des Be­ginns seiner Laufbahn und seiner frühesten Werke, bis heute die einzige Quelle. Dabei ergänzte Hagedorn die biographi­schen Details mit Beobachtungen zur Arbeitsweise des Malers, die bis heute gültig sind und von den Werken vollkommen bestätigt werden. In der immer mehr zunehmenden deutschen Literatur zu Kunstdenkmälern und Kunstsammlungen wird Mányoki im halben Jahrhundert nach seinem Tod als „zu seiner Zeit berühmter Porträtist" behandelt - allerdings eher unter den deutschen Malern von minderer Bedeutung. In seiner Biogra­phie werden seine ungarische Abstammung und - als ständig wiederkehrender Moment - sein Dienst am Hof des Fürsten Rákóczi, dem Anführer eines antihabsburgischen nationalen Aufstandes von 1703-1711, erwähnt. Diese Ausgaben, die hauptsächlich das Kunstleben und die Sehenswürdigkeiten von Dresden 3 und Berlin 4 bearbeiten, desgleichen die lexikali­schen Zusammenfassungen 5 schöpfen ihre Angaben über Mányoki sämtlich aus Hagedorns „Lettre..." und gehen weder mit ihren Gesichtspunkten noch im Detail über diese Schrift hinaus. Einzig Karl Wilhelm Dassdorf zählt - auf eine neuar­tige Weise - die Meister der Nachstiche auf, außerdem erwähnt Joseph Friedrich von Räcknitz einen seiner Gesellen, den von ihm ebenfalls hochgeschätzten Bildnismaler Johann Christian Bessler. 6 Zugegebenermaßen verwertete auch Füssli im Artikel seines Lexikons die Abhandlung Hagedorns und ging auch, gleich Dassdorf, auf die Nachstecher von Mányokis Werken ein. In einer späteren Ausgabe charakterisierte er auch den Stil des Malers. Demgegenüber ist er 1796 in Ludwig von Winckel­manns Mahlerlexikon gerade noch zugegen, im wenige Zeilen umfassenden Stichwort Mányoki werden nur seine Tätigkeit als Porträtmaler berücksichtigt sowie sein Todesjahr ange­geben. 7 Die ausführlichste unter den frühen Biographien ist jedenfalls der Überblick von Hirsching und Ernesti in ihrem „historisch-literarischen Handbuch", das 1799 als Zusammen­fassung fast aller früheren Mitteilungen erschienen ist. 8 Die früheste Erwähnung Mányokis in der ungarischen Lite­ratur ist mit den zuletzt genannten etwa gleichaltrig. In einem der Handbücher der Heimatkunde der Aufklärungszeit, im 1786 veröffentlichten Lexikon von János Mátyás Korabinszky, wird der Maler - unter Berufung auf Füssli - mit einem einzi­gen Satz gewürdigt, und zwar im Zusammenhang mit der Beschreibung seines Geburtsortes Szokolya. 9 Zehn Jahre später erschien über ihn ein umfangreicheres Stichwort im „Dictionarium" des Sámuel Mindszenthy, der ungarischen Übersetzung des „Dictionnaire historique..." des Abbé Lad­vocat aus dem Jahr 1764, eine Arbeit, die auf Hagedorns „Lettre..." beruht. 10 Im Sinne des erwachenden nationalen Interesses erfolgten die ersten Schritte zur „Integrierung" Mányokis in die ungarische Kunst in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts - wiewohl noch aufgrund von ziemlich lückenhaften Kenntnissen. Die zentrale Figur des literarischen und des Kunstlebens im ausgehenden 18. Jahrhundert, Ferenc Kazinczy, der mit einem Bekannten des Malers, dem Schrift­steller und Literaturförderer Gedeon Ráday, befreundet war, und der 1811 den jungen Schriftsteller Gábor Döbrentey, den Biographen Kupezkys, dazu bewegen wollte, eine ähnliche Lebensbeschreibung auch von Mányoki zu verfassen, wußte auch nichts weiter über den Maler, nur daß er Ráday por­trätiert hat und Hofmaler beim polnischen König war. 11 Die Unklarheit über die Person, die Laufbahn und die ungarischen Bezüge Mányokis wurden schließlich durch die erste aus­führliche Biographie - eine gekürzte Übersetzung nach Hage­dorn - im Rahmen einer Übersicht über die „Großen" der ungarischen Künste im Jahrgang 1828 der Zeitschrift Tudomá­nyos Gyűjtemény beseitigt. 12 Die wissenschaftliche Literatur zur Tätigkeit Mányokis und zur Bewertung seines Schaffens nahm mit dem biographi­schen Lexikon Wurzbachs beziehungsweise aufgrund der darin veröffentlichten Angaben ihren Anfang. Von ihm rühren aber auch die Irrtümer her. Unter Berufung auf Wurzbach haben sich in der Literatur - aufgrund einer irrtümlichen Mit­teilung Naglers - bis zur Monographie von Lázár (1933) falsche Annahmen über einen Parisaufenthalt Mányokis und über

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