Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)
BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Arbeiten für den Dessauer Hof sovie für Auftraggeber in Dresden und Leipzig. In Nachstichen überlieferte Werke (1714-1723)
so unter anderen Gattungen auch die fürstlichen Bildnisse auf, 211 wobei hier laut der Provenienzvermerke der oben genannten Bildnisse nicht nur die Porträts des Hauses Wettin gemeint waren. Die Bildnisse verblieben aber nicht lange an diesem Standort, denn zur Zeit der Aufnahme des Inventars von 1722/28 standen sie bereits in Pillnitz, wohl im Zusammenhang mit der 1727 eingeleiteten zweiten Bauperiode des „Grün Gewölbes", die deutlich die Umgestaltung zu einem Museum zum Ziel hatte. 212 Obwohl die Bautätigkeit 1729 abgeschlossen wurde, kamen die Bilder von Mányoki nicht mehr in die wieder aufgestellte Galerie im Residenzschloß zurück. Das Inventar „vor 1741" gibt bereits einen anderen Standort, genannt „Stall Magazin und Stall Boden" an, also das Ende des 16. Jahrhunderts errichtete Stallgebäude (beziehungsweise gewisse Teile davon), das nach dem zweiten Umbau von 1729/30 - also nach dem Ausbau des Obergeschosses -, seit 1733, die „Gewehrgalerie" mit der Bildergalerie der Wettiner aufnahm. 213 Aus den Inventaren geht hervor, daß hier, in den Sälen des Stallgebäudes - noch entsprechend den Vorstellungen Augusts des Starken -, als männliches Pendant zur Pillnitzer „SchönheitenGalerie" eine zweite Bildnisgalerie, eine sogenannte „Potentatengalerie" 214 aufgestellt war, mit den Bildnissen von Herrschern, Fürsten, hohen Offizieren und hohen Würdenträgem, also eine Bildergalerie mit den Darstellungen der Großen des politischen Lebens und des Amtswesens. Laut dem Inventar „vor 1741" kamen sämtliche männlichen Bildnisse der Quittung von 1714 hierher: König Friedrich Wilhelm I. von Preußen sowie seine männlichen Familienmitglieder, die Markgrafen Albrecht Friedrich und Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt sowie Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, einer der hervorragendsten Feldherren der Zeit. Und nicht nur diese, sondern sämtliche männlichen Bildnisse, die in den Inventaren des 18. Jahrhunderts in der Sammlung der sächsischen Fürsten als Werke Mányokis angeführt sind. Zu Beginn der vierziger Jahre des 18. Jahrhunderts hingen also in den als „Stall Magazin und Stall Boden" bezeichneten Sälen unter Mányokis weiteren Werken auch die Brustbilder von Fürst Franz Rákóczi und Krongroßmarschall Bieliriski (Kat. Nr. 55, 59) femer in der (im „Langen Gang" eingerichteten 213 ) Galerie im Erdgeschoß des Stallgebäudes seine Kopien von Kaiserbildnissen, die Joseph I., Leopold I. und Karl VI. als Kniestücke zeigten, und die wohl für eine repräsentative Herrschergalerie bestimmt waren. 216 Von den in der Quittung von 1714 angeführten Werken sind nur fünf bekannt, auch diese nur zum Teil aus Archivfotos, aber aufgrund von stilistischen Überlegungen läßt sich zeitlich auch das - ebenfalls nur durch ein Foto überlieferte - Bildnis des Krongroßmarschalls Bielinski (Kat. Nr. 59) hier einordnen. Die Bildnisse, die laut Aussage der Inventarbücher von vornherein für repräsentativere Standorte bestimmt waren, weisen nicht nur in ihrer Auffassung und ihren künstlerischen Lösungen, sondern auch in der malerischen Qualität deutliche Unterschiede von jenen Bildern auf, die wir heute als Stücke der „Schönheiten-Galerie" Augusts des Starken kennen, 217 wobei erstere wieder den deutlichen Einfluß von Antoine Pesne erkennen lassen. Besonders die plastische Gestaltung des Oberkörpers, das kräftige Helldunkel und die sorgfältig behandelten Tonübergänge zeugen vom erneuten Einfluß des Berliner Malers, dessen Wirkung sich aber diesmal nur an der Modellierung, an der Gestaltungsweise manifestiert. Der mehr abwechslungsreiche und repräsentative Formschatz von Pesne ließ Mányoki unberührt, der - obwohl er auch diesmal in höfischem Auftrag arbeitete - im Vergleich zu seinen früheren Berliner Arbeiten hier erheblich mehr Unabhängigkeit von den Anforderungen des höfischen Porträts und dessen obligaten Lösungen bewahrte. In der Auffassung dieser Bildnisse kommen nämlich ganz deutlich eine Betrachtungsweise und Traditionen von bürgerlicher Prägung zum Tragen, die seinen Arbeiten - dies bezieht sich wohl auch auf die späteren Jahre seines höfischen Schaffens - innerhalb der Dresdener höfischen Bildnismalerei eine Sonderstellung gewährten. Der auch hier bemerkbare zurückhaltende, weniger repräsentative Charakter seiner Arbeiten sollte sich aber infolge einer Wandlung in der Betrachtungsweise, die die Mode des höfischen Porträts betraf, bald als unzeitgemäß erweisen, wodurch seine Aufträge bei Hof - trotz seiner Ernennung zum Hofmaler - mit der Zeit zwangsläufig zurückgingen. Die Jahre zwischen 1714 und 1723, die als eine erste Dresdener Periode zu nennen sind, bedeuten im Hinblick auf den Auftraggeberkreis wie auch auf die typologischen und kompositioneilen Lösungen die mannigfaltigste Zeit in Mányokis Schaffen. Seine Bildnisse aus dieser Zeit zeigen eine gleichmäßig gute Qualität, und die stilistischen Lösungen zeugen ebenfalls davon, daß er zu seiner ausgereiften, persönlichen Bildnissprache gefunden hat. Die Eigenart seiner Porträtkunst, daß er im Grad der Intimität, in der Vermeidung der Äußerhchkeiten zwischen höfischen und bürgerlichen Auftraggebern keinen Unterschied machte, kommt vermutlich in dieser Zeit am deutlichsten zur Geltung, und dies nicht ohne genügenden Grund. Die Zusammensetzung seines Auf traggeberkreises war eben in diesem Jahrzehnt am mannigfaltigsten, besonders wenn man neben den