Fehér György szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1995-1997 (Budapest, 1998)

ZSIGMOND CSOMA-GYÖRGYI GYÖRKÉ: Die bäuerliche und bauer-bürgerliche Lebensform und Trianon - Tatsachen und Illusionen im Leben der Minderheiten Mitteleuropas (Historisch-ethnographische Ausstellung zum Anlaß des 75. Jahrestages der Unterschreibung des Friedensvertrages von Trianon)

Auf der Friedenskonferenz bestanden Lloyd George und Wilson, die Leiter der britischen und amerikanischen Delegation noch darauf, daß mit der Absteckung der Grenzen so wenig fremde Volksgruppen wie möglich in die neuen Staaten kommen. Ihre Meinung war folgende: „Es wird nie Frieden in Europa geben, wenn die neuen Staaten mit Irredentismus belastet werden. " Zu dieser Zeit aber setzte sich bereits der Standpunkt Clemanceaus, bzw. Frankreichs durch, das im Interesse der Stärkung seiner Sicherheit die Bildung einer starken Tsche­choslowakei, eines starken Rumäniens und Jugoslawiens für wichtig hielt. Auf der Friedenskonferenz verhandelte die von Apponyi geleitete ungarische Delegation in Hausarrest, in totaler Nachrichtensperre, ihre Argumente wurden kaum angehört. So setzte sich die Friedenskonferenz dem von ihr verkündigten Selbstbestimmungsrecht, den ethno­graphischen Argumenten und den berechtigten Volksabstimmungs-Forderungen entgegen. Apponyi: Jn unseren Augen wird das Gestern von Heute durch das offizielle Bekanntwerden mit den Friedensbedingungen getrennt. Ich fühle die ungeheure last der Verantwortimg, die mir in dem Moment auferlegt ist, wenn ich seitens Ungarn das erste Wort bezüglich der Friedensbedingungen ausspreche. Aber ich zögere nicht und sage es offen heraus, daß die Friedensbedingungen, wie Sie sie uns freundlicherweise überreicht haben, ohne wesentliche Änderungen unakzeptabel sind. Ich sehe sehr klar die Gefahren und Prob­leme, die aus der Verweigerung der Unterschreibung des Friedens resultieren können. Doch wenn Ungarn in die Lage käme, zwischen dem Akzeptieren oder der Ablehnung des Friedens zu wählen, so würde es eigentlich folgende Frage beantworten: Ist es richtig, Selbstmord zu begehen, um nicht zu sterben... Es geht darum, ob Ungarn zwei Drittel seines Gebietes und fast zwei Drittel seiner Bevölkerung verHeren soll, und ob fast alle Bedingungen der wirtschaftlichen Entwicklung dem verbliebenen Ungarn entzogen werden sollten. Denn dieser unglückliche mittlere Teil des Landes, abgetrennt von seinen Grenzen, würde dem größten Teil seiner Kohlen-, Erz- und Salzbergwerke beraubt sein, seinem Bauholz und seinem Öl, seiner Erdgasquellen, dem größten Teil seiner Arbeit­skraft, seiner Alpen weiden, die seinen Viehbestand nährten. Dieser unglückliche mittlere Teil, wie gesagt, würde all der Quellen und Mittel zur wirtschaftlichen Entwicklung beraubt sein, wobei zur gleichen Zeit von ihm verlangt wird, mehr zu produzieren. Vor so eitter schweren und besonderen Lage stehendfragen wir, welcher Gesichtspunkt der oben erwähnten Prinzipien und Interessen diese besondere Strenge Ungarn gegenüber ausgelöst hat?" Die zynische Antwort des Präsidenten der Konferenz, A. Millerand: „Die ethnographische Beschaffenheit Mittel-Europas ist wirklich eine solche, die es unmöglich macht, die politischen Grenzen an der ganzen Linie mit den ethnographischen Grenzen in Einklang zu bringen. Daraus folgt, - und die Alliierten und die anderen. Mächte verbeugten sich mit Bedauern vor der Notwendigkeit - daß einzelne Zentren der ungarischen Bevölkerung unter die Souveränität eines anderen Staates kommen müssen. Aber auf diese Lage kann man sich nicht mit der Feststellung berufen, daß es besser gewe-

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