Takács Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1975-1977 (Budapest, 1978)

N. Kiss István: Bécs húsellátásának válsága (1770-1773) (Marhaexport, politika és profit)

KHt = Országos Levéltár, Budapest, a Helytartótanács jelentései a Magyar Királyi Udvari Kancelláriának A 23. SZG — Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. TV = Országos Levéltár, Budapest, a Magyar Királyi Helytartótanács levéltárának „Tabelláé victualium" sorozata VSW = Vierteljahrschrift für Sozial und Wirtschaftsgeschichte. ZAA = Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie. DIE KRISE IN DER FLEISCHVERSORGUNG DER STADT WIEN IN DEN JAHREN 1770-1773 (Rinderexport, Politik und Profit) von ISTVÁN N. KISS 1. Von der Mitte des XVIII. Jahrhunderts haben die Länder der Monarchie fast die ganze Menge des ungarischen Ochsenexports übernommen. Etwa 3/4 des ungarischen Viehexportes gelangte in die österreichischen Kronländer, der Rest nach Mähren usw. 2. Die billige und reichliche Fleischversorgung der Stadt Wien war für Maria Theresia eine grundlegende politische Frage. Den in dieser Hinsicht übertriebenen Standpunkt der Herrscherin haben selbst die Wiener Regierungskreise nicht vollkommen geteilt. 3. Die im Interesse der Fleischversorgung von Wien ins Leben gerufene Fleischlieferungsdirektion (FLD) war eine Monopolorganisation, die den in Ungarn traditionell freien Rindviehhandel und -export hinderte. 4. Zwischen 1770 und 1772, in 30 Monaten, wurden mehr als 83 000 ungarische Ochsen auf die Wiener Schlachthöfe getrieben. Ihre Qualität — 632,1 kg Lebendgewicht - ragte weit über den damaligen europaischen Durchschnitt heraus. Auf jeden Einwohner der damals 200 000 Einwohner zählenden Stadt Wien entfiel vom ungarischen Import jährlich 50 Kg Rindfleisch. 5. Die FLD verschaffte sich wànrend ihrer Tätigkeit einen bedeutenden Nutzen, der aber nicht in die Staatskasse gelangte, sondern das Vermögen des Direktors, Hofrat Badenthal, erhöhte. Die als ungarische Hauptlieferanten des Rindviehankaufs fungierenden Gebrüder Habermayer haben ebenfalls viel verdient. Gleichzeitig hat aber die fast ausschliesslich aus Bauern und Bürger der Agrarstädte bestehende Gruppe der ungarischen Züchter und Händler für die 36 000 Mastochsen jährlich 1,85 Millionen Forint bekommen. Diese Summe betrug 12 % der damaligen Einnahmen des Ungarischen Königreichs. 6. In den Jahren der europäischen Hungersnot hat die FLD zwar die billigen Fleischpreise in Wien aufrechterhalten, aber mit der Beschränkung der Handelsfreiheit hat sie die ungarische Rinderzucht gebremst, und verursachte mit ihrem Sturz eine allgemeine Kreditkrise, die in eine anhaltende Ernährungs-, Finanz- und Regierunskrise mündete. 7. Der Sturz der FLD hat in den leitenden Organen der Monarchie den scharfen Gegensatz und Kampf der verschiedenen Gruppeninteressen und Wirtschaftsansichten an den Tag gebracht, so z.B. die entschiedene und in vieler Hinsicht erfolgreiche Widersetzung der Ungarischen Königlichen Hofkanzlei der Tschechisch-Österreichischen Hofkanzlci im Schutze der Wirtschafts­interessen Ungarns.

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