Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Maksay, Ferenc: Struktur der ungarischen Dorf Siedlungen zur Zeit der traditionellen Landwirtschaft

STRUKTUR DER UNGARISCHEN DORFSIEDLUNGEN ZUR ZEIT DER TRADITIONELLEN LANDWIRTSCHAFT FERENC MAKSAY (Budapest, Hungary) Über die Siedlungsverhältnisse der traditionellen Landwirtschaft sind in Ungarn erst während der letzten Jahrzehnte intensivere Forschungen ange­laufen. Unsere bisherige Forschungstätigkeit setzte sich eine Rekonstruktion des Siedlungsbestandes in der Zeit vor der türkischen Besetzung des Landes zum Ziel (d. h. im 14—16. Jh.). Von den Verheerungen der Kriegswirren im 16—17. Jahrhundert blieben im Grunde genommen nur die das Kernland halbkreisför­mig ungebenden westlichen, nördlichen und östlichen Randstreifen des unga­rischen Siedlungsgebietes mehr oder weniger verschont, und von einer Konti­nuität kann man nur in diesen Landstrichen sprechen. Deshalb untersuchten wir zunächst Hunderte mittelalterlicher Urkunden der dortigen Dörfer (Prozeßak­ten, Urteile und Vergleiche in Besitzrechtsstreitigkeiten), um das aus ihren Anga­ben gewonnene Bild mit den ersten ausführlicheren Landkarten (des 18. Jahrhun­derts) zu vergleichen. Aus diesem Vergleich ergab sich eine ziemlich weitge­hende Übereinstimmung der im 15. Jahrhundert herrschenden Lage mit jener des 18. Jahrhunderts. Die aus den verheerten mittel- und südungarischen Ge­bieten erhalten gebliebenen spärlichen Urkunden sowie die archäologischen Ausgrabungsergebnisse erbrachten den überzeugenden Beweis dafür, daß sich die einstige Siedlungsstruktur der Großen Ungarischen Tiefebene auch nicht wesentlich von jener der übrigen Landesteile unterschied. In Ermangelung eines anderweitigen Quellenmaterials schöpften wir unsere auf die Nutzung der Ge­markungen bezüglichen Kenntnisse gleichfalls größtenteils aus den einschlä­gigen Urkunden. Somit sind wir nicht mehr auf die Kombinationen der Geographen ange­wiesen, sondern können, gestützt auf eine Fülle zeitgenössischer Angaben, fest­stellen, daß die auf dem ungarischen Siedlungsgebiete des 14—16. Jahrhunderts meistverbreitete, nachgerade allgemein übliche Dorfform das Straßendorf mit einer oder zwei Häuserzeilen war, hinter denen sich vielerorts (vor allem aber in gerodeten Gegenden) eine Streifenflur erstreckte (ein gedüngter „Dauer­schlag", den die ungarische Sprache mit der Bezeichnung „Unter den Gärten" versah). Im übrigen Teil der Dorfmark lagen die Äcker im Rahmen der Feld­graswirtschaft bzw. der Drei- und Zweifelderwirtschaft, meist mit Feldgemein­schaft verbunden, benutzt. Die Feldgraswirtschaft wurde mit der Zeit in wach­sendem Maß in die unfruchtbaren Gegenden der Gemarkung bzw. in deren ent-

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