Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Takács, Lajos: Die Hakensichel in Ungarn

bekannt war, 7 blieben ihre westeuropischen Funde während der Eisenzeit allmählich weg und die Tülle wurde nur auf demjenigen Gerät beibehalten, bei dem das die kräftige Schneidearbeit und die große Inanspruchnahme rechtfertigte (wie z. B. auf der Axt). All das weist aber zugleich auch auf die Tatsache hin, daß die Sicheln mit Tüllenbefestigung in Wahrheit auf stärkere Inanspruchnahme rechnen mußten, als das Abschneiden der Getrei­dehalme bedeutete. Mit anderen Worten: die Hakensicheln hatten mehr Funktionen, als die Bogensicheln, und die Verrichtung ihrer viel schwereren Aufgaben als die Ernte auch durch die Befestigung mit der Tülle auf dem Stiel gefördert wurde. Das Erscheinen der Bogensichel löste eigentlich den zusammengesetzten Funktionskreis auf, welcher sich früher in einem und demselben Gerät ver­einigte und ihre Spezialisierung auf die Ernte hatte nicht nur die Beschleuni­gung der Erntearbeit zur Folge, sondern verursachte auch eine Funktions­verschiebung unter den alten Schneidegeräten. Obzwar die Hakensichel ihre Erntefunktion verloren hat, behielt sie eine Reihe wichtiger Aufgaben, wie das Abschneiden von Unkraut, Gras, Rohr, Schilf oder Strauch. Mit der Ausgestaltung der kurzen Sense aber, die mei­stens der Bogensichel folgte, wurde sie auch vom Grashauen befreit. Von ihren früheren Aufgaben hat sie also im wesentlichen nur das Rohr- und Schilf-, sowie das Strauchhauen bewahrt. Aus all dem ist zu folgern, daß wenn man den alten Sichelformen nach­gehen will, man nicht nur die zeitgemäße Form ins Auge zu fassen hat, welche die heutige Sichel vertritt, sondern auch diejenige, welche diese im Laufe der Zeit abgelöst hat und welche heutzutage in ihren ehemaligen Nebenfunktionen fortlebt. Solche Geräte sind aber vor allem das Rohr- und das Schilfmesser, die be­reits unsere früheren Forscher in Übereinstimmung mit den oben erwähnten für unsere archaischsten Schneidegeräte gehalten haben. Sie haben sich auch ihre Beziehungen zur Sichel seit langem gemerkt. O. HERMAN spricht bereits in seiner im Jahre 1887 veröffentlichten grund­legenden Zusammenfassung über zwei Arten der Schneidegeräte: von den schwächeren Sicheln und von den stärkeren, die eigentlich Rohrmesser sind. 8 Aber auch GYÖRFFY und BÁTKY bezeichnen den Platz des Rohrmessers zwischen Sichel und Sense. 9 Unsere Rohrmesser sind in beträchtlicher Zahl auf uns gebheben und vertreten mehrere Typen, die auch geographisch gut abzusondern sind. Ihren beiden Hauptgruppen setzt die Donau eine Grenze, welche schon fast seit dem Neolithikum für die Scheidelinie zwischen den beiden Kulturzonen im Kar­patenbecken gilt. Der Geschichte der Rohrmesser ist natürlich bis zu dieser Zeit nicht nachzuspüren. Ihre westliche Gruppe, die wir in zwei Typengruppen 'SCHMIDT, H. Der Bronzesichelfund von Oberthau, Kr. Merseburg. Zeitschrift für Ethnologie 1904. 421, 423. SHERMAN, O. A magyar halászat könyve (Buch der ungarischen Fischerei). Bu­dapest 1887. 187. ''GYÖRFFY, I. A földművelés. In: A magyarság néprajza (Ungarische Volkskun­ae). Budapest 1934. II. 173. — BÁTKY, Zs. Útmutató néprajzi múzeumok szervezésére. Budapest 1906. 41, 38.

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