Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Timár, Eszter: Regionale Umgestaltung der traditionellen Landwirtschaft Ungarns in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

bezogen wurde. Am intensivsten vollzog sich dieser Prozeß in den Komitaten Csanád und Jász-Nagykun-Szolnok auf der Tiefebene, wo der Anteil des Anbaugebiets von 55,5 auf 83,3 v. H. beziehungsweise von 36,1 auf 65,7 v. H. zunahm, d. h. — im Vergleich zum gesamten Ackerbaugelände — um fast ein Drittel anstieg. Eine nahezu ähnliche Entwicklung konnte in drei weiteren Ko­mitaten der Tiefebene (Békés, Csongrád, Heves) registriert werden. Allein in den Hochlandgebieten (in den Komitaten Arva und Liptó) wurde in obiger Beziehung eine Verringerung erzielt. Der hohe Anteil der Ackerflächen im Tiefland ist den günstigen natur­geographischen Verhältnissen zuzuschreiben; der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte beschleunigte Anstieg ist zum Großteil der natur­formenden Tätigkeit der Gesellschaft zu verdanken. Im geprüften Zeitraum wurde ein erheblicher Teil der Hochwasserschutz- und Stromregulierungs­arbeiten -— vor allem die Hochwasserabwehr des Theißtals — auf der Tief­ebene durchgeführt. In den Jahren 1850 bis 1880 wurde ein Gebiet von fast 2.5 Millionen Katastraljoch von der Hochwassergefahr befreit und dadurch die Ackerbaufläche erweitert. Die in den achtziger Jahren im Donautal begonnenen Stromregulierungs­arbeiten auf dem Gebiet von Csallóköz und im Komitat Tolna trugen eben­falls zur erheblichen Ausweitung des Ackerbaugeländes bei, wie dies aus der vorgeführten Landkarte ersichtlich ist. Darüber hinaus konnte auf den re­gulierten Flüssen der Transport von Getreide leichter und in beschleunigterem Tempo bewerkstelligt werden und auch dies leistete einen beach fliehen Beitrag zur Umgestaltung der traditionellen Bewirtschaftung. Zu Lasten der Wiesen und Weiden wurde die Ackerbestellung in jenen Komitaten gesteigert, wo es weniger Niederschlag gibt; auf Kosten der Wäl­der dagegen — fast ausschießlich — im Hügelland und in den niedrigeren Gebirgsgegenden. Im transdanubischen Hügelland erreichte der Anteil der entwaldeten und für den Ackerbau nutzbar gemachten Flächen 5—10 v. H. Die Ackerfelder begannen sich daher — obwohl in langsamerem Tempo — auch auf die höhergelegenen Regionen zu erstrecken (Abb. 1). In der untersuchten Periode ist unter den Anbauzweigen noch bei den Waldungen eine Entwicklung zu verzeichnen, da die Waldfläche von 9,3 Millio­nen Katastraljoch der fünfziger Jahre bis 1895 auf 9.7 Millionen Katastral­joch zunahm. Die Ausbreitung der Wälder hängt in erster Linie von den naturgeographischen Verhältnissen ab (Höhe, Niederschlag, Tempe­ratur, usw.) ; aus diesem Grund zeigt ihre Verbreitung ein ziemlich ungünsti­ges und disproportioniertes Bild. In den Gebirgslandschaften erstreckten sich die Wälder — im Vergleich zur Gesamtfläche — auf über 50 v. H., wogegen auf der Tiefebene diese Rate kaum 1 v. H. betrug. In der Umgebung des mittleren Theißgebietes belief sich ihr Anteil am gesamten Komitatsgebiet bloß auf 0,75 v. H., aber auch dieser erfuhr zufolge der Hochwasserschutzarbeiten eine weitere Verminderung (Abb. 2). Nach dem Ackerfeldgelände und den Wäldern nahmen die Weiden die größten Gebiete des damaligen Ungarns ein. In den fünfziger Jahren belief sich ihr A.nteil im Verhältnis zur Gesamtfläche des Landes auf 15,5 v. H. ; 1895 bloß auf 12,7%. Auch diese Zahlen bestätigen, daß die extensive Tier­zucht noch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine be-

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