Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Kodedová, Oldriska: Hauptzüge der landwirtschaftlichen Entwicklung in den böhmischen Ländern und das landwirtschaftliche Schulwesen in den Jahren 1870 bis 1914
Aufgaben und heftigen Kämpfe, vergaß diese Probleme bei ihren Forderungen nicht. Die ersten Bestrebungen zur Gründung eines landwirtschaftlichen Schulwesens 0 nach dem Jahre 1848 wurden mit der Zeit ständig stärker. Schon in den 60er Jahren entwickelten sich in Zusammenhang mit dem Aufschwung der politischen Aktivität des böhmischen Landes auch Bestrebungen, den Fortschritt in der Landwirtschaft unter den Bauern zu verbreiten. Einen wichtigen Wendepunkt stellte in dieser Hinsicht der Beschluß des böhmischen Landtags über die Landwirtschaftsschulen im Jahre 1864 dar, der zur Grundlage des böhmischen landwirtschaftlichen Schulwesens geworden ist. 7 Trotz ungünstiger Verhältnisse der 70er Jahre erzwang die gesellschaftliche Entwicklung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine Fortschrittsverbreitung in der Landwirtschaft und schätzte dabei die Bedeutung der landwirtschaftlichen Bildung aller Grade. Der hoffnungsvolle Aufschwung des landwirtschaftlichen Schulwesens wurde von der tiefen Wirtschaftskrise der 70er Jahre betroffen. Diese Krise bedrängte schwer auch die Landwirtschaft und nach dem Jahre 1878 mündete sie in eine chronische Agrarkrise. Diese Entwicklung hat sich am Anfang der 70er Jahre in der Stockung des landwirtschaftlichen Schulwesens widergespiegelt. Gleichzeitig wies aber die Agrarkrise darauf hin, daß es gerade unter den schweren Verhältnissen notwendig war, Fachkunde und Wirtschaftsniveau zu erhöhen. Die Krise zeigte, daß das Wirtschaften immer komplizierter wird. Neue Komponenten der Produktivkräfte, gänzlich neue, unerkannte ökonomische und gesellschaftliche Kräfte erforderten, daß dieser modernen Entwicklung und den von Grund auf sich ändernden Bedingungen das Erzeugungssystem und die gesamte Führung des landwirtschaftlichen Betriebes entspräche. So hat die Zeit auch eine Lösung der landwirtschaftlichen Schulwesenprobleme direkt erfordert, die der gleichzeitigen Entwicklung der Produktivkräfte entsprechen sollten. Und so begann um die Mitte der 80er Jahre eine neue Etappe des landwirtschaftlichen Schulwesens, das noch in den 80er Jahren •— neben der Forschung — zu einem wichtigen Faktor der Entwicklung geworden ist. 8 Neben der verstärkten Individualisation der landwirtschaftlichen Erzeugung, dem Fortschritt in der Agrartechnik und der Benützung von komplizierten Maschinen, welche die Ansprüche auf Fachbildung der Bauern erhöhten, spielte auch der Bedarf an einer Orientierung der Bauern beim Einkauf, Verkauf, bei den Preisen usw. eine Rolle. Deshalb begann sich in den böhmischen Ländern, besonders in Böhmen, von den 80er Jahren bis zur Jahrhundertwende das landwirtschaftliche Fachschulwesen schneller zu entwickeln. Dieser Aufschwung des landwirtschaftlichen Schulwesens wurde seit Anfang des 20. Jahrhunderts von der Landwirtschaftsentwicklung und von der wirtschaftlichen Lage der Bauernschaft beeinflußt. Die Entwicklung der Produktivkräfte in der Landwirtschaft fi Das landwirtschaftliche Schulwesen ist natürlich ein umfangreicher Begriff, der im Zeitabschnitt von 1848 bis 1914 mehrere Schulstufen umfaßte, von den niedrigsten bis zu Hochschulen. : Die bisherige Zersplitterung des Unterrichts wurde beseitigt, die Grundsätze für seine Bildung wurden angenommen, ebenso wie das Drei-Stufen-System, das im Jahre 1868 sogar vom Ackerbauministerium angenommen wurde. 8 Auf Veranlassung des Landwirtschaftlichen Rates wurde in den Jahren 1881—• 1883 aufgrund einer Enquete ein Reorganisierungsvorschlag für das landwirtschaftliche Schulwesen entworfen, der 1884 vom Landtag gebilligt wurde. 25* 387