Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Hupfauer, Max: Geschicht e der Elektrifizierung der deutschen Landwirtschaft

GESCHICHTE DER ELEKTRIFIZIERUNG DER DEUTSCHEN LANDWIRTSCHAFT MAX HUPFAUER (Weihenstephan, German Federal Republic) Die Anfänge der Anwendung elektrischer Energie in der deutschen Land­wirtschaft liegen etwa um das Jahr 1880. Damals entwickelte der Hohenheimer Professor KARL VON SIEMENS in Anlehnung an die bereits von MAX VON EYTH eingeführten Dampfpflüge eine von einem Elektromotor betriebene Seilpfluganlage. Die technischen Merkmale wurden im Deutschen Reichspa­tent Nr. 12 869 vom 12. Sept. 1880 niedergelegt. Ein Modell dieser Anlage be­findet sich heute noch an der Landwirtschaftlichen Universität in Hohenheim. Diese Idee fand aber erst 15 Jahre später in der Praxis Eingang, nachdem FRANZ BENSING in Breslau die Fabrikation solcher Elektropflüge aufgenom­men hatte. Gegenüber dem Dampfpflug hatte man sich für den Elektropflug merkliche Vorteile durch den Wegfall von Gespann- und Arbeitskräften für Kohlen- und Wassertransport sowie die sofortige Betriebsbereitschaft errech­net. Bei lOOtägiger Benutzungsdauer im Jahr ermittelte man für die Tief­kultur pro Hektar beim Elektropflug einen Kostenaufwand von ca. RM 19. —, während die gleiche Arbeit mit dem Dampfpflug rd. RM 34. — kostete. Das Interesse an der Elektrifizierung des Pflügens war so groß, daß die von M. VON EYTH gegründete Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft in den Jahren 1899—1901 auf den preußischen Staatsgütern Dalwitz, Marschwitz und Sillium umfangreiche betriebswirtschaftliche Untersuchungen an Elektropflügen vor­nehmen ließ. Da es zunächst noch keine Stromversorgung durch Uberland­netze gab, mußte diese von eigenen Kleinkraftwerken, wie sie beispielsweise für Mahlen- und Sägewerksbetriebe schon üblich waren, übernommen werden. Damit waren aber der Verbreitung des Elektropflugs enge Grenzen gesetzt. Erst als die Errichtung von Überlandzentralen in Gang kam, versprach man sich eine umfangreichere Anwendung dieser neuen Idee umsomehr, als sich die Stromlieferwerke eine merkliche Steigerung ihres Stromabsatzes errech­neten, der die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen erhöhte. So wurde am Beispiel eines 2000 Morgen großen Gutes festgestellt, daß der Stromverbrauch für das Elektropflügen im Jahr rd. 40 000 kWh betrug, während für das Dreschen nur 1/10 nämlich 4000 kWh in Anspruch genommen wurden. Die Anschaffungs­kosten für einen Elektropflug von 80 PS Leistung mit 2 Windenwagen, einem Transformator und einem Kabelwagen mit 800 m Kabel sowie dem dazugehörigen Kipp-Pflug betrugen rd. RM 70 000,—. Trotz des großen Interesses nahm die Zahl der Elektropflüge wegen des Fehlens geeigneter Stromversorgungsanlagen nicht in dem erhofften Maße zu. Etwa 30 Jahre nach den ersten Versuchen waren im damaligen Reichsgebiet nur rd. 200 Elektropfluganlagen in Betrieb,

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