Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn

grundherrlich-bäuerlichen Verhältnisse die Brachfrüchte von der Neuntel­und Zehentabgabe freigab. 2 Dabei handelte sich aber noch um keine bewußte Umwälzung des herr­schenden Wirtschaftssystems, um so weniger, da das Alte bereits seit Jahr­hunderten institutionell fest eingewurzelt war. Abgesehen nämlich von manchen weilerartigen Siedlungen in Westungarn, von Waldhufendörfern und Streusiedelungen in Gebirgsgegenden sowie von seit dem 17. Jahrhun­dert sich ausgestaltenden Einzelgehöften in der Großen Tiefebene, wo sich der Bauer bei seiner Wirtschaftsführung gewissermaßen frei bewegen konnte, lebte die überwiegende Mehrzahl der ländlichen Bevölkerung des Karpaten­beckens in Dörfern, deren Gemarkung im Rahmen des mit Besitzzersplit­terung verbundenen Gewannsystems bzw. der Dreifelder-, mancherorts Zwei­felderwirtschaft dem Flurzwang unterworfen war. Die Fesseln dieser gebun­denen Wirtschaft konnten jedoch, soweit darüber unter den interessenten Bauern überhaupt ein Einverständnis zustande gebracht werden konnte, erst nach erfolgter Einwilligung des Grund- bzw. Gutsherrn gesprengt werden. Es war aber besonders der Letztere um so weniger dafür, da er seine Äcker und Wiesen zumeist von den übrigen Feldern abgesondert, in einem Stück oder wenigen Stücken, vom Flurzwang der Gemeinde befreit besaß. Übrigens dau­erte es eine geraume Zeit, bis die Herrschaften — und noch länger, bis die Bauern — von der völligen Überlegenheit der ,,new husbandry" überzeugt werden konnten; außerdem bedurfte es geeigneter Absatzmöglichkeiten, die sie dazu bewegen konnten, die neuen Lehren willig in die Praxis umzusetzen. Zweifellos fiel gegen den hartnäckigen Widerstand des Alten schwer ins Gewicht, daß die neuen Ideen nicht mehr in den engen Kreis der gebietsmäßi­gen Zergliederung geschlossen blieben. Die sich als nutzvoll erwiesenen Neuerungen konnten bereits durch die immer breiter gewordenen Möglichkei­ten des Nachrichtenwesens stets auf neuere und weitere Gebiete ausstrahlen und, die mündliche Tradition in den Hintergrund drängend, neue Anregungen ins Leben rufen. In Ungarn erwiesen sich die Fachwerke, dann auch Zeitschrif­ten und Tagblätter im Kampfe gegen die herkömmlichen Anschauungen von den 1770er Jahren an als weitreichende Waffen der neuen Landwirtschaft. Die auf Umbildung des ganzen Systems der Agrarkultur gerichteten neuen Methoden wurden zuerst durch Übersetzungen aus Fremdsprachen vermittelt. Von 1772 bis 1 76 ist die Arbeit des Österreichers J. WIEGAND, die in Ungarn als erstes Werk für die Reformierung der Landwirtschaft in die Schranken trat, in fünf verschiedenen Auflagen erschienen. 3 Die Tatsache selbst, daß es hier an Männern nicht gefehlt hat, die auf die ausländischen Errungenschaf­ten empfindlich reagiert haben und an die Übersetzung von Facharbeiten neuen Geistes herangegangen sind, ferner daß es auch einheimische Verlage gab, die das Erscheinen dieser ermöglicht haben, wirft ein reges Licht auf das für die neue Landwirtschaft erwachte Interesse. Davon zeugt gleicherweise, 2 WELLMANN, IMRE. Von der herkömmlichen Produktion zur landwirtschaft­lichen Revolution der Neuzeit. Agrártörténeti Szemle 12: 1970, Supplementum. 43—47. 3 WIEGAND, JOHANN. Handbuch für die österreichische Landjugend, zum Unterricht einer wohlgeordneten Feldwirthschaft. Pressburg 1774. (Weitere Aus­gaben in anderen Sprachen: Wien 1772, Pressburg 1773, 1774, 1776.)

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