Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn

große Umwälzung diese gesellschaftliche Veränderung vor, teilweise erhielt sie im späteren von dieser neue Impulse — ebenso wie einerseits die Entfaltung der industriellen Revolution (um auf die Frage der freigewordenen Arbeits­kräfte hier nicht einzugehen) außer der Lebensmittelerzeugung auch von der Herstellung von mehr und besserem Rohmateriel gefördert wurde, anderer­seits hingegen dann die Entfaltung der Industrie durch Herstellung von bes­seren Geräten, Maschinen und Stoffen zur Weiterentwicklung der Landwirt­schaft beitrug. Auf diese Weise wurde die „landwirtschaftliche Revolution", in weiterem Zusammenhang betrachtet, eine wichtige Komponente des Über­gangs aus dem Feudalismus in den Kapitalismus. Es ist kein Zufall, daß die „landwirtschaftliche Revolution" der Neuzeit von den Niederlanden ausgegangen ist, wo die bürgerliche Revolution in ganz Europa den ersten Sieg errungen hat. Wie es auch für gesetzmäßig angesehen werden kann, daß die Erneuerung der traditionellen Landwirtschaft bald darauf durch England, die Heimat der zweiten bürgerlichen Revolution in die Hand genommen wurde. Die Welle der Umwandlung hat dann nach Frank­reich und auf die westlichen Teile Deutschlands übergegriffen, doch konnte sie auf französischem Boden bis zur Revolution meist nur das dichte Gewebe der traditionellen feudalen Landwirtschaft lockern; so durchlief sie dann allmählich die übrigen Teile des Kontinents. Es trug zur zeitlichen Verzöge­rung des Sieges des neuen Systems noch bei, daß zuvor Jahrtausend alte Institutionen und Traditionen des auf der Landwirtschaft fußenden Feuda­lismus aus ihren verrosteten Angeln gehoben werden mußten. Die im Laufe des Kampfes erreichten anfänglichen Erfolge haben aber stets neuere Perspek­tiven der großen Umwandlung eröffnet und auf im voraus gar nicht vermu­teten Wegen und Arten die Erneuerung der Landwirtschaft weiter entfaltet. Die größte Triebkraft der Umwandlung lag urspünglich im Anwachsen der Bevölkerung, das im Laufe des 18. Jahrhunderts überall in Europa einen mächtigen Aufschwung nahm. Bereits in den frühen Phasen der Entwicklung sind zwischen Bewohnerschaft und landwirtschaftlicher Produktion Verschie­bungen entstanden; nahm die erstere und mit ihr der Brotbedarf ab, so hat zumeist die Viehhaltung zu Schaden des Ackerbaus Raum gewonnen, im ent­gegengesetzten Fall nahm wiederum das Umbrechen der Weiden, die Wald­rodung, die Trockenlegung der Marschen zu, und man versuchte, selbst für den Anbau weniger geeignete sog. marginale Böden zu beackern — mit wechseln­dem Erfolg. Mit der stürmischen Zunahme des Bedarfs hat sich jedoch eine solche, bald an Schranken stoßende Erweiterung des fruchtbringenden Bodens mit der Zeit als nicht ausreichend erwiesen. Es ist aus der Anregung der flandrischen Bauern klar geworden, daß das fruchtbingende Areal, auch ohne daß man neue Flächen in die Bodenkultur einbeziehen müßte, in beträchtlichem Maße gesteigert werden kann. In der Dreifelderwirtschaft, die im größten Teil Europas vorherrschte, lag ein Drittel, in der ebenfalls verbreiteten Zweifelder­wirtschaft nicht weniger als die Hälfte des Ackers von Jahr zu Jahr im we­sentlichen unausgenutzt, von den mit noch größerer Bodenverschwendung einhergehenden Ackerbausystemen gar nicht zu sprechen. Die aus den Nieder­landen und aus England hervorgegangene neue Landwirtschaft (new hus­bandry) hat gerade dafür ein Beispiel geliefert, wie diese wenig verwerteten bedeutenden Flächen, die Brachfelder, unmittelbar in die Pflanzenzucht einbe­zogen werden können.

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