Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Jacobeit, Wolfgang: Die Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft in volkskundlicher Sicht

und Dorfhandwerker wider. Kennzeichnend hierfür ist auch ein großes Expe­rimentieren auf agrotechnischem Gebiet. Erst nach der Jahrhundertmitte begann die Mechanisierung auch in den bäuerlichen Betrieben Fuß zu fassen und damit den Charakter der landwirtschaftlichen Arbeit zu verändern. Die winterliche Arbeitszeit wurde einerseits für den Bauern verkürzt, anderer­seits wurden Tagelöhner und Landarbeiter freigesetzt. Streiks und Maschinen­stürmerei waren vielerorts, vor allem in Ostelbien, die Folge. Preisintensive Kulturen verstärkten den Saisoncharakter der Landwirtschaft und führten zu neuen Arbeitsspitzen. Mit den Zuckerfabriken und Schnapsbrennereien brach die Industrie unmittelbar in die Landwirtschaft ein, wurde damit die Sozial­struktur der Dörfer weiter verändert. Die Maschine setzte bisherige Ar­beitsgemeinschaften, die aufgrund alter, traditioneller Arbeitstechniken jahrhundertelang Bestand gehabt hatten, außer Kraft und förderte statt dessen die Bildung neuer, der kapitalistischen Entwicklung entsprechendere Kollektive. Nach den Agrarreformen gehörten die Großbauern zu denjenigen, die sich am schnellsten und konsequentesten einer kapitalistisch geprägten Le­bensweise zuwandten und mit alten Traditionen brachen oder sie — je nach Landschaft — umfunktionierten. Das ohnehin schon in Auflösung begriffene fa­miliäre Verhältnis zum Gesinde wurde durch einen Geldvertrag ersetzt und da­mit die Wohn- und Tischgemeinschaft endgültig aufgehoben. An Stelle der frü­heren Zusammenarbeit traten — auch gegenüber den übrigen Arbeitskräften — kapitalistische Ausbeutungsmethoden. Vielfach bezeichnete sich dieser Großbauer jetzt als Gutsbesitzer oder Ökonom. Städtisch-bürgerlicher Einfluß, der sich — landschaftlich freilich sehr differenziert — äußerlich mehr und mehr in der Übernahme von modischer Kleidung, im Nachahmen städtischer Hausfassaden, in Einrichtungen und Mobiliar, in Tisch- und Eßgewohnheiten etc., aber auch in gewandelten, die Wohlhabenheit unterstreichenden traditionellen Formen und Gewohnheiten manifestierte, führte zu zunehmender Separierung von den anderen sozialen Schichten des Dorfes. Man begann, nur unter seines­gleichen zu „verkehren". Überkommene Verhaltensweisen, Glaubensvorstellun­gen und bäuerlicher Standesdünkel vermischten sich mit den willig aufgenom­menen Einflüssen städtisch-bürgerlicher Normen zu konservativ-reaktionärer Einstellung in politischen und sozialen Fragen als geradezu kennzeichnend für diese Schicht während der ganzen Periode des Kapitalismus. Mittel- und Kleinbauern hingegen konnten nur bedingt an der Entwick­lung der Landwirtschaft teilhaben. Ihre Familien blieben voll in die Haus-, Hof­und Feldarbeit eingespannt. Die sporadisch auf den Dörfern eingerichteten Landwirtschaftsschulen konnten deshalb kaum genutzt werden, abgesehen davon, daß ihr Lehrprogramm mehr auf die Bedürfnisse der größeren Wirtschaften ausgerichtet war. Die Zahl der Analphabeten in diesen bäuer­lichen Schichten blieb hoch. Die Vermittlung der Arbeitserfahrungen erfolgte nach wie vor in erster Linie auf mündlichem Wege vom Vater auf den Sohn. Traditionelle Verhaltensweisen bestimmten auch in anderen Bereichen das lieben dieser bäuerlichen Schicht. Kultur und Lebensweise der Landarmut 5 — jener seit dem Spätfeudalis­5 Wir verweisen hier auf die für diese Frage wichtige Studie von JAN PETERS Ostelbische Landarmut — Sozialökonomisches über landarme und landlose Agrar­produzenten im Spätfeudalismus. Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1967. Tl. III. 255—302.

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