Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Selmeczi-Kovács, Attila: Handgeräte für das Garbenbinden und die Einbringung des Getreides in Ungarn
HANDGERÄTE FÜR DAS GARBENBINDEN UND DIE EINBRINGUNG DES GETREIDES IN UNGARN ATTILA SELMECZI-KOVÄCS (Budapest, Hungary) In Ungarn haben in den vergangenen Jahrhunderten zwei voneinander geographisch sich absondernde landwirtschaftliche Systeme geherrscht. Die traditionelle Wirtschaftsweise wurde im mittleren Flachland Ungarns: im Alföld (Große Ungarische Tiefebene und jenseits der Theiß) von den nach Südeuropa weisenden Eigenschaften charakterisiert, hingegen zeigte sie in Transdanubien (Westungarn) und im nördlichen Bergland nach Westeuropa hin. 1 Den zweierlei Wirtschaftsmethoden entsprechend, zeigte sich auch im Gebrauch der für Ernte und Einbringung benutzten Handgeräte sowie in ihren historischen Beziehungen ein bedeutender Unterschied. Während im Alföld vom 16*. Jahrhundert an das Getreide bereits mit der Sense gemäht wurde, hat man in der Hügellandschaft Transdanubiens und im nördlichen Bergland bei der Ernte lediglich die Sichel gebraucht. 2 Der Gerätewechsel, der Ubergang von der Sichel zur Sense begann erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts. 3 *Die für das Karpatenbecken charakteristischen zwei großen Wirtschaftszonen hat als erster I. GYÖRFFY abgegrenzt. GYÖRFFY, I. Takarás és nyomtatás az Alföldön (Das Einsammeln und Treten in der Ung. Tiefebene). Néprajzi Értesítő 20: 1928. 3—4. — In diesem Zusammenhang siehe noch: TÁLASI, I. A termelés és a nyelv kapcsolata aratóműveleteinkben (Die Beziehung von Produktion und Sprache In den Arbeitsgängen der Ernte in Ungarn). Ethnographia 68: 1957. 217—218.; HOFFMANN, T. A gabonaneműek nyomtatása a magyar parasztok gazdálkodásában (Da? Austreten der Getreidesorten in der Wirtschaft des ungarischen Bauern). Budapest 1963. 342. 2 Vgl. TALASI, I. op. cit. 219. — Er legt vier Erntetypen fest, die sich 1. auf zwei reine und 2. auf zwei gemischte Typen verteilen: 1. Schneiden des Getreides mit der Sichel. Mähen des Getreides mit der Sense ohne Garbenbinden; 2. Ausschwaden des Getreides mit der Sense und Garbenbinden, Anhauen mit der Sense und Garbenbinden. — Die geographische und chi-onologische Verteilung der Erntetypen: im Alföld war das Mähen des Getreides mit der Sense ohne Garbenbinden und das Ausschwaden mit der Sense mit Garbenbinden charakteristisch; in der Hügellandschaft und in den Berggegenden folgte dem Schneiden des Getreides mit der Sichel das Anhauen mit der Sense und Garbenbinden. — BALOGH, I . A gabona betakarítása a XVI—XVII. században (Die Getreideernte im 16.—17. Jahrhundert). Ethnographia 68: 1957. 270—291. 3 Auf dem Bergland ging der Gerätewechsel von dem Schneiden des Getreides mit der Sichel auf das Mähen mit Sense später und langsamer vor sich, größtenteils zur Jahrhundertwende, bis zu den 1920er Jahren. Vgl.: VARGA, GY. A parasztság munkaeszközei (Die Arbeitsgeräte der Bauern Wirtschaft). In: Á parasztság Magyarországon a kapitalizmus korában (Das Bauerntum in Ungarn zur Zeit des Kapitalismus). Budapest 1965. I. 318. — In Westeuropa begann in ähnlicher Weise die allgemein angewandte Getreideernte mit der Sichel im 19. Jh. in den Hintergrund zu geraten. HABERLANDT, A. Die volkstümliche Kultur Europas in ihrer geschichtlichen Entwicklung. In: Illustrierte Völkerkunde, 2. Europa. Stuttgart 1926. I. 352.