Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Kramarik, Jaroslav: Die geographische Verbreitung der Arl in Böhmen und Mähren und ihre kulturhistorische Bedeutung

nach kann angenommen werden, daß es zu einer bedeutenden Entwicklung des Pflügens besonders in Mittel- und Nordböhmen kam, während in Südböh­men diese Entwicklung langsamer war; die Arl mit Sohle erfüllte viele Funk­tionen des Pfluges und war ein universales Ackergerät. Die Entwicklung der Pflugwirtschaft in Mittel- und Nordböhmen und der Wirtschaftsstand des Hopfenanbaus, später des Kartoffelbaus erforderten sichtlich weitere speziali­sierte symmetrische Geräte, welche nach Gebrauch und Möglichkeit vervoll­kommnet wurden. Die Gebietsgliederung der Arl mit und ohne Sohle hängt zweifellos in vielem, besonders in Böhmen, mit der wirtschaftlichen und kulturellen Zwei­gliederung des Landes, wenn auch in großen Zügen, zusammen. Die Wirtschafts­situation in Südböhmen zeichnete sich gegenüber Mittel- und Nordböhmen schon jahrhundertelang durch ein gewisses Verspäten und eine Abgeschlossen­heit aus, während Mittel- und Nordböhmen in regen Wirtschaftsbeziehungen mit dem benachbarten Schlesien und Sachsen standen, deren wirtschaftliche Entwicklung viel fortschrittlicher als die Österreichs und Bayerns war. Im Norden gibt es auch viel bessere Böden und klimatische Bedingungen bis auf die Randgebirge, wie es auch aus den Quellen klar ersichtlich ist. An einigen Orten Nord- und Mittelböhmens kommt es in der Geschichte bald zum Uber­gang zu Monokulturen, besonders zum Hopfenanbau, was einen Eingriff in das ganze System der Bodenbestellung bedeutet; in manchen Gebieten des Nordens kann schon im 16. Jahrhundert eine gewisse Abwendung von der Dreifelder­wirtschaft beobachtet werden, während die Wirtschaft der Untertanen in Süd­böhmen auf einem verhältnismäßig niedrigem Niveau bleibt. Sehr bedeutungsvoll war im Norden der Elbehandel und der ständige Aus­tausch von Kulturgütern in allen Lebensgebieten. Für das Ackergerät war das Versuchswesen von großer Bedeutung, welches in Sachsen vor sich ging und dessen Ergebnisse sich auch in das benachbarte böhmische Gebiet verbreiteten. Diese Bewegung hatte gewiß auch für die Entwicklung der Ackergeräte im Norden eine große Bedeutung. Während wir im Süden eine verhältnismäßige Stagnation beobachten können, was sowohl die Konstruktion und die Termino­logie als auch die feste Grenze des Gebietes des 'nákolnesík' und der böh­mischen Arl betrifft, welche sich auch in der Neuzeit nicht sehr ändert, wan­delt sich, wie aus historischen Angaben ersichtlich ist, die Situation oft im Norden, zum Beispiel im 18., aber besonders im 19. Jahrhundert, wobei einige Neuigkeiten, wie beim Perzhaken, weit nach dem Süden vordrangen. Mittel- und Nordböhmen sind Gebiete, wo sich das Pferd in der Land­wirtschaft schon von Mittelalter an in weitem Ausmaß geltend machte und wo es bald zur Ablösung der alten Doppeljochanspannung durch die Anschirrung eines Zugtieres kam, also zu einer neuzeitigen Form mit Strang und Ortscheit. Es ist bemerkenswert, daß wir aus diesen Gebieten gar keine historischen An­gaben über das Doppelj och haben, das hier zweifellos auf dem Widerristprin­zip beruhte. Spätere Nachrichten sprechen schon vom Kummet und verschiede­nen Anschirrungsgeräten des Widerristyps für ein Stück Vieh. Dagegen blieb in West- und Südböhmen und Südmähren viel länger des Einspannen ins Joch, und zwar ins Hornjoch erhalten, das die deutschen Kolonisten hierher brachten und das von der benachbarten tschechischen Einwohnerschaft übernommen wurde. Schon im 16. Jahrhundert zeigt sich diese regionale Differenzierung in den historischen Quellen ziemlich deutlich. Die Gebiete der einzelnen Arle hängen aber wieder in weitem Sinne mit

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