Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Karaman, Igor: Die Hauptmerkmale der landwirtschaftlichen Verhältnisse in Slavonien-Syrmien vom 18. bis 20. Jahrhundert

men realisiert; aber die langwährende allgemeine Agrarkrise (die bald auch diese Gegend traf) und die Konkurrenz der entwickelteren ungarischen Mehl­produktion stoppten solche positive Tendenzen. Dies war um so mehr ver­ständlich, da die meisten slavonischen Grundherren über geräumige Wald­komplexe verfügten. Diese sicherten mit ihrem Reichtum an Eichenholz eine solide Basis für die große Holzverarbeitungsindustrie (besonders Faßdauben­produktion) und den Waldeigentümern Profite, die hoch über die Erträge ihrer Agrarökonomie stiegen. 12 Die Holzindustrie erwies sich in Slavonien-Syrmien in den letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts als der weit entwickeltestere Zweig der Verarbeitungswirtschaft und verblieb es auch weiter, was bei den dortigen Großgrundbesitzern zu einem ungenügenden Interesse für die land­wirtschaftliche Tätigkeit führte. 13 Bei der slavonischen Bauernschaft stellte auch nach der Abschaffung des Feudalsystems die Hauskommune das Haupthindernis einer schnelleren Um­wandlung der traditionellen Agrarwirtschaft dar. Obwohl der Kapitalismus das slavonische Dorf immer mehr in neue sozial-ökonomische Verhältnisse ein­bezog, konnte sich doch die Auflösung der Hauskommunen erst sehr lang­sam durchsetzen, und zwar unter ungünstigen Bedingungen. Teilweise war daran auch die Gesetzgebung schuld, die lange Zeit hindurch zwischen der weiteren Erhaltung dieser Institution und ihrer radikalen Aufhebung schwankte. So war die Bedeutung der Hauskommunen für die Dorfbevölkerung in Sla­vonien bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ziemlich groß. Noch im Jahre 1890 lebten z. B. im Komitat (Gespanschaft) Syrmien 31 v. H. der Einwohner in solchen Gemeinschaften, im Komitat Virovitica waren es 20 v. H. und im Komitat Pozega sogar fast die Hälfte (48 v. H.). 14 Die allmähliche Umwandlung dieser patriarchalischen Genossenschaften in individuelle Bauernhöfe trug aber auch die Zersplitterung ihres Boden­reichs mit sich. So wurden z. B. in Slavonien in der Zeit zwischen 1890 und 1910 ca. 3600 bisher „im Geheimen" (bzw. illegal) aufgelöste Hauskommunen rechtmäßig geregelt und davon entstanden ca. 9000 neue Einheiten; das be­deutete, daß sich auf ihrem Gebiet (von etwa 55 000 Joch) die durchschnitt­liche Grüße eines bäuerlichen Besitzes von 15 auf nur 6 Joch verminderte. Dies erschwerte die Konsolidation der neuen Wirtschaften sehr. 15 Der kleinere bäuerliche Besitz war auf unserem Gebiet überhaupt der überwiegende Typ der agrarwirtschaftlichen Einheiten. Laut der landwirtschaft­lichen Konskription aus dem Jahre 1895 fiel in Slavonien-Syrmien 86 v. H. '-'KARAMAN, I. Zbornik Historijskog Instituta Slavonije 4: 1966. 329—334; KA­RAMAN, I. Valpovacko vlastelinstvo, op. cit. 86—88, 96—98. 13 In der Struktur der slavonischen Industrie machten noch im J. 1890 die Un­ternehmen der Holzverarbeitung 68 v. H. der Betriebe und 77 v. H. der Arbeiter aus; bis zum J. 1910 hat sich dieser Anteil vermindert, aber er umfaßte noch immer 50 v. H. der Betriebe und der industriellen Arbeiter in Slavonien. (KARAMAN, I. Zbornik Historijskog Instituta Slavonije 4: 1966. 328.) 14ZORICIC, M. Ziteljstvo kraljevina Hrvatske i Slavonije po zvanju i zani­manju (Die Bevölkerung in den Königreichen Kroatien und Slavonien nach Beruf und Beschäftigung). Rad JAZU 125: 1896. 130. ^KARAMAN, I. Zbornik Historijskog Instituta Slavonije 4: 1966. 356—366. — Laut der Evidenz aus dem J. 1889 gab es damals in Slavonien-Syrmien 5862 „im Geheimen" aufgelöste Hauskommunen; bis zum J. 1910 sind davon 3629 Gemeinschaften mit 54 956 Joch reguliert und 8994 neue Besitzeinheiten ent­standen.

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