Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Tloczek, Ignacy F.: Traditionelle Formen der ländlichen Bauten in Ostpolen

TRADITIONELLE FORMEN DER LÄNDLICHEN BAUTEN IN OSTPOLEN IGNACY F. TLOCZEK (Warszawa, Poland) Im folgenden möchte ich charakteristische Merkmale der historischen Siedlungs- und Bauformen einer der größten Volksgruppe von Ostpolen ans Licht bringen und klarlegen. Besiedlung des Landes. Das hier in Frage kommende Gebiet erstreckt sich heute in Nord-Ostpolen auf einer Fläche von ungefähr 13 000 km 2 und ist von rund 700 000 Personen bewohnt, unter denen ca. 70 v. H. auf dem Lande wohnen. Das Land ist zu 16 v. H. mit Wald bedeckt, das Ackerland erfaßt 40—50 v. H. der gesamten Nutzfläche. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts belief sich die bewaldete Fläche auf ca. 30 v. H. des Landes. In der Landwirtschaft do­miniert jetzt die Pflanzenzucht. Die Größe der landwirtschaftlichen Betriebe schwankt zwischen 6 und 10 ha. Der spontane Ansiedlungsprozeß hat im 14. Jahrhundert begonnen und dauerte nicht länger als 150 Jahre. Ursprünglich erstreckte sich hier zwischen Polen, Litauen und Ruthenien Ödland. In dieses Streitgebiet drangen allmählich einzelne Volksgruppen von Westen, Norden und Osten, um sich hier nieder­zulassen. Die polnische Volksgruppe hat sich als am meisten aktiv erwiesen. Der Druck des stark bevölkerten Nachbarlandes einerseits und die fried­liche Regelung der Streitfragen andererseits eröffneten neue und vorteilhafte Ansiedlungsmöglichkeiten. Die regelrechte Kolonisation hat ins neue Land originelle soziale Organisationsformen mit sich gebracht. Die Siedler wurden nicht mehr vereinzelt, sondern gemeinsam angeworben. Im benachbarten Masowien waren im Laufe der Innenkolonisation zahl­reiche Wellen von Kleinadelsgeschlechtern in eine vorher ausgewählte Gegend gerichtet. Ihre Gruppen, mittels Stammverwandtschaft, meistens auch durch gleiche Familiennamen verbunden, nahmen ihr armes Vermögen und ihre reiche materielle Kultur mit und haben in neuem Lande ein neues Siedlungs­netz ins Leben gerufen. Jeder Stammvater hat dem ihm zugeteilten Gelände als seinem Eigentum seinen eigenen Familiennamen verliehen. Hieß er z. B. Winnicki, gab er seinem Besitz den Ortsnamen Winna. Die einzelnen Stam­mesgruppen haben dann für ihre Grundstücke den Hauptortsnamen beibehal­ten und eigene Beinamen hinzugefügt, z. B. Winna-Wypychy, Winna-Trzaski, Winna-Wilki. Im Laufe der Zeit haben die Stammesangehörigen ihre Stamm-

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