Technikatörténeti szemle 4. (1967)
TANULMÁNYOK - Endrei Walter: A többszerszámos munkagép
DIE MEHRWERKZEUG-ARBEITSMASCHINE Der Verfasser weist auf eine technikhistorische Erscheinung hin, die heute als natürlich erscheint, so daß ihre Entstehung und die mit ihr verknüpften tiefgehenden Anschauungsänderungen den Forschern entgingen. Im Altertum und im frühen Mittelalter blieb die aus einer einzigen Energiequelle gespeiste Mehrwenkzeug-Arbeitsmaschine unbekannt. Ein Göpel oder Wasserrad trieb bloß ein Werkzeug an. Als charakteristisches Beispiel gilt das im 4. Jahrhundert gebaute Barbegaler Mühlenkombinat, das einen Wasserstandunterschied von 18,6 m durch 16 stufenweise angeordnete Wasserräder nutzbar machte. Der Gedanke, daß sich von einem Rad mehrere Mühlsteinpaare oder andere Arbeitselemente antreiben lassen, tauchte damals nicht einmal auf. Allem Anschein nach ist es dem Bestreben nach intensiver Ausnutzung der durch Nockenwelle übertragenen Energie zuzuschreiben, daß man die Bruch-, Stampf- und Hammermechanismen vom 11. Jahrhundert an mit mehreren Arbeitselementen versah. Die mittelalterlichen Walk-, Erz- und Papiermühlen, sowie die Eisenhämmer verwenden seit dem 14. oder 15. Jahrhundert 2 bis 8 Stampfen bzw. Hämmer. Die Entstehungsumstände dieses Maschinentyps gelten ebenfalls als ungeklärt, gerade wie jene der Maschinen, die zu Trägern revolutionärer Änderungen wurden. Die Maschinen mit Nockenwellenantrieb befreiten den Menschen von der schweren oder monotonen körperlichen Arbeit, obwohl sie bloß einer geringen Aufmerksamkeit und einer unbedeutenden Handfertigkeit bedurften. Die in der Textilindustrie eingeführten Vielwerkzeug-Arbeitsmaschinen kamen jedoch ohne eine Mechanisierung höheren Grades nicht aus. Ihr erstes Exemplar, das Seidenfilatorium des 13. Jahrhunderts, stellt eine vollkommen entwickelte Konstruktion dar. Dem mit großer Wassermenge angetriebenen Vielspindel-Zwirn- und -Spinnwerkzeug, dem sog. Filatorium zu Lucca folgten im 16. Jahrhundert die Vielschützen-Bandwebmaschine und die Vielnadel-Strickmaschine. Dies bedeutet keineswegs, daß im Zeitraum zwischen den beiden obigen Zeitpunkten dem Problem keine Aufmerksamkeit geschenk wurde: Leonardo da Vinci entwarf z. B. ein Spinnrad mit 4 Spindeln, eine Seilschlagmaschine mit 15 Spindeln, eine Schermaschine mit 4 Gewebebahnen und eine Fünfbahn-Rauhmasohine. Trotzdem, die auch auf anderen Gebieten vorherrschende Stagnation stimmt nachdenklich. Im 17. Jahrhundert setzt sich die Einführung von neuen Vielwerkzeugmaschinen (Spulmaschinen, Weifen) in der Textilindustrie fort und im 18. Jahrhundert verhelfen die Spinnmaschinen die industrielle Revolution zum Sieg. Trotz den verschiedensten Formen des gesellschaftlichen Widerstands (Verschwiegenheit, Zunftverbot) verbreiten sich Filatorium, Bandmühle und Strickmaschine stürmisch in ganz Europa. Hierbei darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß die Vielwerkzeug-Arbeitsmaschinen, die eine gewaltige Steigerung der Produktivität zur Folge hatten, in anderen Industriezweigen nur seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts nachzuweisen sind. Die skizzierte Entwicklung wirft eine Anzahl von Problemen auf. Womit läßt sich jene psychologische Hemmung erklären, welche die Gesellschaft daran hinderte, eine technisch naheliegende Konzeption zu erkennen? Nicht lediglich die späte Verwirklichung der Vielwerkzeugmaschine, sondern auch die fehlende Kenntnis des Rads in der Neuen Welt und die Unkenntnis des Fußantriebs im Mittelalter liegen gerade so im Dunkeln, wie zahlreiche ähnliche Erscheinungen. Es mutet gleichermaßen rätselhaft an, warum die Vielwerkzeug-Ausführung der Bruch-, Stamp- und Hammermühlen in eine Sackgasse mündete und weshalb sich nur in der Textilindustrie die technisch anspruchsvolleren Vielwerkzeugmaschinen vor der industriellen Revolution durchsetzten. Die Analyse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen muß darauf Licht werfen, weswegen nur wenige, verhältnismäßig isolierte, Luxusartikel erzeugende Fächer durch die technische Idee befruchtet wurden. Es springt besonders jener Umstand in die Augen, daß das Filatorium des 13. Jahrhunderts beträchtlich verwickelter war als die ersten Spinnmaschinen des 18. Jahrhunderts, die eine äußerst ähnliche Konstruktion hatten.