Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)

IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"

dieses Doppelpokals läuft in schwungvoll graviertes Rankenmuster mit Blät­tern herum, während auf dem Mundrand des anderen Stückes die Inschrift „CHRISTOPHORUS SCHEURL IURIS DOCTOR UXORI KATHERINE FUTRERIN DONAVIT 29 AUGUSTI 1519" zu lesen ist. Christoph Scheurl war eine bedeutende Persönlichkeit der Reformationszeit, Freund und getreuer Chronist von Dürer und Cranach, 36 Diplomat, zwischen 1507 und 1512 Profes­sor und Rektor der Universität zu Wittenberg, und gehörte dem Kreis von Luther und Melanchton an. Er heiratete 1519, und der Doppelpokal wurde für diese Gelegenheit hergestellt, wie aus seiner Autobiographie hervorgeht. Bezeichnet ist dieses Stück mit dem Merkzeichen des „Meisters mit Rosette" und dem ältesten Nürnberger Beschauzeichen, dem umgekehrte „N" 37 in sechseckigem Feld und nicht in einem runden, wie es Rosenberg irrtümlich angibt. 38 Rossacher, den Scheurl-Pokal rühmend, stellt fest, daß Ornament und Stil dieses hervorragenden Goldschmiedewerkes herkömmlicher Art sind, zählt aber die verwandten Stücke nicht auf. Doch konnten wir bezüglich des erwähnten gotischen Doppelpokals im Goslarer Rathaus autoptisch feststellen, wie sehr es in Details und in seiner Gesamtheit mit dem Scheurl-Pokal überein­stimmt (Abb. 12), und auch die Inschrift zeigt eine Jahreszahl, die - interessan­terweise — zufällig ebenfalls übereinstimmt. Die Verbindung in der Form zwischen den Willkomm-Becher aus Goslar und dem Pokal des Scheurl-Ehepaares ist auffallend; sie muß aber auch hinsichtlich des Matthias-Pokals auffallen. Die in zwei Reihen angebrachten Blasen auf dem Siebenpaßfuß, der schräg gewundene Stiel, die ebenfalls in zwei Reihen geordneten kleineren und größeren Blasen der Kuppe und die zwischen diesen erscheinenden schrägen Rippen, der gewirtelte Reif des Mundrandes, aber auch Proportionen und Aufbau der Stücke sind identisch. Eine Abwei­chung bedeuten die gerippten und schuppigen Blasen des aus der Esterházy­Sammlung stammenden Stückes, wie auch die abstehende, aus Blättern ausge­bildete Manschette, die zierreichere Details aufweisen, als die erwähnten zwei Analogien. Außerdem hat das in Budapest aufbewahrte Stück einen runden, nicht-gotischen Nodus, oberhalb welchem ein perliger Ringteil verläuft. Schließlich hat unser Stück einen Deckel, im Gegensatz zum Goslarer und zum Scheurl-Pokal, die beide aus zwei Stücken bestehende Doppelpokale sind. Während das umgekehrte „N" auf dem Budapester Stück in rundem Feld erscheint, erscheint es auf dem Scheurl-Pokal in sechseckigem Feld: zwei Varianten des ältesten, warscheinlich ab 1480 gebräuchlichten Beschauzeichens von Nürnberg. Der Goslarer Pokal ist unbeschaut. Den aufgezählten Differenzen zuwider weisen je ein Stück des Scheurl­Doppelpokals aus der Sammlung von William R. Hearst bzw. des Goslarer Ratssilbers und der Matthias-Pokal aus der Esterházy-Sammlung — in seiner von nachträglichen Zieraten befreiten Form — eine auffallend weit­gehende Verwandtschaft im Stil auf. Auf Grund dieser Feststellung darf man aussagen, daß der Budapester Matthias-Becher und der Goslarer Becher gleichwohl solche Kunstwerke sind, die man an das Atelier des Nürnberger „Meisters mit Rosette" binden kann. 36 Fenyő Iván : Dürer. Budapest, 1955. S. 12. 37 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3686. 38 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3687.

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