Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)
IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"
den mittelalterlichen Ursprung des Pokals mit einem Wappen nachzuweisen, das jedoch die heraldischen Eigenschaften ihres eigenen Zeitalters aufweist. Es ist daher gewiß, daß die neuen Details des Matthias-Bechers, die mit Kaltemail bemalten Pflanzenverzierungen und das Corvinus-Wappen zwischen dem 1645, nach dem Tode des Palatins aufgenommenen, und dem 1725 zusammengestellten Inventar hergestellt worden sind. Durch das Anbringen des wappenführenden Plaketts wurde zugleich die mündliche Überlieferung bekräftigt — oder wurde die schmeichelhafte Legende erst damals erfunden — daß der Buckelpokal aus dem einstigen Schatz des Königs Matthias Corvinus in den Besitz der Familie Esterházy gelangt war. Daß die im Wappenband erscheinende Jahreszahl 1465 apokrif ist, beweist übrigens auch der Anachronismus, daß das Beschauzeichen der Goldschmiedezunft der Stadt Nürnberg, das in Mund- und Deckelrand eingestanzt ist, nicht aus diesem Jahr stammen kann, steht doch das erste bekannte und älteste Nürnberger Beschauzeichen erst ab 1480 in Gebrauch 31 (Abb. 10). Somit müssen das näher bestimmte Alter und der Meister des Matthias-Bechers auch weiterhin als fraglich betrachtet werden: der mit verkehrtem ,,N" in rundem Feld beschaute Pokal konnte auf Grund der Stilmerkmale und der Analogien ebensogut im ausgehenden 15., als im angehenden 16. Jh. hergestellt worden sein. Auf Grund des nach 1645 entstandenen Wappens kann man nämlich nicht aussagen, daß das Beschauzeichen wohl nach 1480, jedoch vor 1490, d. h. im dem Tode des Matthias vorangehenden Jahrzehnt in den Pokal eingestanzt worden wäre. Obwohl es also auch weiterhin nicht ausgeschlossen ist, kann es auch nicht bewiesen werden, daß der Matthias-Becher tatsächlich ein Prunkstück der weltberühmten Schatzkammer des Corvinus war. * Zur genaueren Bestimmung der Entstehungsumstände des MatthiasBechers bringt die Untersuchung des Oeuvres des ersten, persönlich bekannten Nürnberger Goldschmiedes näher. Seinen Namen, die Daten seiner Lebensgeschichte und die Jahreszahlen, die sein Wirken umgrenzen, sind von der Kunstgeschichte bisher noch nicht aufgehellt. Wir kennen lediglich sein Merkzeichen: eine Rosette in der Form eines vierblättrigen Kleeblattes, 32 weshalb wir seine Person hiermit als ,,Meister mit Rosette" in die Fachliteratur einführen möchten. Wir möchten bemerken, daß dieses Merkzeichen das ersten bekannte Goldschmiedezeichen aus Nürnberg ist, mit dem er drei seiner Werke signiert hat. Das eine ist die Einfassung und der Deckel einer Kristallschale mit Undefiniertem Beschauzeichen 33 aus der Rothschild-Sammlung in Paris. Ein anderes Werk des Meisters mit Rosette ist ein gedrungener Buckelpokal aus der Goldschmidt-Sammlung in Frankfurt am Main, der mit jenem „N"Beschauzeichen der Stadt Nürnberg versehen ist, das laut Rosenberg von 1550 bis 1650 — eine ein bißchen unwahrscheinlich lange Zeitspanne — in Gebrauch stand. 34 Das dritte bekannte Werk seiner Hand ist ein vergoldeter Doppelpokal aus Silber 35 (Abb. 11). Um den Mundrand des einen Bechers 31 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3687. 32 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3802. 33 Rosenberg, a, a. O. Nr. 3802/c. Auf diesem Stück erscheint auch das Zeichen des Nürnberger Goldschmiedes Elias Lencker (wurde 1562 Meister, gestorben 1591), s. Rosenberg, a. a. O. Nr. 3951. Lenker hatte vielleicht lediglich die Einfassung des Kristallbechers verbessert. 34 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3802/b und Nr. 3758. 35 Rosenberg, a. a, O. Nr. 3802/a.