Tanulmányok Budapest Múltjából 28. (1999) – Urbanizáció a dualizmus korában: konferencia Budapest egyesítésének 125. évfordulója tiszteletére a Budapesti Történeti Múzeumban
A VÁROS KULTURÁLIS ÉLETE ÉS A POLGÁROK - Szvoboda Dománszky Gabriella: Az Esterházy Képtár a magyar fővárosban 219-259
sich eine moderne Weltstadt, in der sich das kulturelle Leben des Landes konzentrierte. Da königliche Sammlungen in Pest-Buda nicht existierten, mußte man im Interesse der kulturellen Entwicklung diesem Mangel abhelfen. Das Bestreben, die Esterházysche Bildergalerie aus Wien in die ungarische Hauptstadt zu überführen, ist in diesem Zusammenhang zu sehen, denn „...Kunsthallen und Museen gehören auch in den Hauptstädten zweiter Ordnung zum Notwendigen." Jedoch erfolgte der Umzug der Galerie aus der Kaiserstadt nach Pest-Buda und ihre Eingliederung in die Institutionen eines erstarkenden künstlerischen Lebens nicht ohne Hindernisse. Der zielbewußten Herausbildung einer an europäischen Mustern orientierten öffentlichen Kunstsammlung in der ungarischen Hauptstadt standen nicht nur wirtschaftliche, politische und juristische Schwierigkeiten im Wege, sondern nicht weniger die romantische Sehnsucht nach einer selbständigen nationalen Kunst. Eine Sammlung europäischer Kunst konnte allenfalls als ein Werkzeug bei der Verwirklichung dieses Vorhabens dienen und deshalb nur in zweiter Linie in Frage kommen. Bei dem Kampf um die Esterházysche Gemäldegalerie spielte deshalb die Rivalität mit Wien eine wichtige Rolle; aus rein ästhetischen Gesichtspunkten heraus wäre den Befürwortern der Übersiedlung der Sammlung Esterházy nach Ungarn eine andere Kunst vielleicht bedeutender erschienen. Damit stellt sich die Frage: Welche Funktion sollte eine solche Sammlung eigentlich erfüllen? Lange Zeit sah man tatsächlich in ihr vorrangig ein Mittel für den Kunstunterricht und die Schulung des Geschmacks des öffentlichen Publikums mit dem Ziel, schließlich eine eigene nationale Schule der Kunst zu begründen. Allgemein war man der Ansicht, die Bilder der europäischen Schulen könnten lediglich als „belehrend und geschmacksbildend betrachtet und geehrt werden." Erst später trat die Idee der noch immer wirksamen Aufklärung in den Vordergrund, wonach der „Kunstgenuß" das edelste Rauschmittel sei, das, wie die Religion, dazu angetan sei, bessernd und veredelnd auf die Menschen zu wirken und dadurch dem Aufschwung der Gesellschaft im ganzen diene. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannte die ungarische Intelligenz, die von der Vorstellung, eine Rückständigkeit ausgleichen zu müssen, geleitet war, daß die Gemäldegalerie auch ein hervorragendes Mittel der nationalen Repräsentation und ein Beweis für die Entwicklung, den Reichtum und die Bildung des Landes war. Erstmals bei Franz Kazinczy finden wir im Jahre 1812 die Einschätzung, bei der Esterházyschen Gemäldegalerie handele es sich um einen Teil des ungarischen Patrimoniums (zur gleichen Zeit erschien der „Laxenburger" Katalog der Sammlung). Für Kazinczy ging es dabei allerdings nicht um die Frage, wo die Sammlung aufbewahrt wurde; es mag für ihn selbstverständlich gewesen sein, daß der Besitzer sie - ihrem Rang gemäß - im Zentrum des Reiches etabliert hatte. Aber diese Sicht der Dinge war nicht mehr zeitgemäß. Die ungarische Presse bedauerte wiederholt, wenn sie über die Galerie berichtete, daß sie nicht in Pest zu Hause sei. Der ausdrückliche Wunsch, sie dorthin zu überführen, wurde erstmals auf dem Landtag 1832-1836 laut, als sich die Ständeversammlung mit der Kultur Ungarns beschäftigte. Im September 1836 machte das Komitat Zala Fürst Paul den Vorschlag, „seine Bildergalerie nach Pest zu transportieren, und sie unter Wahrung der Familienrechte mit dem Nationalmuseum zu vereinigen." Der Fürst lehnte dies ab. Dem weitblickenden Direktor des Nationalmuseums, August Kubinyi, ging es darum, in seinem Haus eine möglichst komplexe, vielschichtige Sammlung zu haben. Deshalb versuchte er, eine europäische Sammlung aufzubauen. 1844 wandte er sich mit der Erlaubnis des Palatins an Fürst Paul mit der Bitte, für diesen Zweck den größten Teil der Esterházyschen Sammlung zur Verfügung zu stellen. Aber Fürst Paul lehnte diese Bitte erneut ab. Trotzdem wurde durch die bereits existierende, wenn auch sehr bescheidene Galerie dieser Anspruch wachgehalten, der sich in der Folge immer entschiedener formulierte. 1846 gab die feierliche Eröffnung der Sammlung Pyrker erneut Gelegenheit dazu: „Diese Sammlung kann nur der Kern einer schöneren und größeren, der Heimat in jeder Hinsicht würdigen Sammlung sein. Aber ist es denn wirklich unstatthaft, mit einem leisen Seufzer die mehrmals erfolglos wiederholte, brennende Sehnsucht wenigstens zum Ausdruck zu bringen: möchte doch die prächtige Esterházysche Gemäldegalerie ins Herz des ungarischen Vaterlandes, das der hochfürstlichen Familie die Mittel gab, so große Kunstwerke zu sammlen, einkehren dürfen!" Der Zeitungsartikel wußte auch zu vermelden, daß die Advokaten in Pest nichts lieber täten, als bei der Beseitigung der einem Umzug im Wege stehenden juristischen Probleme behilflich zu sein. Dennoch dauerte es bis die 60er Jahre des Jahrhunderts, bevor es gelang, die Frage der Esterházyschen Gemäldegalerie erneul ins öffentliche Bewußtsein zu heben. Interessanter Weise waren es zwei zur selben Zeit in Angriff genommene Projekte, die sich vereinten, und dadurch gemeinsam dazu beitrugen, daß die Sammlung endlich nach Pest überführt werden konnte. Einmal begann man zu dieser Zeit mit dem Bau eines neuen Akademiegebäudes; gleichzeitig entwickelte August Kubinyi die Idee einer grandiosen historischen Ausstellung im Nationalmuseum. Im Zusammenhang mit diesem Projekt, das schließlich doch nicht verwirklicht werden konnte, tauchte erstmals die Idee einer repräsentativen Ausstellung der Esterházy-Sammlungen in Ungarn auf. Am 25. Februar 1 861 wurde von der Akademie offiziell mitgeteilt, daß die berühmte Esterházysche Gemäldegalerie, bisher eine Sehenswürdigkeit in Wien, von der Familie Esterházy der Galerie im Gebäude der Akademie als langfristige Leihgabe zur Verfügung gestellt werden würde. Emil Dessewffy, der Präsident der Akademie, stellte in einem Brief an Fürst Paul fest, auch wenn er diese Dauerleihgabe nicht zur Verfügung gestellt hätte, hätte eine Galerie aufgebaut werden müssen; es wäre dies aber nur mit riesigen Opfern verbunden oder gar nicht möglich gewesen. Dem Fürst wurde vielfach gedankt, wobei man zugleich die hohen Erwartungen an die Wirkung, die von der Sammlung ausgehen würde, zum 258