Tanulmányok Budapest Múltjából 28. (1999) – Urbanizáció a dualizmus korában: konferencia Budapest egyesítésének 125. évfordulója tiszteletére a Budapesti Történeti Múzeumban
A VÁROSI ÁTALAKULÁS KÉRDÉSEI ÉS SZÍNTEREI - Sármány Parsons Ilona: Die Rahmenbedingungen für die 'Moderne' in den ungarischen Provizstädten um die Jahrhundertwende = A modernizáció kezdetei a vidéki városokban a századforduló Magyarországán 131-151
rantrieb: man suchte eine Möglichkeit, neben Budapest eine zweite Region des kulturellen Aufbruchs zu schaffen. Die Städte waren ethnisch stark gemischt. In dieser Hinsicht waren sie von dem vierten, auch in der Nähe liegenden allen regionalen Zentrum, Debrecen, wesentlich verschieden. In Debrecen herrschte um die Jahrhundertwende eine ziemlich homogene, versteinerte calvinistische Kultur, die schwerfällig-konservativ und äußerst engstirnig erschien. Debrecen, das „calvinistische Rom", hat - trotz seines Jahrhunderte alten Kollegiums und seiner Schulen - keine eigenständige regionale Blüte der Kultur vermittels Öffnung gegenüber dem Modernismus zu Wege gebracht. 63 Dagegen versuchten Temesvár, Arad und Nagyvárad offen, modern und zeitgemäß zu sein. Sie waren alle relativ junge Städte. Trotz ihrer mittelalterlichen Wurzeln hatten sie nach der Türkenzeit ihr städtisches Wesen völlig neu aufbauen, sich eigentlich neu gründen müssen. Von diesen drei wichtigen Handels- und Industriestädten hatte Temesvár, das Wirtschaftszentrum Südungarns, des Banats, nicht nur die höchste Einwohnerzahl (1910: 72 555); diese Stadt erzielte schon im Jahrzehnt des Neoabsolutismus einen Vörsprung in der Urbanisierung. 64 Die erste Bahnlinie auf dem Balkan führte durch diese Stadt (zwischen Szeged und Temesvár wurde die Bahnlinie in November 1857 eröffnet, zwischen Temesvár und Bázias im Juli 1858), 65 die als wichtigste südliche Garnisonstadt mit einem überwiegend deutschen Bürgertum auch ein regionales Verwaltungszentrum bildete. Daneben lagen hier gleich zwei Bischofssitze, ein katholischer und ein serbisch-othodoxer. Die Stadt war ethnisch sehr gemischt, neben Deutschen und Ungarn lebten hier auch viele Serben und Rumänen. Wegen seiner Funktion als Bahnknotenpunkt verfügte Temesvár schon in den 60er Jahren über einen sehr großen Einzugsbereich, und durch die in der Nähe liegenden Eisenbergwerke (Oravica) wurde die Stadt zum wichtigsten Industriezentrum bzw. zur bedeutendsten Fabrikstadt Südungams. 66 Temesvár war seit dem 18. Jahrhundert eine mehrheitlich deutsche Stadt gewesen, eine Festungsstadt und ein Verwaltungszentrum. In der Zeit des Dualismus wurde sie sehr schnell - und scheinbar ohne erschütternde Krisen - assimiliert, das heißt magyarisiert. 67 Die Stadt erlebte einen erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Der kluge Bürgermeister Dr. Károly Telbisz, der seiner Stadt von 1885 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges vorstand, konnte mit weitblickender Politik alle möglichen Verbündete von den Komitaten bis zu den Zentralbehörden gewinnen und zahlreiche Vorteile für seine Stadt aushandeln. 68 Temesvár hatte, vom statistischen Gesichtspunkt betrachtet, die größte Zahl von Vereinen, 1908 waren es insgesamt 132. 69 Die Stadt hatte sieben Tageszeitungen und siebzehn Druckereien und war eine der wichtigsten Schulstädte, mit zu einer modernen Industriestadt gehörenden Fach- und Spezialschulen, sowie auch Gewerbeschulen. 1912 wurde hier die zweite technische Universität Ungarns gegründet. Temesvár besaß auch ein Museum und einige wissenschaftliche Vereinigungen. Wie in den meisten Städten mit hohem deutschen bzw. deutschsprachigen Bevölkerungsanteil war das Musikleben auch hier hochentwickelt, und es gab eine Reihe von Gesangsvereinen. Temesvárs Kulturstruktur, seine Atmosphäre ebenso wie seine ausgewogen vollzogene Umwandlung von einer Handelsstadt in eine Industriestadt waren Győr ähnlich. Auch was das Kulturleben selbst betrifft, gibt es Parallelen. Optimistische Reformgesinnung und ein noch intakter Glaube an die Kraft der Bildung haben bei den geistig führenden Schichten der Stadt ein lebendiges Interesse an Kunst und Wissenschaft hervorgerufen. Ihnen schien es möglich, mit Hilfe der Kultur auch drohende soziale Spannungen zu mildern und langsam, aber sicher ein humanes Leben für alle Bewohner der Stadt aufbauen zu können. Diese Gesinnung brachte in Temesvár eine hochstehende Stadtkultur zum Erblühen, rege Konzertaktivität, Kunstausteilungen und Konferenzen wurden ins Leben gerufen 70 . Die Bildungsbürger konnten für die Modernisierung gewonnen werden, gegen einen künstlerischen Radikalismus wurden sie gleichzeitig immun. 71 Deshalb wurde nicht Temesvár die wichtigste Provinzstadt im Hinblick auf moderne ungarische Dichtung und Kunst, sondern Nagyvárad. 72 Wahrscheinlich war es Zufall, daß der größte ungarische Dichter derModerne, Endre Ady, bevor 143