Tanulmányok Budapest Múltjából 22. (1988)
KÖZLEMÉNYEK – MITTEILUNGEN - Tardy Lajos: Dunai hajóút a török kiűzése után, 1698 = Eine Donaureise in 1698, nach Vertreibung der Türken 473-481
LAJOS TARDY EINE DONAUREISE IN 1698, NACH VERTREIBUNG DER TÜRKEN Die Donau verlor ihren Charakter als internationale Wasserstraße auch zu jener Zeit nicht völlig, als sie in einer Entfernung von wenigen Meilen unterhalb Wiens bis zum Schwarzen Meer die Ufer der vom Osmanischen Reich besetzten Länder bespülte. Diplomaten und Kaufleute benützten zwischen Wien und Belgrad fast ausschließlich die Donauschiffahrt, wenn sie zwecks Erfüllung ihres Auftrags oder zur Abwicklung ihrer Handelsgeschäfte nach Konstantinopel reisten und eine lange Reihe von Itinerarien, die der Nachwelt erhalten blieben, berichten über die Einzelheiten dieser an Schwierigkeiten so reichen Schiffreisen. Der im Jahre 1672 in Roznetin (mit früherem Namen Lichtenstadt) in Böhmen geborene Johann Caspar Anton Hammerschmid ist vermutlich der erste Reisebeschreiber der nach der Belagerung Wiens im Jahre 1683, beziehungsweise nach der Befreiung von Buda (Ofen) im Jahre 1686 den ganzen ungarischen Donauabschnitt bereist hat. Sein objektiver, ja geradezu ein wenig kränkend gleichmütiger Bericht widerspiegelt getreu jene jämmerliche Lage, die er in diesen Gegenden nach Liquidierung der 150 jährigen Türkenherrschaft erfahren mußte. Verfallene Burgen, niedergebrannte Ortschaften umgeben die einst blühende Uferlandschaft des großen Stromes, und der Reisende findet nur dort frischere Farbflecke, wo die Uferlandschaft durch Zufall von der Stationierung der alles zerstörenden osmanischen Heere und auch vom unmittelbaren Kriegsgeschehen verschont blieb. Aus der Beschreibung Hammerschmids — deren Original in der Bibliothek des Chorherrenstiftes zu Klosterneuburg unter Nr. Ms 1103 (ff 1—107) — verwahrt wird — geht hervor, daß nach der 150jährigen Türkenherrschaft die Wiederherstellungsarbeiten entlang des damaligen ungarischen Donauabschnittes bis zur Jahrhundertwende nicht oder kaum begonnen haben, die Bevölkerung des verwüsteten Landes warteten unter schlechten Sicherheitsverhältnissen, in Gleichgültigkeit versunken darauf, daß sich die Zeiten zum Besseren wenden. Im Kreise der ungarischen Bevölkerung ist der Anblick von Wohlstand und Zufriedenheit eine Ausnahme, der aligemeine Eindruck ist vom Mangel an Ackerbau, Gewerbe und Handel, von der großen und allgemeinen Armut gekennzeichnet, wovon allein die serbischen Gemeinschaften eine. Ausnahme bilden, die auch unter der Türkenherrschaft in annehmbaren Verhältnissen lebten. 481