Tanulmányok Budapest Múltjából 17. (1966)

Der Tétényer „Tumult" im Jahre 1766

DOMOKOS KOSÄRY DER TÉTÉNYER „TUMULT" IM JAHRE 1766 Nagytétény, heute zu Budapest eingemeindet, war im XVIII. Jahrhundert noch ein kleines Dorf in der Nähe der Stadt Buda (Ofen). Im Frühjahr 1766 brach unter den dortigen Leibeigenen ein Aufruhr gegen die Herrschaft Rudnyánszky aus. Sie verweigerten den Dienst an ihren Grundherrn und befreiten ihren Anführer mit Gewalt aus dem Gefängis. Die Abhandlung rekonstruiert die Gründe, den Ablauf, die Folgen und die Zusammenhänge dieser Bewegung auf Grund des im Pester Komitatsarchiv erhaltenen Quellenmaterials. (Protokolle, Urbarialschriften, Instanzen, Konskriptionen, usw.) Der Fall an sich hatte keine grosse Bedeutung, doch führt seine Analyse auch zu Lehren von allgemeinem Interesse. Erstens, weil sich dieser „Tumult" in die Kette der Bauernbewegungen eingliedert, die seit 1765 in Westungarn gegen die feudalen Grossgrundbesitzer, des näheren gegen die wachsen­den Robotlasten der Gutsherrschaft richteten, begleitet von dem Bemühungen des Wiener Hofes, die Urbarialverhältnisse von Staats wegen zu regeln. Zweitens, weil aus den Belegen hervorgeht, wie der städtische Markt (hier der von Pest und Buda) die Warenproduktion (hier z. B. die Weinproduktion der Tétényer Leibeigenen) anspornt und das Verhältnis zwischen Grundherrn und Leibeigenen zuspitzt. Drittens wirft das Untersuchungsverfahren gegen die Aufruhrer ein bezeichnendes Licht auf das Verhalten der ungarischen feudalen Herrscherklasse, des adeligen Komitats und, von der anderen Seite, auf das Verhalten des Wiener Hofes in einem gegebenen, konkreten Fall. Das Komitat stellte sich unverhohlen auf die Seite des Grundherrn: es hielt eine einseitig eingestellte Untersuchung ab und fällte schwere Urteile. Maria Theresia setzte die Strafen stark herab und bedrohte den Grundherrn mit der Fiskalaktion. Denn der Hof suchte die auffälligsten, unhaltbar gewordenen Aus­wüchse des Feudalismus auf staatlichem Wege auszumerzen, um das Wesen des bestehen­den gesellschaftlichen und politischen Systems zu retten. 131

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