Tanulmányok Budapest Múltjából 17. (1966)

Die Entwicklung des Pester Handwerks im XVIII. Jahrhundert und die Reform des Zunftwesens

ISTVÁN NAGY DIE ENTWICKLUNG DES PESTER HANDWERKS IM XVIII. JAHRHUNDERT UND DIE REFORM DES ZUNFTWESENS Die Abhandlung untersucht die Entwicklung des Pester Handwerks im XVIII. Jahr­hundert (genauer gesagt von 1690 bis 1780) von zwei Seiten. Auf Grund der vorhandenen Steuer- und Bevölkerungskonskriptionen sowie der Listen der Handwerker sucht sie zu­nächst die Entwicklungsverhältnisse des Pester Handwerks, die Zahl der handwerklichen Berufe, die Zahl der in den einzelnen Fächern betätigten Leute, den Charakter der Gewerbe zu ermitteln. Von der anderen Seite behandelt die Studie die Neubildung des Pester Zunft­wesens nach der Türkenherrschaft, seine Eigenheiten und anschliessend die Politik der absoluten Monarchie hinsichtlich der Reform und Kontrolle der Zünfte. Im ersten Abschnitt stellt die Abhandlung auf Grund statistischer Daten test, dass das Handwerk in Pest bis zur Mitte des XVIII. Jahrhunderts nicht die höhere Entwicklungsstufe erreichte, von der aus sich ein kapitalistisches Gewerbe hätte ausbilden können. Von den 65 Handwerksberufen, die um die Mitte des Jahrhunderts in Pest bestanden, versahen die höherentwickelten, zahlreicher belegten Berufe grösstenteils die Verpflegung, beziehungs­weise den unmittelbaren Tagesbedarf der Bevölkerung und produzierten meist nur für den örtlichen Markt und für die nächste Umgebung. Die Berufe, die für entferntere Märkte und fallweise für die Ausfuhr produzieren, waren ganz schwach entwickelt und konnten nicht einmal die Ansprüche des örtlichen Marktes befriedigen. Das langsame Tempo der Entwicklung hängt natürlich mit dem drückenden Erbe der Türkenzeit, mit der Verwüstung und der wirtschaftlichen Rückständigkeit der mittleren Teile Ungarns zusammen. Nicht wenig wurde aber die Entwicklung auch durch das nach der Türkenherrschaft neugebildete Pester Zunftwesen gehemmt, das mit seiner Geschlos­senheit, seinem Kastengeist, mit der monopolistischen Enteignung der gewerblichen Berufe mit der Meister- und Gesellensperre, der beibehaltenen Einteilung in Haupt- und Filial­zünfte, alle Merkmale des überlebten Zunftwesens aufwies. Diese Kennzeichen gehen klar aus der Analyse der seinerzeitigen Zunftprivilegien und städtischen Verfügungen hervor. Die ersten Schritte gegen die monopolistischen Zunftprivilegien unternahmen die ständischen Landtage. Von 1724 an wurde es dem königlich ungarischen Statthaltereirat, der die Verwaltung des Landes lenkte, zur Aufgabe gestellt, die Missbräuche der Zünfte abzuschaffen, das Zunftwesen zu reformieren und die Entwicklung des Zunftwesens von den Hemmnissen der „Handwerksmissbräuche" zu befreien. Die Abhandlung geht auf alle Einzelheiten der Zunfpolitik des Statthaltereirats ein. Der Statthaltereirat suchte die Hand­werksmissbräuche dadurch zu beseitigen, dass er die alten Zunftprivilegien einzog, die dem Beibehalten der Ungereimtheiten, der monopolistischen Bestrebungen dienten, und sie ge­gen neue Zunftbriefe vertauschte, die der merkantilistischen Gewerbepolitik des Staates entsprachen. Der Austausch der Zunftprivilegien nahm nach 1760 grossen Umfang an. Die neuen Zunftprivilegien setzten u. a. die Kosten der Gesellenaufnahme, der Meisterauf­nahme, des Meistermahls herab, regelten die Meisterprüfung, verboten die Beschränkung der Zahl der Zunftmitglieder, schafften die Haupt- und Filialzünfte ab. Ein Kennzeichen der staatlichen Zunftpolitik war es auch, dass sie die Handwerker allgemein zum Erwerb von Zunftrechten zwang und in Zünfte zusammenschloss. Der zweite Weg zur Beseitigung der Handwerksmissbräuche war der, dass der Statthal­tereirat die von den Zünften und vom Stadtmagistrat abgewiesenen Aufnahmsgesuche revi­dierte und bei der Mehrzahl der Abgewiesenen ihre Aufnahme als Meister in die Zünfte verordnete. Der Statthaltereirat verfolgte in dieser Hinsicht eine sehr entschiedene Politik um die Zahl der Handwerker zu erhöhen. 108

Next

/
Thumbnails
Contents