Tanulmányok Budapest Múltjából 16. (1964)

Kumorovitz L. Bernát: A zselicjakabi alapítólevél 1061-ből : "Pest" legkorábbi említése = Die Stiftungsurkunde von Zselicjakab aus dem Jahre 1061 : die früheste erwähnung von "Pest" 43-83

BERNÁT L. KUMOROVITZ DIE STIFTUNGSURKUNDE VON ZSELICSZENTJAKAB AUS DEM JAHRE 1061 (Die früheste erw ähnung von , ,P est' ' ) In ihrem grundlegenden Werk: „A feudalizmus kialakulása Magyarországon" (Die Ausbildung des Feudalismus in Ungarn. Budapest 1959) bemerkt E. Lederer, gelegentlich einer Erörterung der frühmittelalterlichen ungarischen gesellschaftlichen Entwicklung, dass zu einer befriedigenden Lösung der Frage nur dann zu kommen sei, wenn man die Untersuchung der wirtschaftlichen Organisation des in Entstehung begriffenen feudalen Grossgrundbesitzes zum Ausgangspunkt wählt. Dies ist ihrer Auffassung nach (im Gegen­satz zur früheren Auffassung heute bereits) auch möglich, „da uns ein an Zahl geringes, jedoch äusserst instruktives und wertvolles Urkundenmaterial zur Verfügung steht". Und unser Verdienst wird ihrerseits durch die Bemerkung hervorgehoben, dass ihre Aufmerk­samkeit hierauf durch eine unserer über die juristische Privatschriftlichkeit verfasste Ab­handlung gelenkt wurde. In der Reihe unserer Privaturkunden nimmt ihrer Meinung nach die von Otto, dem Comes von Somogy über die Stiftung des Klosters von Zselicszentjakab im Jahre 1061 ausgefertigte Urkunde, die wir 1957 entdeckten, einen besonders hervor­ragenden Platz ein. Die Zeit, aus der die Urkunde stammt, und der wahrlich ausserordent­liche Wert des Textes veranlasst uns, dass wir in unserer vorliegenden Abhandlung mit der diplomatischen und (rechts)geschichtlichen Kritik und Auslegung denjenigen Forschern, die diese Urkunde zukünftig noch gebrauchen werden, Hilfe leisten. Was wir darüber mitzuteilen haben, legen wir (aus methodischen Gründen) in den Rahmen des grossen Patronatsprozesses eingefügt vor, der zwischen der Abtei und ihren Kirchenpatronen in den Jahren 1377 und 1422 stattgefunden hat. In der zwanziger Jahren des 15. Jahrhunderts wurden selbst zwei Varianten der Ur­kunde benutzt: 1. das Originalstück aus dem Jahre 1061 und 2. die Konfirmation von König Béla IV. aus dem Jahre 1257. Keine dieser wurde jedoch unberührt und in vollem Texte uns überliefert: aus dem Original wurde im Jahre 1422 nur der Schlussteil herausgeschrie­ben, der uns in der aus dem Jahre 1438 datierten Urkunde Königs Albert, sowie in der Umschreibung von 1499, die von König Ulászló IL herstammt, erhalten blieb; der Text des Königs Béla IV. wurde 1374 vom Comes der königlichen Kapelle umgeschrieben, von hier wurde der Text — im Auszug, mit Verkürzungen und Auslassungen — von der Kanzlei des Judex Curiae Jakob Szepesi in seine aus dem Jahre 1377 datierte Urteilsurkunde ein­gefügt (in welcher das Patronatsrecht der Kirchenpatrone wegen der als Gewalttätigkeit beurteilten Besitznahme aberkannt wurde). Diese erhielt in der Umschrift des Veszprémer Kapitels (im Jahre 1432) eine Privilegsform. Wir kennen sie aber nicht aus dieser (Veszp­rémer) Urkunde, sondern aus einer einfachen Kopie, die im 17. Jahrhundert eine (bisher unbekannte) Hand zum eigenen Gebrauch verfasste. Der ursprüngliche Text war daher mehrmals der Möglichkeit einer bald absichtlichen, bald zufälligen Änderung und fehler­haften Schreibung ausgesetzt. Ein Vergleich der beiden Textteile machte evident, dass aus diesem von König Béla IV. (im Jahre 1257) umgeschriebenen und vom Judex Curiae Jakob Szepesi in seinen Urteils­brief von 1377 aufgenommenen Punkt der 1061-er Urkunde — im Vergleich mit dem vom Jahre 1422 überlieferten Text — ein Satz fehlt, der eine wichtige Verordnung enthielt, die man in den einzelnen Zeiten verschieden auslegte. Indem wir die Frage im Lichte der Institutionen der Ecclesia propria, des Patronats und der Exemption, sowie der 1377-er un 1422-er Patronatsprozesse betrachteten, vermochten wir festzustellen, dass der könig­lichen Hofkanzlei bereits im Jahre 1257, als die Bestätigung der behandelten Urkunde er­folgte, jedes Verständnis für den im Geiste der Rechtsauffassung des 11. Jahrhunderts 82

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