Tanulmányok Budapes Múltjából 11. (1956)
Kosáry Domokos, Pest-Buda és a Kereskedelmi Bizottság 1791-ben
zentrale Bedeutung gewannen. Zuerst prüft sie die Standpunkte und Wünsche der Vertreter des noch ziemlich unentwickelten Industriekapitals, sodann die Ansichten der Repräsentanten des, Handelskapitals, die — bezeichnend für die rückständigen Verhältnisse — im Übergewicht waren. Die Eingaben beleuchten freilich auch den damaligen Zustand von Handel und Gewerbe in Pest — Buda. Allen ist ein gemeinsamer Zug eigen, und zwar klagen sie alle über die koloniale Wirtschaftspolitik und ihre Folgen, welche Handel und Gewerbe des Landes erdrosseln, und über die Monopolstellung vom Handel und Gewerbe Österreichs. Ein weiteres Merkmal aber, das diese Eingaben kennzeichnet, ist die Furcht vor jeglicher Konkurrenz und diese Angst geht so weit, dass nicht die Aufhebung, sondern sogar eine Verschärfung zahlreicher einschränkender Verordungen angestrebt wird. Treffend kommt darin zum Ausdruck, wie kraftlos und unentwickelt das ungarische Bürgertum in jenerZeit war. Das Bürgertum suchte bei den Stärkeren Schutz und Unterstützung, damit die Grundbedingungen der Gewerbetätigkeit geschaffen werden könnten. Im Frühling 1790 erwartete es diese Unterstützung — laut der zeitgenössischen Schriften •— von der Bewegung der Adeligen, sodann, als diese zu Beginn des Reichstages scharf feudale Züge verriet, nährte die Bürgerschaft Illusionen über das Wohlwollen Leopolds IL; als sie sich aber auch darin getäuscht sah, versuchte sie sich 1791 wieder der von der Handelskommission vertretenen Unhabhängigkeitsbestrebungen der Adeligen anzuschliessen. Als aber Nikolaus Skerlecz für die Handelskommission das bis zum Frühling 1792 angehäufte Material zu jenen grossen Projekten verarbeitet hatte, die bis auf unsere Tage wichtigste Quellen für die in Ungarn am Ende des 18. Jahrhunderts herrschenden Zustände geblieben sind, änderten sich die Verhältnisse von neuem : im Krieg gegen das revolutionäre Frankreich verbündeten sich der Wiener Hof und der um seine feudalen Vorrechte bangende Adel, womit die »Reformvorschläge« endgültig beiseite gelegt wurden. Zusammengefasst : als ein Echo der französischen Revolution leuchten schon um 1790 jene wichtigsten Probleme auf, deren Beantwortung von der bürgerlichen, nationalen Umwandlung, von der Revolution von 1848 gegeben wird ; es melden sich schon die sozialen Kräfte, welche zur Lösung dieser Probleme berufen sind ; doch sind beide noch, sowohl Kräfte, als Probleme, unentwickelt und im Anfangsstadium. Im ganzen betrachtet können die Bewegungen der 1790er Jahre mit dem Sonnenschein der letzten Februartage verglichen werden : es ist eine Verheissung des Frühlings, doch viel zu frühzeitig, um von Kraft und Dauer zu sein. 152