Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.1. Eraviskersiedlungen im Raum Aquincum (Klára Póczy)

5.1. ERAVISKERSIEDLUNGEN IM RAUM AQUINCUM Historischer Hintergrund 1 Der eraviscus genannte keltische Stamm gehörte zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. noch zur Machtsphäre der Boier, deren östliche Grenze die Forschung in der nordöstlichen Theißgegend zieht (M. SZABÓ 1971, 10-23). Nach jetzigen Vermutungen auf Druck der Daker ließen sich die Eravisker zwischen 70 und 60 v. Chr. im Gebiet und Raum des heutigen Budapest nieder. Ihr Stammeszentrum errichteten sie auf dem Gel­lértberg, an einem früheren, spätbronzezeitlichen strategischen Punkt, den eine Wehrmauer umgab. Von hier öffnet sich eine Rundpanorama auf die Pester und Budaer Seite, andererseits konnte man von hier die zur uralten Fährstelle des Tabán führenden Straßen kontrollieren. Die Anhöhe schützten im Osten ein steiler, felsiger Uferab­schnitt der Donau, im Norden der hier in die Donau mündende Teufelsgraben (Ördögárok) und im Süden die sumpfige Ebene von Lágymányos. Gleichzeitig erleichterte die sich lang hinziehende Nordspitze der Csepel-Insel das Ubersetzen auf die Pester Seite. Nach der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr., Mitte der vierziger Jahre, holten die Daker zum entscheidenden Schlag gegen die Boier aus. Das Stammesbündnis der Boier brach in Folge ihrer Niederlage auseinander, und von da an traten die Eravisker — ähnlich anderen kleineren Völker­gruppen - unter ihrem eigenen Namen auf (M. SZABÓ 1990, 26). Der dakische Sieg hielt nur kurze Zeit vor, denn wenige Jahre später starb Burebista, der 1 S. auch mit ausführlicher Literatur „Aquincum vor der römischen Eroberung" (4.1.). große Eroberer, so dass auch die dakische Staats­macht zusammenbrach bzw. zerfiel. In den vier­ziger Jahren v. Chr. wandelte sich die politische Landkarte des Raumes von Grund auf. Auch Rom änderte nämlich nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. seine Machtbestrebungen. Ziel der auf der Linie Rhône-Rhein vordringenden bzw. von der Basis Aquileia aufmarschierenden römischen Legionen war vorher die Eroberung Galliens, Germaniens und Britannens gewesen. Nach dem von Octavian 35 v. Chr. geführten Illyrienfeldzug jedoch rückte der Plan der schon früher in Gang gesetzten Eroberung der Donau­länder mit gleichem Gewicht ins Blickfeld. Der Grund: Vorverlagerung der Grenze des Imperium Romanum bis zur Rhein-Donau-Linie, wodurch auf dem Wasserweg eine Verbindung zwischen Atlantischem Ozean, Schwarzem Meer und Mit­telmeer hergestellt werden konnte. Eine wichtige Rolle in diesem Programm fiel dem das Donauufer des heutigen Budapest beherrschenden, vermutlich Aquincum genannten eraviskischen Stammeszen­trum am Geliertberg zu. Um den Plan zu rea­lisieren, wurde die aus Aquileia kommende via Postumia verlängert, die - Poetovio berührend - in gerader Linie diagonal durch Transdanubien führte und exakt in Aquincum, bei dem keltischen Oppidum am Gellértberg, endete (PÓCZY 1998/1, 161-168). Von dieser Straße zweigte nördlich von Zalalövő (Salla) die alte Bernsteinstraße ab, deren Endpunkt am Donauufer, im Gebiet der Boier, Carnuntum (Bad Deutsch Altenburg) war. Damals begann die tatsächliche Anpassung der Donaupro­vinzen Raetia, Noricum und Illyricum (das spätere Pannonién) an die Administration des Imperium Romanum, die aber erst Jahrzehnte später abge­schlossen war. Die militärische Okkupation und

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