Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

4. Historische Zusammenfassung - 4.1. Aquincum vor der römischen Eroberung (Tibor Hable)

lieh) verschiedene Personennamen (DOMISA, DVTEVTI, ANSAH) (TORBÁGYI 1984, 185, Abb. 9). Die Propaganda der nach römischem Muster und römischem Münzfuß geprägten Geldstücke bzw. der mit römischen Buchstaben geschriebenen Aristokratennamen spiegelt jedoch eher die archaischen Verhältnisse der Gesellschaft bzw. die einfache politische Klar sieht ihrer Füh­rer als jene Unternehmungsbereitschaft wider, die zur Herausbildung einer für den Handel, so in den boischen Gebieten, günstigere Voraussetzun­gen bietenden neuen „Geldaristokratie" führte. Obwohl die Hortfunde des Zeitalters zumeist mit Münzen des augusteischen Zeitalters abschließen, ist es möglich, daß man auch unter Tiberius Herrschaft noch eine Münzstätte 12 betrieb und die Denarnachbildungen, als Zahlungsmittel des eraviskischen Binnenmarktes, erst während der Regierungszeit Claudius nach und nach aus dem Verkehr gezogen wurden (FITZ 1973-1974). Die bisherigen Münzfunde konzentrieren sich in und um Budapest, wahrscheinlich ist die Münzstätte also irgendwo hier (Tabán?) gewesen (TORBÁ­GYI 1984, 191, Abb. 10, 194). Namengebung nach Stammesüberlieferung (sog. kompositionelle Namensbildung) kann man im Material der Personennamen der civitas Era­viscorum ebenfalls beobachten. Grabinschriften zufolge kannten sie den Begriff der Vererbung nicht, was auf das Weiterleben der in der Eisen­zeit wurzelnden Form des Gemeinschaftseigen­tums hindeutet (M. SZABÓ 1971, 24, 26; M. SZABÓ 1990, 29). Letzteres rasch zu verändern lag - mit Rücksicht auf die Kontinuität der Pro­duktion - auch nicht im Interesse der Römer (MÓCSY 1959, 132; BÓNIS 1969, 215). Ähnlich den benachbarten pannonischen und dalmatischen Stämmen besaßen sie kaum Sklaven, — auf ost­pannonischen Grabsteinen erscheint der eine oder andere aus Aquincum gebürtige, als Handwerker oder Händler tätige libertus, die Handwerker glie­derten sich je nach Gewerben und sozialen Unter­schieden. Grundzellen der Gemeinschaft dürften 12 Siehe: Bia I. Fundkomplex mit einer Münze des Caligula: J. Hampel, Az eraviscus nép és emlékei. BudRég 4 (1982) 34; FITZ 1977, 545. die kleinen Familien gewesen sein, 13 clientela ist erst nach der römischen Besetzung zu beobachten (MÓCSY 1959, 254). Die keltische Bevölkerung in der Umgebung von Budapest betrieb vorwiegend Ackerbau (BÓNIS 1969, 199—227). In den Siedlungen am Donau­ufer (Békásmegyer, Szigetszentmiklós, Budapest­Víziváros) bzw. der Siedlung Gellérthegy-Tabán hingegen beschäftigte man sich wahrscheinlich mehr mit der Fischerei und Jagd als mit der Produktion von Lebensmitteln. Relikte einer ent­wickelten Agrarkultur sind die bei den Grabungen zum Vorschein gekommenen Handmühlen, Spei­chergefäße und - Gruben oder Backöfen. Die im Karpatenbecken verbreiteten Eisenwerkzeuge guter Qualität (Pflugschar, Sichel, Sense) findet man auch in der Siedlung Gellérthegy-Tabán. In den Siedlungen (Gellérthegy, Szigetszentmiklós) kam eine Vielzahl Knochen von gejagten Tieren zum Vorschein. Die Pferdehaltung hatte eine große Tradition, die auch in der Römerzeit von Bedeutung blieb. Ebenso wurden die Eichenwälder Pannoniens (glandifera Pannónia, Plin. III. 148) bekannt, wo man sich zur Haltung von Schwei­nearten kleineren Wuchses auf Eichelfütterung spezialisiert hatte. Im Rinderbestand kamen aus anderen Gegenden stammende Individuen größe­ren Wuchses vor, darüber hinaus wurden Schafe, Hunde und vielleicht Geflügel gehalten (BÖKÖ­NYI 1969, 238-244). Spuren des keltischen Töpferhandwerks sind im Gebiet von Budapest schon ab der La Tène C-Periode zu beobachten, seine Blütezeit erreichte es mit der Produktion der Töpfersiedlung Tabán im augusteischen Zeitalter (L. NAGY 1936, BÓNIS 1969). Handgeformte Stücke wurden nur in verschwindend geringer Zahl hergestellt, die besten Töpferprodukte der Periode (Gefäße mit Rotweißbemalung, mit Einglätt- bzw. Kammstrich­Verzierung und Graphittonware, große Speicher­gefäße) erscheinen auch in den kleineren Dörfern der Umgebung (HABLE 1998, 37-38). Ihre Töp­feröfen vertreten jenen Urtyp (L. NAGY 1942/2, 13 Hierauf deuten z. B. die auf dem Geliertberg freigelegten Bauten hin: BÓNIS 1969, 207-210.

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