Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.4. Das Christentum (Klára Póczy)

befestigten Stadt, neben den Wehranlagen oder in der Nähe des Tores, erbaut wurden (BARKÓCZI 1995/2). Daneben erhob sich eine Reihe von Speichern (horreum), wo man für die Zeit einer eventuellen Belagerung Lebensmittel und sonstige Ausrüstungsgegenstände anhäufte. Im Falle von Contra-Aquincum stand das Gebäude mit Apsis, das, wie man festgestellt hat, erst im 11. Jahr­hundert im romanischen Stil erweitert wurde, ebenfalls an einer solchen Stelle. Bekanntlich hat auch das Pester Kastell die ungarische Landnahme erlebt bzw. seine Funktion an der von dem Don­auübergang ausgehenden Fernstraße beibehalten (L. NAGY 1946, GYÖRFFY 1997, 76). 1973 kam zu den christlichen Baudenkmälern Aquincums eine weitere Grabkapelle hinzu. Der Fünfkonchenbau wurde am westlichen Rand der durch das Südtor des neuen, im 4. Jahrhundert errichteten Legionslagers führenden Ausfallstraße freigelegt (PARRAGI 1976/3). 13 Zwischen den Mauerresten in gutem Erhaltungszustand fand man zwei gestörte Särge. An den verputzten Mauerresten waren noch Spuren roter Bemalung zu beobachten. Der Eingang zur Kapelle lag an der Straße. Auch diesen Grabbau hatte man über den planierten Trümmern eines vorher abgerisse­nen größeren römischen Gebäudes errichtet. Von derselben breiten römischen Wagenstraße bog an der Ostseite eine schmalere, aber gepflas­terte Straße in Richtung Donau ab. Auf beiden Seiten dieser Straßenecke entstanden in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts durch Umbauten zwei größere Steingebäude. Das nördliche Gebäude war eine öffentliche Therme, hierher führte die bereits bekannte spätrömische Wasserleitung. Das südli­che Eckgebäude hatte man aus einem früheren, monumentalen Bau zu einer größeren Hallenkirche umgestaltet. Wie bei der oben schon erwähnten Kapelle im Gelände der Gasfabrik gab es auch hier das innere, rundbogig gestaltete Subsellium mit den Sitzen für den Bischof und den Klerus (PÓCZY in: Christentum 2000, 22). Vor diesen 13 Über das Konstruktionsprinzip und die neue Grundrissre­konstruktion der Grabkapelle: M." Nagy, Typological Con­siderations on Christian Funerary Buildings in Pannónia. Zalai Múzeum 11 (2002) 21-30, Abb. 4. war eine mit Dachziegeln ausgekleidete Kiste mit Deckel im Terazzofussboden versenkt, die zum Zeitpunkt der Freilegung leer war. Vielleicht wurde sie als Reliquienbehälter benützt. Davor blieben ein gemauertes Altarfundament und an beiden Seiten die Basis je einer Säule erhalten. Auch hier fehlten der Versammlungsplatz neben der Kirche und das Taufbecken am Ende des Ganges nicht. Interessant ist, daß sich in der Kirche später, Ende des 4. Jahrhunderts, eine aus mehreren eng nebeneinander aufgereihten - die Gebäudemauer bzw. einander berührenden - Steinsärgen beste­hende Begräbnisstätte herausbildete. In dieser spä­teren Periode nutzte man also die Märtyrergräber, mitunter aber auch den Versammlungsraum eines angesehenen Kirchenoberhauptes, um darin Bestat­tungen vorzunehmen. Einem Aberglauben zufolge gab der an diesem Ort von der Persönlichkeit des „heiligen Mannes" ausstrahlende Glaube durch Berührung den Gläubigen Kraft. 14 Die Mauern dieser frühchristlichen Kirche wurden im 13. Jahrhundert für das Kloster und die Kirche der Klarissen verwendet (BERTALANNÉ 1976/1). Einen anderen, aber gleichfalls auf christliche Kirchen hindeutenden Bautyp vertritt eine mehr­schiffige Halle mit Apsis auf der Westseite. Sie stand in der Militärstadt, und zwar in der Nach­barschaft der Hauptstraße, die durch das West­tor (einem aus der Porta praetoria des früheren Legionslagers umgebauten Tor) des spätkaiserzeit­lichen (neuen) Legionslagers in Richtung Brigetio führte (SZIRMAI-ALTMANN 1976). Auch dieses Gebäude errichtete man teils durch Abriss früherer Bauten und teils unter Verwendung ihrer Mauern. Aus zwei typischen Merkmalen der dreischiffigen Hallenkirche konnten wichtige Rückschlüsse gezo­gen werden. Sie hatte eine polygonale Apsis, eine Bauweise, die man nur nach dem von Aquileia aus verbreiteten Schema der spätrömischen christlichen Kirchen anwandte (E. TÓTH 1994). Der zweite nennenswerte Befund bezieht sich auf den Anfang einer kleineren, ebenfalls polygonalen, pfeilerge­stützten Kapelle hinter der nach Westen ausgerich­14 Zusammenfassend: M. Christofle, Le tombeau de la chré­tienne Sta Saba Tipasa. Paris, 1966.

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