Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.4. Das Christentum (Klára Póczy)
Abb. 1. Bronzefingerring mit Christogramm aus einem frühchristlichen Grab im westlichen Gräberfeld der Militärstadt Abb. 2. Glasschale aus einem frühchristlichen Grab im westlichen Gräberfeld der Militärstadt Abb. 3. Frühchristliche Darstellung (Konstantin I.?) auf einem Ziegelplatte an dem Südmauer der Zivilstadt sowie einige Grabsteine mit Inschriften. 7 Auch in der zurückliegenden Forschungsperiode kamen zu den Denkmälern aus Aquincum mit christlichen Symbolen einige neue Funde hinzu (Christentum 2000). Diese vorwiegend aus Gräbern stammenden Gegenstände, Ring, gläserne Tasse (TOPAL 2002/2) (Abb. 1, 2.) ergänzt eine Ritzzeichnung auf einem Ziegel aus der Zivilstadt, die auf Grund ihrer Merkmale vermutlich Konstantin I. darstellt (ZSIDI 2003, 76-77, Abb. 4). (Abb. 3.) Für eine christliche Bestattungssitte hielt man die Beigabe eines Bechers und Kruges zum Gedenken an das letzte Abendmahl (BÓNIS 1945, 567-569, Abb. 11.). Heute vertritt die Forschung die Ansicht, daß der Brauch auch bei anderen Religionen der Zeit verbreitet war. 8 Übrigens ist es an sich äußerst schwierig und mitunter unmöglich, den Nachlass einer ganz bestimmten religiösen Gruppe in der Vielfalt der religiösen Vorstellungen und Rituale dieser Periode einzugrenzen. 9 Obwohl es keinen Beweis dafür gibt, könnte auch eine noch im vorigen Jahrhundert entdeckte Menschendarstellung auf der Schwellenseite eines steinernen Türrahmens ein christliches Symbol sein. Der Türrahmen kam im Doppelbad der Zivilstadt zum Vorschein. Die Konturen der en face abgebildeten Gestalt wurden in die Steinfläche gemeißelt. Später dann hat man beide Arme bis zur Schulter abgeschlagen. Und gerade angesichts dieses Umstandes drängt sich der Gedanke 7 CIL III.3551; L. NAGY 1938, 64 und Abb. 28. Fundort Óbuda, Ecke Lajos utca - Perc utca, Gelände der Goldbergerschen Fabrik (heute weiß man, daß hier die nordsüdlich verlaufende römische Straße vorbeiführte). T. Nagy, Egy újabb ókeresztény sírkő Aquincum körzetéből. Ein weiterer frühchristlicher Grabstein aus dem Raum Aquincum. ArchÉrt 5-6 (1944/5) 273. 8 Mit gegensätzlicher Meinung: B. E. Vágó - I. Bona, Die Gräbfelder von Intercisa. Der spätrömische Südost-Friedhof. Budapest 1976, 163. 9 R. Merkelbach, Mithras. Ein persisch-römischer Mysterienkult. Wiesbaden 1998, 21; ALFÖLDI 1942/1, 709. „Das hiesige Christentum zeigt übrigens eine eigenartige Verbindung der alten heidnischen und der neuen christlichen Ideale." K. Böhner, Zum allmählichen Übergang vom Heidentum zum Christentum. Trierer Zeitschrift (1950) 98; H. v. Petrikovits, Das röm. Rheinland. Köln 1960, 141; neuerdings SCHMIDT 2000.