Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.3. Ägyptische und orientalische Götter und Kulte (Judit Topái)

8.3. ÄGYPTISCHE UND ORIENTALISCHE GÖTTER UND KULTE In Aquincum tauchen ab Mitte des 2. Jahrhun­derts bestimmte Elemente des Kultes ägyptischer und orientalischer - kleinasiatischer, syrischer, persicher — Gottheiten auf, und zwar meist ver­schmolzen (synkretistisch) mit der Götterwelt der romanisierten ortsansässigen und der hier aus verschiedenen Teilen des Imperiums angesiedelten Bevölkerung. Nordafrikanische bzw. ägyptische Kulte kom­men in archäologischen Objekten - in erster Linie Gräbern - selten vor. In einigen Fällen jedoch kann der Bestattungsritus selbst auf die Herkunft des Verstorbenen oder die Weiterfüh­rung einer von der vorangehenden Generation übernommenen Tradition hinweisen. Bislang wur­den in den Familiengräbern römischer Villen, die sich auf den die Militärstadt im Westen umgeben­den Hügeln erhoben, drei Mumienbestattungen gefunden. 1 Im Jahr 1912 kam an Fundort Szemlőhegy (Budapest II. Bezirk, Fajd u.) eine mumifizier­te Frau zum Vorschein, die in einem sorgsam mit Mörtel verschlossenen Sarg aus unverzierten Steinplatten lag. Dem auch im spätkaiserzeitlichen Ägypten gebräuchlichen Verfahren entsprechend hatte man den Leichnam in einem mit Natrium­chlorid (Kochsalz) angereicherten Bad konserviert und ihn danach mit Textilbahnen umwickelt, die 8-10 Schichten ergaben und reichlich mit Tan­nenharz und Teer durchtränkt waren. 2 Ein Ele­ment der Bandage war Seide (byssus), die von einer pinna nobilis genannten Raupenart abgeson­dert wird (L. NAGY 1935/2, 18-24). Auf Grund 1 Letzte Zusammenfassung der Mumienbestattungen in Aquin­cum: PÓCZY 1998/3. 2 V. Wessetzky, Die ägyptischen Kulte zur Römerzeit in Ungarn. Leiden 1961, 11. der im Grab gefundenen Beigaben dürfte die Frau mittleren Alters Mitte des 4. Jahrhunderts bestattet worden sein. 3 Beim Straßenbau am Táborhegy genannten Hügel stieß man 1929 erneut auf ein ungestörtes Mumiengrab in einem aus sekundär verwende­ten, bemalten Steinplatten von Gebäudeelementen zusammengesetzten und mit Mörtel fast hermetisch verschlossenen Steinsarg (L. NAGY 1935/2, 6-7, Abb. 3.). Der Leichnam der etwa 50—60 jährigen Frau war in eine 5-16 schichtige, ebenfalls reich­lich mit Tannenharz und Teer getränkte Bandage aus Baumwolle und Baumwollstoff gewickelt. Das Mumifizierungsverfahren war viel einfacher als das in Ägypten angewandte. Laut anthropologischer Untersuchung hatte man einen Teil der inne­ren Organe und die Hirnmasse überhaupt nicht aus dem Körper entfernt. Auch hier wurden das Baden bzw. Einweichen in Kochsalz verwendet. Unter dem Grabbeigaben - die gewohnten Typen spätrömischer Schmuck- und Gebrauchsgegenstän­de, die in den Zeitraum Ende 3. bis erste Hälfte 4. Jahrhundert zu datieren sind - befindet sich nicht ein Stück, das mit einem ägyptischen Kult in Zusammenhang gebracht werden könnte. 4 Der Leichnam einer mumifizierter Frau lag auch in dem 1962 in der nahe beim Westgräber­feld der Militärstadt (an der Bécsi Str.) gelegenen 5 Identifizierbar sind in unserer Sammlung gegenwärtig: eine aus Gold und grünen Glasperlen bestehende Halskette mit kleinem, glockenförmigem Bernsteinanhänger (Aq. Mus. Inv. Nr. 51481 = B.85.), Bronzebeschläge eines Kästchens (Inv. Nr. 56.202.35 = B.88-92.), Kästchengriff (Inv. Nr. 56.202.36 = B.97.), Eisenband (Inv. Nr. 56.202.42 = B.96.), Teile etner Schuheinlage aus Kork (Inv. Nr. 30257 = B.100.), Bandagenreste (Inv. Nr. 30259 = B.99b.). 4 In unserer Sammlung sind sie gegenwärtig nicht zu identifi­zieren, Datierung aufgrund der damaligen Zeichnung.

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