Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.2. Römische Götter und der Kaiserkult (Krisztina Szirmai)

Abb. 8. Silberblech mit Adlocutio von einem Schwertbeschlag 104-105; Gods, soldiers 1995, 23.). Einer 223 entstandenen Bauinschrift aus Aquincum zufolge war es Aufgabe des collegium Victorianorum, den Kaiserkult zu pflegen. Die Tafel zählt sogar die Mitglieder des Kollegiums auf. Ein anderer Tem­pel des Kaiserkults stand in einem der Innenhö­fe des Statthalterpalastes. Von hier stammt der Torso eines mit Toga bekleideten, lebensgroßen Kaiserstandbildes, das vermutlich Marcus Aurelius darstellte (Gods, soldiers 1995, 48, 140). In der Gartenanlage vor diesem Tempel wurde die reich geschmückte Fortuna-Nemesis Skulptur gefunden (SZIRMAI 1999/2, 38-39, Nr. 19). Ebenfalls in der Umgebung des Statthalterpalastes kam das Fragment einer Geniusplastik mit corona muralis zum Vorschein (SZIRMAI 1999/2, 37, Nr. 18). Den Kaiserkult repräsentiert auch der von L. Iulius Celsus, einem Bewohner Aquincums, im Jahre 164 zu Ehren des Jupiter Optimus Maximus gestiftete Altar, denn auf Grund seiner Inschrift wurde er am 1. August, einem wichtigen Feier­tag des Kaiserkults, aufgestellt. An den seitlichen Altarplatten erschienen die unbekleidete, auf einen Schild schreibende Minerva und der ebenfalls nackte, aber mit Helm und Waffe ausgestattete Mars. Die dritte Seite nimmt eine opfernde Geni­us-Gestalt mit corona muralis ein, welche - der Inschrift zufolge - den Genius von Aquincum verkörperte (ALFÖLDY 1963, 49-57; T. NAGY 1971/3, 133). Eng mit dem Kaiserkult verbun­den sind die schon früher und auch in jüngster Zeit gefundenen mythologischen Figuren aus der Geschichte der Stadt Rom, unter anderem Mars­Rhea Sylvia bzw. Lupa Capitolina mit Romulus und Remus 5 (T. NAGY 1971/3, 146-152; SZIR­MAI 1971). Nicht zu vergessen die sog. Astral­symbole, die man im Zeitraum vor 1968 für die frühesten Äußerungen des einheimischen Kults hielt (L. NAGY 1935/1, 8; L. NAGY 1941/2, 236; WELLNER 1976, 114-120). Seither hat sich die Pannonienforschung eingehend mit den besagten Symbolen und deren Deutung beschäftigt (M. 11 NAGY 1988/3, M." NAGY 1988/4, M. 11 NAGY 1989), und auch eine weitere derartige Steinmetzarbeit kam zum Vorschein. 6 Über die in der vorangehenden Forschungs­periode freigelegten Inschriften und plastischen Denkmäler hinaus ist noch ein die Scheide einer Paradewaffe schmückendes kleines Bronzerelief mit einer adlocutio-Szene mit dem Kaiserkult in Verbindung zu bringen (SZIRMAI 1996). (Abb. 8.) Einige der Inschriften und Bronze­5 In Verbindung mit der lupa Capitolina Darstellung s. noch den Abschnitt „Die Steinbearbeitung in Aquincum" (7.1.). 6 Grabung I. Wellner 1971, Plan 1, Nr. 36. Abb. 7. Kalksteinrelief mit Amor aus der Zivilstadt

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