Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.1. Die einheimischen Kulte (Klára Póczy, Krisztina Szirmai)
Opfergefäße, kleine Altäre oder Pinienzapfen. Als Silvanus Silvestris war er ein besonderer Waldgott, der an einem Altar zusammen mit der Gestalt des klassischen Hirtengottes Pan dargestellt wurde. Die Silvanus Si/vesfris-Dedikationen tauchen eher im Kreise des Militärs auf. Jüngst kam im Gebiet der von den Römern eroberten Quellen ein Altar des Silvanus Silvestris zum Vorschein (POCZY 1972/3). (Abb. 3.) Silvanus Domesticus war, den Angaben aus Aquincum zufolge, bei der einfachen Zivilbevölkerung beliebt. Eine neue Dedikation für Silvanus Augustus ist vom Gebiet der Basilika der Zivilstadt bekannt (T. NAGY 1964), und die jüngere Literatur erwähnt vom Gebiet der Militärstadt auch eine Dedikation für Silvanus Conservator. Silvanus Vertumnus, den eine Skulptur aus Aquincum mit langem Mantel und Stock darstellt, wurde als Naturgottheit in Verbindung mit den Jahreszeiten verehrt. Häufig zeigen die Darstellungen Silvanus auch mit seinen Begleiterinnen, den Silvanen. 4 In der Inschrift des von einem Legionskommandeur gestifteten Votivaltars kommt er sogar mit Silvanen, der Muttergöttin Bona Dea und der Jagdgöttin Diana vor. 4 Auch selbständig erscheinen die Silvanen in der Religiosität des Alltags, und zwar auf den kleinen Bleivotiven: ZSIDI 2000/3. Abb. 4. Muschelschale mit zwei eingravierten Panthern aus dem Diana-Tempel in der Zivilstadt Der Silvanus-Kult ist in Aquincum bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts zu belegen. 5 Auch über die einheimischen Bezüge der Diana-Inschriften kann Aquincum mit Angaben dienen (ALFÖLDY 1963, 55-61; PÓCZY 1959/2). In den vergangenen zehn Jahren wurden im nordöstlichen Teil der Zivilstadt von Aquincum die Überreste eines — bereits früher lokalisierten - Dianatempels aufgedeckt. Zu den Kultgegenständen dieses Tempels dürfte auch eine aus Muscheln gefertigte, mit Panthern geschmückte Opferschale gehört haben. 6 (Abb. 4.) Das italische Götterpaar Liber-Libera wurde in Aquincum ebenfalls verehrt. Den Inschriften aus Aquincum zufolge widmeten ihnen im 2.-3. Jahrhundert hauptsächlich Beamte bzw. Ratsmitglieder Altäre, und in der Militärstadt bestand der Kreis ihrer Anhänger vorwiegend aus Soldaten niederen Ranges, einfachen Bürgern und Sklaven. Auch mehrfigurige Votivtafeln - mit Satyr und anderen Götterfiguren - kamen im Umkreis des LiberLibera-Kults in Aquincum zum Vorschein. Bei der Ausformung des Bildtyps hatte man auch Vorbil5 T. NAGY 1942, 388-390; ALFÖLDY 1963, 54, 60; ALFÖLDY 1994, 35; T. NAGY 1971/3, 157-161; PÓCZY 1972/3, I. TÓTH 1967, Aquincum 1986, 212, Nr. 771; Religions 1998, Nr. 81. Zum Silvanus-Heiligtum der Zivilstadt s. PÓCZY op. cit. 6. 6 Unpublizierte Grabung von E. Márity 1992-93, Plan 7, Nr. 33, 46; Aquincum 1997, 118, Abb. 63. Abb. 3. Altar für Silvanus Silvestris, aus dem Quellheiligtum des Aquädukts der Zivilstadt