Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.2. Die Innendekorationen der Gebäude (Orsolya Madarassy, Paula Zsidi)
lager stammen aus dem im Hause des tribunus laticlavius sekundär eingebauten Mithräum. Auf dem nördlichen Podium stand der Grundstein des Heiligtums, darüber war in die Wand eingelassen das zentrale Kultbild platziert, und die Wände des Heiligtums schmückten an der Wende vom 2.-3. Jahrhundert gemalte Szenen der Mithras-Legende (Aquincum 1986, 215-219; MADARASSY 1991/1, MADARASSY 1991/2). (Abb. 2.) Von den fünf bislang bekannten Mithras-Heiligtümern in Aquincum ist dies das einzige mit einem Kultbild in Form eines Wandgemäldes. (Abb. 3.) Die späteste Wandbemalung, die in der behandelten Forschungsperiode im Gebiet des Legionslagers zum Vorschein kam, schmückte die Wohnung eines centurio (SZIRMAI 1984/2, Aquincum 1986, 210). Das Bild (Abb. 4) besteht aus weißen, von gelben bzw. schwarzen Streifen umrahmten Feldern und Unterteilungen mit Kandelabern, in den Mittelfeldern sind jeweils ein Obstkorb bzw. die Gestalt eines Obstkörbe tragenden Knaben (Abb. 5.) dargestellt. Es dürfte Mitte des 3. Jahrhunderts von einer der Werkstätte in Aquincum für Wandmalerei angefertigt worden sein. In der Militärstadt fand man im zurückliegenden Zeitraum besonders in deren nordwestlichem, nordöstlichem und südöstlichem Teil zahlreiche Wandmalereien (MADARASSY 1999-2000, 184186). Laut Zeugnis der Grabungen wurden in den canabae im 2. Jahrhundert überwiegend öffentliche Gebäude mit Wandmalereien ausgeschmückt (SZIRMAI 2000/3, 125), deren Überreste in der Schuttschicht späterer Geländeplanierungen zum Vorschein kommen. Im severischen Zeitalter sind im ganzen Gebiet der Militärstadt Spuren des einheitlichen städtebaulichen Konzepts zu beobachten, das auch eine reichere Dekoration der Wände einschloss. Wandmalereien des 3. Jahrhunderts werden bei den Ausgrabungen im Allgemeinen von den Wänden herabgefallen oder in situ vorgefunden, (Abb. 6.) so dass wir auch über ihren Motivschatz wesentlich mehr wissen. Damals wurden die Mensch- und Tierdarstellungen (Abb. 7.) häufiger, die Stuckgesimse reicher verziert, und in den Bildfeldern erschienen Kapitelle und Halbsäulen aus Stuck. Zwei Gebäude der Militärstadt sind im Hinblick auf ihre Wandbemalung hervorzuheben, beide standen im nordöstlichen, in der Verwaltung eine wichtige Rolle spielenden Viertel. Eine Zusammenfassung über die Wandmalereien der Statthalterresidenz war früher schon erschienen (PÓCZY 1958). Doch im Zuge der Grabungen des behandelten Zeitraums kam eine große Menge neues Material ans Licht, und ein Teil davon gehört zu den früher freigelegten Wandflächen (KÉRDŐ 2000). Als wichtigstes Ergebnis der jüngsten Ausgrabungen stellte sich heraus, daß der Statthalterpalast neben dem Hauptgebäude aus mehreren weiteren Bauten bestand und daß in diesem Komplex nicht nur das Hauptgebäude mit Wandmalereien dekoriert war (KERDŐ 1997/3, 33; KÉRDŐ 1999/1, 138-140). 3 In dem anderen öffentlichen Gebäude brachten die Ausgrabungen das schönste innenarchitektonische Ensemble der zurückliegenden Forschungsperiode an den Tag (SZIRMAI 1991/1, 203-206; SZIRMAI 2000/ 3, 124-131). Mehrere Räume dieses Gebäudes mit Atrium und Peristyl wiesen Mosaikfußböden, Wandbemalung und Stuckaturen auf. Ein Teil der Wandmalereien, häufig der figurai verzierte Sockel, blieb in situ erhalten. Zur Periode des 3. Jahrhunderts des im 2. Jahrhundert erbauten Gebäudes gehörte die prächtige Innendekoration, deren wertvollstes Stück eine Wand mit Reliefund Stuckverzierungen ist (PARRAGI 1991, 199215), in denen sich Tier- und Menschengestalten sowie Pflanzenmuster zu einer dionysischen Szene zusammenfügen. (Abb. 8.) Auch an mehreren anderen Punkten der Militärstadt kamen Gebäudereste mit Wandbemalung zum Vorschein (MADARASSY 1996, 55; MADARASSY 1997, 51-52; MADARASSY 2000/1, 49; MADARASSY 2002, 33-34). Die stratigraphischen Beobachtungen der zahlreichen Grabungen sowie die Motive der Wandmalereien verifizieren, daß die Bemalung der in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts errichteten oder umgebauten Häuser annähernd zur gleichen Zeit wie die Bauarbeiten 3 Über die Wandmalereien der Statthalterresidenz, mit Auswertung der neu ans Tageslicht gelangten Stücke, s. noch den Abschnitt „Der Statthalterpalast" (5.3.2.).