Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.2. Die Innendekorationen der Gebäude (Orsolya Madarassy, Paula Zsidi)
7.2. DIE INNENDEKORATION DER GEBÄUDE Wandmalereien, Stuckaturen Die Wandmalereifragmente aus Aquincum stellen die größte und mannigfaltigste Gruppe dieses Fundmaterials in Pannonién dar. Im vorangehenden Zeitraum versuchten die Forscher hauptsächlich zwei Aufgaben zu lösen (MADARASSY 1999-2000, MADARASSY 2000/2). 1 Einerseits die Quellen, d. h. die Materialsubstanz, zu bewahren und zu registrieren, andererseits das Quellenmaterial zu veröffentlichen. Die auch im internationalen Vergleich bedeutende Sammlung besteht aus teils restaurierten, teils aus vorübergehend aufbewahrten größeren Einheiten. Ihre Mehrzahl kann studiert werden, doch nur ein Bruchteil davon befindet sich in einem präsentablen Zustand. Im Gegensatz zu anderen Denkmalgruppen ist das Freilegen, Bergen, Konservieren, Restaurieren und die Rekonstruktion der Wandgemälde, vom Augenblick ihrer Auffindung bis zum Zeitpunkt ihre Erforschbarkeit und Deutbarkeit, oftmals die Arbeit von Jahren und beansprucht darüber hinaus viel Platz und Geld. Hinsichtlich ihres Stils und ihrer Komposition wurden die Wandmalereifragmente aus Aquincum - natürlich innerhalb der aus dem Obigen folgenden Schranken - 1892 von Bálint Kuzsinszky (KUZSINSZKY 1892, 73-123), 1942 von Lajos Nagy (L. NAGY 1942/1, 591-598), 1958 von Tibor Nagy (T. NAGY 1958, 149-187), 1971 von István Wellner (WELLNER 1971/2, 327-400) und 1958 sowie 1981 bzw. 1984 von Klára Póczy (PÓCZY 1958, PÓCZY 1981, 98; PÓCZY 1984/2, 53-65) analysiert. Der heute bekannte Grundriss sowohl der Zivilstadt, als auch 1 Im Rahmen der OTKA-Forschung, Nr. T 023728. des Legionslagers und der dieses umgebenden Militärstadt von Aquincum bildete sich auf der Grundlage eines bewußten städtebaulichen Konzeptes heraus. Von daher ist es verständlich, daß die Wandmalerei-Forschung anstelle der früheren kunsthistorischen Orientierung (L. NAGY 1942/ 1, 591-598) heute mehr und mehr nach dem Prinzip vorgeht, die mit einzelnen Bauphasen in Verbindung zu bringenden Werkstätten zu unterscheiden (PÓCZY 1984/2, 53-54). In Aquincum sind die - nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen - im Großen und Ganzen zeitgleich mit der Erlangung des Ranges eines Provinzsitzes einsetzenden Wandmalereien durchgängig bis ans Ende des 4. Jahrhunderts zu verfolgen, und zwar in sämtlichen topographischen und administrativen Einheiten der Stadt. Drei rekonstruierte, präsentierbare Wandbemalungen aus dem Legionslager wurden durch die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte bekannt. Die älteste Arbeit kam in der Retentura, einem Kommandeursgebäude des 5. scamnum, des im 2. bzw. 3. Jahrhundert bestehenden Legionslagers zum Vorschein. Zwei davon gehörten zu zwei benachbarten Räumen. In einem Raum war im Mittelfeld ein stilisierter Rahmen mit typischem Girlandenmotiv dargestellt (Aquincum 1991, 188, Abb. 108-110), das rekonstruiert werden konnte. Den anderen Raum zierte eine in roten und gelben Feldern ausgeführte Dekoration, die auf Grund der stratigraphischen Angaben in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts zu datieren ist. 2 (Abb. 1.) Die gegenwärtig bedeutendsten - und in ihrer Art einzigartigen — Wandmalereien des Legions2 Den kurzen Bericht darüber von Orsolya Madarassy enthält der in Vorbereitung befindliche Band über die 2001 in Budapest stattgefundene AIPMA Konferenz.